Boykott
Amazon schmeißt Wikileaks vom Server

Die meisten kennen ihn als Online-Buchladen, doch der US-Internetdienst Amazon bietet noch mehr - beispielsweise die Vermietung von Platz of Webservern. Gegen Geld hat er Wikileaks die nötige Anbindung an die Welt verschafft, um die Neugier von Millionen Besuchern befriedigen zu können. Doch jetzt müssen die Enthüller umziehen.
  • 6

HB WASHINGTON/LONDON. Das amerikanische Internet- Unternehmen Amazon hat die Dokumente der Enthüllungsplattform Wikileaks von seinen Servern verbannt. Die Internet-Aktivisten hatten bei der Veröffentlichung der geheimen diplomatischen US-Depeschen auf den Amazon Web Service (AWS) zurückgegriffen, um die hohen Zugriffszahlen auf die Dokumente bewältigen zu können.

"Amazon Server abgedreht", schrieben die Internet-Aktivisten im Kurznachrichtendienst Twitter und warfen dem US-Dienstleister einen Verstoß gegen die Redefreiheit vor. "Okay, wir geben jetzt unsere Dollar in Europa aus."

Zuvor hatte der der unabhängige US-Senator Joe Liebermann, Vorsitzender des Homeland-Security-Ausschusses, Amazon mit einem Boykott gedroht, berichtete die britische Tageszeitung Guardian. "Ich hätte mir gewünscht, dass Amazon diese Maßnahme früher ergreift angesichts der vorherigen Veröffentlichungen geheimer Informationen durch Wikileaks", sagte Liebermann.

Wikileaks hatte mit einem Umzug in die "Cloud", also in ein Netz von verteilten Rechenzentren, sich auch gegen mögliche Attacken auf seine technische Infrastruktur wappnen wollen: Seit der Veröffentlichung der ersten geheim-Dokumente hatten Hacker immer wieder versucht, die Website cablegate.wikileaks.org mit einem sogenannten Distributed-Denial-of-Service-Angriff (DDoS) lahmzulegen.

Dabei werden von zahlreichen Rechnern aus dem Netz unendlich viele Anfragen an den Wikileaks-Rechner geschickt, um den Server in die Knie zu zwingen. Amazons Angebot für das "Cloud Computing" richtet sich an Unternehmen, die große Datenmengen im Internet möglichst sicher unterbringen und vor Verlusten schützen wollen.

Wikileaks-Gründer Julian Assange soll sich derweil einem Zeitungsbericht zufolge in Großbritannien aufhalten. Assange habe den britischen Behörden nach der Ankunft im Oktober seinen Aufenthaltsort angezeigt, berichtete die Zeitung „Independent“ am Donnerstag unter Berufung auf Polizeikreise.

Die britischen Strafermittler seien bislang nicht tätig geworden. Noch seien technische Fragen im Zusammenhang mit dem Haftbefehl zu klären. Die schwedischen Behörden suchen den gebürtigen Australier wegen des Verdachts der Vergewaltigung. Interpol fahndet weltweit. Assange weist die Vorwürfe zurück und spricht von einer Intrige.

Wikileaks und mehrere Medien hatten in den vergangenen Tagen etliche US-Geheimdokumente mit brisanten Details über die amerikanische Diplomatie veröffentlicht. Das US-Außenministerium erklärte, Personen, die durch die Veröffentlichung in Gefahr geraten könnten, sei Hilfe angeboten worden. „Wir glauben, dass die Veröffentlichung dieser Depeschen in der Tat Leben in Gefahr bringt“, sagte Außenamtssprecher.

Kommentare zu " Boykott: Amazon schmeißt Wikileaks vom Server"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • AMAZON = ANTi-DEMOKRAT ?
    buy somewhere else?
    Klar, daß die Scheriffs ihn loswerden wollen. Dieser Mann ist der Robin Hood des informationszeitalters.

  • Zitat von FTD.de:
    " Lieberman rief derweil dazu auf, der Plattform auch in anderen Ländern die Nutzung zu Servern zu verwehren. "Wikileaks' illegales, ungeheuerliches und rücksichtsloses Vorgehen setzt unsere nationale Sicherheit aufs Spiel und gefährdet rund um den Globus Leben", hießt es in einer Mitteilung des parteilosen Senators. "Kein verantwortungsbewusstes Unternehmen - ob amerikanisch oder ausländisch - sollte Wikileaks bei seine bemühungen helfen, gestohlenes Material zu verbreiten."

    ich glaube mich streift ein Autobus! Wikileaks gefährdet Menschen rund um den Globus? Ach, die Erfindung um das Vorhandensein von AbC-Waffen im iRAK hat wieviel Menschen im anschließenden Krieg das Leben gekostet?

    bei soviel Senatoren-Heuchelei kotz ich gleich den Morgenkaffee aus !

  • ich würde mal sagen; die wollen den Laden unbedingt tot kriegen...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%