Braunschweiger Verlag bekommt neue Eigentümerstruktur und drückt die Personalkosten
Nord LB trennt sich von Zeitungsgruppe

Die Norddeutsche Landesbank (Nord/LB), Hannover, will sich von ihrer Beteiligung am Braunschweiger Zeitungsverlag trennen. Wie das Handelsblatt aus Kreisen der Nord/LB erfuhr, bereitet allerdings das öffentlich-rechtliche Kreditinstitut bereits entsprechende Verkaufsunterlagen vor. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

HAMBURG. Die Norddeutsche Landesbank (Nord/LB), Hannover, will sich von ihrer Beteiligung am Braunschweiger Zeitungsverlag trennen. „Wir prüfen derzeit einen Verkauf unseres Anteils“, sagte ein Bankensprecher auf Anfrage. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Die Nord/LB hält 25 Prozent an dem Braunschweiger Zeitungsverlag- Druckhaus Albert Limbach GmbH & Co. KG.

Wie das Handelsblatt aus Kreisen der Nord/LB erfuhr, bereitet allerdings das öffentlich-rechtliche Kreditinstitut bereits entsprechende Verkaufsunterlagen vor. Nord/LB-Chef Hannes Rehm hatte erst vor kurzem erklärt, dass sich die Bank auf das Kerngeschäft konzentrieren und sich von den Randaktivitäten trennen will. Dazu gehört die milliardenschwere Immobilientochter Nileg.

Größter Gesellschafter der Braunschweiger Zeitungsgruppe ist mit 45 Prozent die Hamburger Verlegerfamilie Voigt. Offen ist, ob sie Interesse an einem Erwerb des Anteils von der Nord/LB hat. Sollte dies nicht der Fall sein, könnte möglicherweise auch ein deutscher Großverlag bei den Braunschweigern zum Zug kommen. Eine Sprecherin der Familie wollte hierzu auf Anfrage des Handelsblatts keinen Kommentar abgeben. Sie wollte zudem auch über die aktuelle Anteilsstruktur keine Auskunft geben.

Das Printunternehmen ist einer der größten Regionalzeitungsverlage in Deutschland. Dort erscheinen unter anderem die „Braunschweiger Zeitung“, die „Wolfsburger Nachrichten“, die „Salzgitter Zeitung“ sowie das Anzeigenblatt „Neue Braunschweiger“.

Damit gerät der deutsche Regionalzeitungsmarkt erneut in Bewegung. Erst Ende vergangenen Jahres war der Süddeutsche Verlag („Süddeutsche Zeitung“) bei der „Frankenpost“ eingestiegen, nach dem sich die Münchener zwei Jahre zuvor aus dem Regionalverlag aus kartellrechtlichen Gründen zurückgezogen hatten. Im vergangenen Jahr hatte sich zudem der Berliner Axel Springer Verlag (Bild, Welt, Hörzu) mit 14,5 Prozent an der Westfalen-Blatt Zeitungsverlage GmbH in Bielefeld beteiligt. Das Unternehmen gibt das „Westfalen-Blatt“ mit fünf Haupttiteln und 25 Lokalausgaben bei einer täglichen Gesamtauflage von durchschnittlich 133250 verkauften Exemplaren heraus.

Die deutschen Regionalzeitungsverlage suchen seit einigen Jahren finanzstarke Partner: „Mit Blick auf die Kosten wird in Zukunft möglicherweise stärker kooperiert, etwa beim Druck, im Anzeigen- und Vertriebsbereich“, sagte eine Sprecherin des Bundesverbands der deutschen Zeitungsverleger (BDZV). Der Einstieg könnte den Großverlagen nun durch eine veränderte gesetzliche Regelung im Pressefusionsrecht erleichtert werden.

Grund für die Konzentration ist vor allem der wachsende Kostendruck der Regionalverlage, die unter schrumpfenden Lesermärkten leiden. „Die verkauften Auflagen der regionalen und lokalen Zeitungen gehen jährlich um durchschnittlich ein bis zwei Prozent zurück“, erläutert die BDZV-Sprecherin. Um die Kosten in den Griff zu bekommen, würden sich deshalb viele Printhäuser auf Zusatzmärkten engagieren. Dazu gehören beispielsweise der Verkauf von Büchern und Compact Discs (CD).

Die Braunschweiger Zeitungsgruppe drückt derzeit bei den Personalkosten auf die Bremse. So soll die Zahl der Mitarbeiter auf 580 von zuvor 630 sinken. „Es wurden vor kurzem 50 betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen“, sagte Volker Stehr, Vorsitzender des Betriebsrats. Mit der Geschäftsführung werde ein Sozialplan erarbeitet.

Grund für die Entlassungen ist die Schließung mehrerer Bereiche. Dazu zählen unter anderem Teile der Druckbereichs sowie die telefonische Erfassung von Anzeigen und redaktionellen Texte. Der Verlag hatte 2003 einen Umsatz von rund 85 Mill. Euro erzielt. Die Geschäftsführung wollte zu Personalfragen und der Ertragslage keinen Kommentar abgeben.

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