Bonner Regulierungsbehörde untersucht möglichen Verstoß gegen das Telekommunikationsgesetz
Liefersperre der Telekom bedroht Konkurrenten

Zu welchen Konditionen muss die Deutsche Telekom ihren Konkurrenten Produkte zur Verfügung stellen? Der Streit über diese Frage, die für einen funktionierenden Wettbewerb entscheidend ist, eskaliert derzeit in der Branche.

slo DÜSSELDORF. Broadnet Mediascape, ein Anbieter schneller Internetzugänge, hat am Freitag zu formalen Mitteln gegriffen und bei der Regulierungsbehörde beantragt, die Telekom zur Lieferung bestimmter Leistungen zu den alten Konditionen zu zwingen. Andere Anbieter erwägen dies ebenfalls, nachdem Verhandlungen auf freiwilliger Basis scheiterten und die Unternehmen ihr Geschäft bedroht sehen. Denn die Telekom verhängte auf bestimmte Produkte einen Lieferstopp.

Bei dem Streit geht es konkret um die Konditionen, zu denen Konkurrenten wie MCI, BT und Colt Telefonanschlüsse des Bonner Konzerns beziehen können. Bisher galten die selben Preisen, die auch die privaten Endkunden der Telekom zahlen. Darin sieht der Konzern jedoch einen Verstoß gegen das neue Telekommunikationsgesetz, das Mitte des Jahres in Kraft trat. Künftig will der Ex-Monpolist analoge und ISDN-Telefonanschlüsse zwar zu Großhandelspreisen an die Wettbewerber verkaufen, aber nur in Kombination mit Verbindungsminuten – gebündeltes Resale heißt das im Branchenjargon. Die Konkurrenten fürchten, dass die Telekom auf diese Weise den Wettbewerb aushebelt und ihnen hart erkämpfte Marktanteile bei Telefonminuten abnimmt.

Die alternativen Anbieter sind vor allem im Geschäft mit Unternehmenskunden auf Telefonanschlüsse der Telekom angewiesen – und zwar dort, wo sie keine eigene Infrastruktur besitzen. Denn für ein Unternehmen macht es nur dann Sinn, zu einem Telekom-Konkurrenten zu wechseln, wenn dieser alle Standorte der Firma – egal ob in der Großstadt oder auf dem Land – mit Telefonanschlüssen beliefern kann. „Wenn die Telekom sich weigert, uns auch nur einen Anschluss zur Verfügung zu stellen, hat das einen enormen Multiplikatoreffekt“, sagte Frank Brügmann, Chef von Broadnet Mediascape, „denn dann können wir den Geschäftskunden, der ja in der Regel mehrere Filialen hat, gar nicht erst akquirieren.“

Die Telekom ist derzeit offenbar nur unter einer Bedingung bereit, ihren Lieferstopp zu beenden: „Die Aufhebung der Liefersperre setzt voraus, dass die Unternehmen sich schriftlich verpflichten, gebündeltes Resale in Anspruch zu nehmen, sobald ein Angebot vorliegt“, sagte Frank Schmidt, Chef der Regulierungsabteilung der Telekom-Festnetzsparte, dem Handelsblatt. Genau das lehnen die Unternehmen ab: „Die Telekom nutzt den Lieferstopp, um einen ungemeinen Druck auszuüben und uns dazu zu bringen, gebündeltes Resale zu akzeptieren – ohne die genauen Konditionen dafür zu kennen“, sagte Brügmann von Broadnet Mediascape. Darauf kontert die Telekom: „Wir möchten gerne, dass die Wettbewerber sich bereits jetzt dazu verpflichten. Denn wir wollen in jedem Fall ausschließen, dass sich durch die Duldung der bisherigen Praxis einklagbare Ansprüche für die Wettbewerber ergeben“, so Schmidt.

Innerhalb der nächsten Wochen wird die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post entscheiden müssen, auf wessen Seite sie sich stellt. Offiziell heißt es lediglich: Wir werden so schnell wie möglich die Vorgänge prüfen.

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