Bonner scheiden im Käuferwettbewerb um AOL France aus
Telekom droht Abseits in Frankreich

Der Ausschluss der Deutschen Telekom aus den Verkaufsverhandlungen um AOL France weckt Zweifel an der Internetstrategie des Bonner Konzerns in Frankreich. Die Telekom-Tochter Club Internet läuft Gefahr, die derzeitige zweite Runde der Konsolidierung im DSL-Markt zu verpassen.

PARIS/FRANKFURT. Mittlerweile führt AOL exklusive Verhandlungen über den Verkauf von AOL France mit Neuf Cegetel, einer Tochter von Vivendi und dem Investor Louis Dreyfus. Laut Presseinformationen liegt der Preis bei rund 300 Mill. Euro. Neuf Cegetel wollte dazu keine Angaben machen. Kommt das Geschäft zu Stande, würde Neuf Cegetel rund 500 000 DSL-Kunden dazugewinnen.

Wie es aus Branchen-Kreisen heißt, war auch die Deutsche Telekom an AOL Frankreich interessiert und bot 200 Mill. Euro – zu wenig. „Eine zweite Bieterrunde hat es nicht gegeben. Vollkommen überraschend teilten Anfang August Neuf Cegetel und AOL mit, dass sie exklusiv verhandeln“, sagt ein Brancheninsider. Die Telekom wollte dazu keine Stellung nehmen.

Übernimmt Neuf Cegetel AOL France, festigt sich ein Spitzentrio im Markt. Dessen Konkurrenten aus dem Ausland wie Deutsche Telekom oder Telecom Italia können diese Marktführer ohne spektakuläre Zukäufe kaum mehr einholen. Platzhirsch ist weiterhin France Télécom mit knapp 50 Prozent Marktanteil. Um Platz zwei ringen fortan Free, Tochter des unabhängigen Anbieters Iliad, mit 18 Prozent Marktanteil und Neuf Cegetel. Letzterer käme dank AOL auf knapp 19 Prozent Marktanteil. Die Telekom-Tochter Club Internet hält derzeit nur vier Prozent Anteil am französischen DSL-Markt. Kleiner ist nur noch Tele 2, um dessen Übernahme sich die Vodafone-Mobilfunktochter SFR bemüht.

„Es stellt sich jetzt die Frage, was Club Internet in Frankreich will“, meint David Strauch, Analyst des Brokers Oddo. Für Frank Rothauge, Analyst bei Sal. Oppenheim, liegt im DSL-Zugangsgeschäft das Minimum bei zehn Prozent Marktanteil, um sich langfristig in einem Markt halten zu können. „Sollte die Telekom diesem Ziel in Frankreich und dem zweiten Auslandsmarkt Spanien nicht näher kommen, wird sie langfristig über den Verkauf der Internettöchter in Frankreich und Spanien nachdenken müssen“, so Rothauge.

Mit AOL geht Telekom bereits die zweite Zukauf-Möglichkeit in Frankreichs DSL-Markt durch die Lappen. Schon als die italienische Tiscali ihre französische Tochter im Frühjahr 2005 verkaufte, zogen die Deutschen gegen Telecom Italia den kürzeren.

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