Branchenverband SIA erwartet gutes Geschäft im zweiten Halbjahr
In der Chipindustrie kommt Optimismus auf

Die Halbleiter- Branche geht davon aus, dass die längste Krise ihrer Geschichte bald zu Ende geht. „Die Lager sind leer und die Nachfrage zieht an. Das wird im Rest des Jahres zu steigenden Chipverkäufen führen“, sagte gestern George Scalise, der Präsident des amerikanischen Branchenverbands Semiconductor Industry Association (SIA). Zudem sei die Kapazitätsauslastung kräftig geklettert.

jojo MÜNCHEN. Im abgelaufenen zweiten Quartal stieg der weltweite Absatz gegenüber dem Vorjahr um mehr als 10 % auf 37,6 Mrd. $. Für das gesamte Jahr rechnet Scalise ebenfalls mit einem Plus im Vergleich zu 2002 von etwa 10 %. Nächstes Jahr soll es sogar um fast 17 % aufwärts gehen, ehe das Wachstum in der traditionell sehr zyklischen Industrie wieder schwächer wird.

Nach Angaben der SIA profitieren die Chipkonzerne derzeit vor allem davon, dass sich Personalcomputer wieder deutlich besser verkaufen als in den vorangegangenen Quartalen. Das ist wichtig, denn die Computerbauer sind die mit Abstand größten Kunden der Halbleiter-Hersteller. Im zweiten Quartal kletterte der PC-Absatz weltweit laut der Marktforscher von IDC um rund 8 %. Darüber hinaus hätte auch eine starke Nachfrage nach Breitband-Anschlüssen wie DSL für eine kräftige Belebung in der Chipbranche gesorgt, hieß es bei SIA.

Die überraschend guten Aussichten führten gestern in einem schwachen Markt zu einem zeitweise kräftigen Kursanstieg der Infineon-Aktien von mehr als 4 % auf rund 12 Euro. Am späten Nachmittag lag der Kurs noch mit 3 % im Plus. Die Aktie hat damit seit Jahresbeginn um mehr als die Hälfte an Wert gewonnen.

Der Münchener Chipkonzern profitiert derzeit vor allem von den zuletzt stark gestiegenen Preisen für Speicherchips, so genannten Drams. Inzwischen sind die Preise wieder annähernd so hoch, dass Infineon kostendeckend produzieren kann.

Das war die vergangenen zwei Jahre nicht der Fall. Deshalb rutschte die frühere Siemens-Tochter tief in die roten Zahlen und musste Milliarden-Verluste hinnehmen. Für das laufende Quartal hat Infineon- Chef Ulrich Schumacher aber erstmals wieder schwarze Zahlen prognostiziert. Zudem hat er am Wochenende eine Dividende für 2004 in Aussicht gestellt.

Der Optimismus des Managers ist nicht allzu gewagt: Die Deutsche Bank erwartet, dass die Dram- Preise in der ersten Hälfte dieses Monats nochmals um 5 bis 10 Prozent klettern. Bereits in den vergangenen Wochen sind die Preise stark gestiegen. Zum Vergleich: Im Mai kostete der weit verbreitete DDR-Chip mit 256 Megabit und 266 Megahertz noch knapp 3 $. Gestern lag der Preis bei 4,64 $. Die Analysten der Deutschen Bank gehen davon aus, dass die Chippreise auch in den nächsten Monaten das derzeitige Niveau keinesfalls unterschreiten werden.

Nicht nur Infineon profitiert von den gestiegenen Chippreisen. Weltweit können viele Halbleiter-Hersteller jetzt wieder aufatmen, weil sie kein Geld mehr verbrennen. Auch Infineons Taiwaner Kooperationspartner Nanya hat angekündigt, dass die Chips nun zu Preisen verkauft werden, bei denen sich die Herstellung lohnt.

In Taiwan entsteht ein großer Teil aller weltweit eingesetzten Chips. Durch den Irak-Krieg und die in Asien weit verbreitete Lungenkrankheit SARS war die Nachfrage im Frühjahr unerwartet stark eingebrochen. Mit Ausnahme des koreanischen Samsung-Konzerns sind daraufhin alle Speicherchip-Hersteller noch tiefer als zuvor in die roten Zahlen gerutscht.

Trotz der günstigen Prognosen ist von Euphorie in der Halbleiterbranche aber noch nichts zu spüren. Jede Voraussage in dem äußerst anfälligen Markt sei schwierig, heißt es beispielsweise bei Winbond, einem der großen taiwanesischen Chiphersteller. Die Firma, ebenfalls ein Produkions-Partner von Infineon, möchte sich deshalb nicht festlegen, wann sie wieder Gewinne erwirtschaftet.

Quelle: Handelsblatt

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