Boombranche
Istanbul lockt deutsche Call-Center

Für Istanbuls Wirtschaft sind Call-Center eine Boombranche und besonders für deutsche Auftraggeber attraktiv. Die Türkei punktet mit niedrigen Löhnen und deutschsprechenden Mitarbeitern. Weitere Verlagerungen von Dienstleistungen deutscher Unternehmen stehen bevor.

ISTANBUL. Wenn Fulya Yesilalioglu morgens zur Arbeit geht, wird aus ihr Ilona Weiß. Dabei arbeitet die junge Türkin nicht als Geheimagentin oder Schauspielerin. Sie führt in einem Istanbuler Call-Center des deutschen Dienstleisters Defacto Verkaufsgespräche per Telefon. Die Angerufenen sitzen in Deutschland und sollen nichts davon merken, dass Frau Weiß mehr als zweitausend Kilometer entfernt und mitten in der türkischen Millionenmetropole Istanbul sitzt.

Für Istanbuls Wirtschaft sind Call-Center eine Boombranche und besonders für deutsche Auftraggeber attraktiv. Nicht nur Defacto, auch die Lufthansa, die Bertelsmann-Tochter Arvato und Siemens Business Service bauen ihre Call-Center-Aktivitäten in der türkischen Millionenmetropole aus. Für deutsche Unternehmen ist das besonders einfach, denn ihnen stehen viele Bewerber, meist Rückkehrer aus Deutschland, mit exzellenten Deutschkenntnissen zur Verfügung.

„In der Verbindung von deutschem Projektmanagement und dem noch günstigen türkischen Lohnniveau lässt sich eine interessante Mischkalkulation erstellen“, sagt Manfred Stockmann, Präsident des deutschen Branchenverbandes Call-Center-Forum. So würden deutsche Anbieter wettbewerbsfähiger. Susann Unger, Teammanagerin bei Defacto, teilt diese Ansicht: „Aufträge sind hier in Istanbul im Vergleich zu unserem deutschen Standort in Erlangen schon ab einem halb so hohen Auftragswert rentabel.“

Das liegt vor allem an den niedrigen Personalkosten, die etwa zwei Drittel der Gesamtkosten eines Call-Centers ausmachen. So verdient ein Mitarbeiter der Branche in Deutschland nach Verbandsangaben durchschnittlich rund 1 700 Euro brutto. In Istanbul ist es weniger als die Hälfte, etwa 800 Euro, was ungefähr dem türkischen Durchschnittslohn entspricht. Solche Lohnkostenvorteile bei Dienstleistungen blieben Ländern wie der Türkei noch etwa 20 Jahre erhalten, errechnete die Unternehmensberatung A.T. Kearney in einer Studie.

Stockmann vom Call-Center-Forum sieht darin aber keine Gefahr für deutsche Arbeitsplätze. Zumal der türkische Anteil noch relativ gering sei: In der Türkei gibt es nach Experten-Schätzungen etwa 3 000 Arbeitsplätze, in denen vorrangig deutsche Anrufe bearbeitet werden. Rund 400 000 Stellen bietet die Branche in Deutschland derzeit.

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