Brauerei beschwert sich über Film
Denzel Washington soll kein Budweiser trinken

Der Brauereikonzern Anheuser-Busch will nicht, dass Denzel Washington in seinem neuen Film Budweiser-Bier trinkt. Denn er spielt einen alkoholkranken Piloten. Für andere Produktplatzierungen fließt dagegen viel Geld.
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Düsseldorf/Los AngelesFür Produktplatzierungen zahlen Unternehmen in der Regel viel Geld. In Kinofilmen werden gerne mal flotte Sportkarossen von ihrer besten Seite präsentiert, ein Pflegeprodukt in Szene gesetzt und nicht zuletzt Schokoriegel und allerlei Markensnacks vernascht.

Im gerade angelaufenen James-Bond-Film „Skyfall“ erreicht das Product-Placement einen neuen Höhepunkt. 007 greift in einer Szene zum Bier von Heineken statt zum üblichen Martini. 45 Millionen Dollar soll der niederländische Brauereikonzern dafür bezahlt haben, heißt es Gerüchten zu Folge. Eine Summe, die Heineken sicher wohl überlegt für den Werbeauftritt investiert hat. Insgesamt sollen ein Drittel der geschätzten 200 Millionen Dollar Produktionskosten von Markenherstellern finanziert worden sein.

Wenn die Produktplatzierung jedoch kostenlos erfolgt, dann stimmt etwas nicht. Das dachte sich auch Heineken-Konkurrent Anheuser-Busch. Der Brauereikonzern hat sich bei der Produktionsfirma Paramount Pictures beschwert, dass im Film „Flight“ Hauptdarsteller Denzel Washington Bier der Anheuser-Marke Budweiser trinkt. Denn Washington spielt in „Flight“ keinen coolen Geheimagenten, sondern einen alkoholkranken Piloten.

In einer Szene trinkt Washington ein Budweiser – beim Autofahren. Anheuser-Busch sei vorher nicht gefragt worden und hätte seine Zustimmung nicht gegeben, wenn es gefragt worden wäre, erklärte Vizepräsident Rob McCarthy am Montag. „Wir würden niemals den Missbrauch unserer Produkte billigen und haben eine lange Geschichte des Eintretens für verantwortliches Trinken und gegen Trunkenheit am Steuer“, erklärte er.

Anheuser-Busch forderte Paramount Pictures auf, den Namen ihres Biers Budweiser in dem Film von Regisseur Robert Zemeckis unkenntlich zu machen. Das Logo der Marke solle in digitalen Ausgaben des Filmes wegretuschiert werden, die bereits in den Kinos gezeigt werden oder noch gezeigt werden sollen.

In dem Film sind auch mehrere Wodka-Marken zu sehen. Die Firma Stolichnaya teilte mit, sie habe dies ebenfalls nicht lizenziert. „Angesichts des Themas dieses Films ist das nicht etwas, bei dem wir dabei sein hätten wollen“, sagte ein Sprecher des Unternehmens William Grant & Sons, die den Stolichnaya-Wodka in den USA vertreiben.

Rechtsexperten sehen keine reelle Chancen für die Unternehmen, ihre Produkte aus dem Film wegretuschiert zu bekommen. Gesetze zum Schutz von Markennamen „existieren nicht, um den Firmen das Recht zu geben, Filme und TV-Shows zu kontrollieren und zu zensieren, die Gegenstände aus der wirklichen Welt zeigen“, erklärte Daniel Nazer von der Universität Stanford. „Oft werden Filmemacher dafür bezahlt, Firmen und ihre Produkte einzubeziehen“, fügte er hinzu. „Ich denke, das hat zu einer Kultur geführt, in der sie erwarten, Kontrolle zu haben. Das ist kein Recht, das ihnen das Markennamengesetz gibt.“

 
Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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