Branche rechnet für 2003 aber weiter mit Umsatzrückgang
Netzausrüster bauen auf China

Die Durststrecke der großen Ausrüster von Mobilfunknetzen scheint überwunden zu sein. Der weltgrößte Anbieter der Branche, Ericsson, hat gestern erneut einen Ausrüstungsauftrag aus China bekannt gegeben. Zwar beträgt das Volumen der Bestellung nur 29 Mill. $. Doch Analyst Håkan Wranne von der Investmentbank Fischer Partners in Stockholm wertet den Auftrag als Zeichen für eine eine langsame Erholung der angeschlagenen Netz-Branche.

hst/slo STOCKHOLM/DÜSSELDORF. „Derzeit läuft es wieder gut in China und den USA“, sagt Wranne und prognostiziert für das nächste Jahr auch eine Wiederbelegung des europäischen Marktes. „Die Mobilfunkbetreiber benötigen neue Kapazitäten, sie müssen ihre Netze ausbauen“, erläutert der Experte. In China und in den USA hat sich diese Erkenntnis offenbar schon durchgesetzt. Auf diesen beiden wichtigsten Märkten für Ericsson konnten die Schweden im August große Aufträge gewinnen.

Am wichtigsten war die Bekanntgabe einer Bestellung im Wert von 600 Mill. $ von der China Mobile-Tochter Guangdong Mobile Communication für den Ausbau des GSM-Netzes. „Wir sehen endlich eine Erholung auf dem chinesischen Markt“, sagte Jan Malm, China-Chef von Ericsson. Wichtiger noch: Er deutete an, dass die Erholung in China schneller ginge als zunächst von Ericsson erwartet. Der Konzern, der seit dem Jahr 2000 seine Mitarbeiterzahl von 110 000 auf unter 50 000 reduziert hat, will bis Ende des Jahres wieder schwarze Zahlen schreiben.

Allein in diesem Jahr hat Ericsson nur aus China Aufträge im Wert von mehr als 6 Mrd. Euro erhalten. Der gesamte asiatisch-pazifische Raum steht mittlerweile für ein Viertel aller Mobilfunknetz-Aufträge des schwedischen Unternehmens. Telekom-Analyst Wranne rechnet mit weiteren Milliarden- Aufträgen aus China. „Was immer noch fehlt, ist Europa. Hier wird nur das absolut Notwendigste investiert“, sagt er.

Die stark gebremste Investitionstätigkeit der Telekom-Konzerne wurde jüngst von der Ratingagentur Fitch kritisiert. Ihr radikaler Sparkurs ginge möglicherweise zu weit, sie würden damit ihr künftiges Wachstums aufs Spiel setzen, warnten die Analysten von Fitch. Doch die Einsicht hat sich bisher nur vereinzelt durchgesetzt: So hat der größte US-Mobilfunker Verizon Wireless vorige Woche einen Auftrag im Volumen von 1 Mrd. Dollar an Nortel vergeben.

Trotz einiger positiver Signale wird sich an der Lage der Telekomnetzausrüster zumindest in diesem Jahr nicht viel ändern. Die Branche geht für 2003 von einem Umsatzrückgang von 15 % bei Mobilfunknetztechnik und fast 20 % im Geschäft mit Festnetz-Infrastruktur aus. Die jüngsten Quartalszahlen machten die Hoffnungen auf eine schnelle Erholung vorerst zunichte. So fuhr der Netzbauer Nortel im zweiten Quartal wieder einen Verlust ein – nach einem kleinen Gewinn im ersten Quartal dieses Jahres. Auch die Umsätze blieben hinter den Erwartungen zurück.

Damit schloss sich Nortel den enttäuschenden Zahlen von Konkurrenten wie Lucent an. Sinkende Umsätze verzeichnet selbst Cisco. Dabei hat der US-Netzausrüster die Krise bisher wegen vieler Auftraggeber aus dem öffentlichen Sektor gut überstanden. Im abgelaufenen Quartal steigerte Cisco zwar sein Ergebnis, aber das in erster Linie wegen eines energischen Sparkurses.

Auch Nokia kämpft weiter mit seinen Mobilfunknetzen, die allerdings nur für rund 20 % des Gesamtumsatzes stehen. Neuester Schachzug der Finnen: Sie bieten für Entwicklungsländer preiswertere Mobilfunk-Infrastruktur an. Zielländer sind etwa Indien, Afrika und teilweise auch Osteuropa.

Analysten gehen davon aus, dass sich der Markt für Netzausrüstung im nächsten Jahr aber auf einem niedrigen Niveau stabilisieren wird. „Zweistellige Wachstumsraten, wie wir sie in den späten 90er Jahren erlebt haben, wird es nie wieder geben“, schreiben die Analysten von Credit Suisse First Boston in einer aktuellen Studie.

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