Breitbandausbau
Die Schweiz wirft den Turbo an

Die kleine Schweiz kommt in der Telekommunikation groß raus: Marktführer Swisscom baut Glasfaserkabel bis in die Häuser – schnellere Leitungen gibt es nirgendwo auf der Welt. Bei dem teuren Bau betreten die Schweizer gleich in doppelter Hinsicht Neuland.
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DÜSSELDORF. Beim Ausbau ihres Breitbandnetzes betreten die Schweizer in doppelter Hinsicht Neuland: Zum einen teilen sie sich die Investitionen mit den Energieversorgern. Zum anderen verbuddeln die Partner eine Leitung, die sich in vier Stränge teilen lässt. Damit entstehen vier voneinander unabhängig nutzbare Kabel, aber nur einmalige Grabekosten. Die zwei weiteren Kabel können Wettbewerber entweder kaufen und sich an den Baukosten beteiligen oder von den Versorgern oder der Swisscom mieten.

Deutsche Regulierer loben „interessanten Ansatz“

Die doppelte Revolution könnte Vorbild sein für Deutschland, wo der Ausbau von viel langsameren Verbindungen stockt. Der hiesige Chefregulierer Matthias Kurth hat sich schon in der Alpenrepublik erkundigt und drängt nun in Deutschland auf einen schnellen Ausbau des Breitbandnetzes. „Solche Ansätze sind durchaus interessant, vor allem wenn sie vom Marktführer kommen, weil der häufig kein natürliches Interesse an einer Kooperation mit seinen Wettbewerbern hat“, sagt Kurth dem Handelsblatt. „Im Kreis der ehemaligen Monopolisten in Europa steht die Swisscom mit dem Modell bisher alleine da.“

In Swisscom-Kreisen heißt es, man sei vom europäischen Verband der Telekomanbieter hart angegangen worden wegen des Vorgehens. Der Grund ist taktischer Natur: Mit ihrem Modell schert die Schweiz aus der Phalanx der Ex-Monopolisten aus, die sich gegen Kooperationen wehren und stattdessen zumindest in den lukrativen Großstädten alleine bauen wollen. So könnten sie sich ein neues Monopol schaffen. Damit das klappt, fordern Sie eine Befreiung von der Regulierung und argumentieren, dass sie eine angemessene Rendite für die hohen Baukosten benötigen.

Telekom-Leitungen langsamer als das Schweizer Modell

Auch die Deutsche Telekom hat sich für diesen Weg entschieden – und zwar bei der Vorgänger-Generation des Schweizer Modells, der so genannten VDSL-Technik. Sie ist deutlich billiger, weil die Kabel dabei nicht bis in die Häuser, sondern nur bis an die Straßenecken reichen. Dadurch sind die Leitungen aber auch nur halb so schnell wie die Turbos in der Alpenrepublik.

Die Telekom hat sie in 50 deutschen Städten gebaut, dafür drei Mrd. Euro ausgegeben und Freiheit von der Regulierung gefordert. Berlin wollte sie gewähren – und hat sich damit prompt ein Vertragsverletzungsverfahren der EU eingehandelt. Nach jahrelangem Gezerre hat sich die Telekom im Sommer schließlich mit United Internet und Vodafone ohne den Zugriff von Kurth auf einen Preis geeinigt, zu dem sie VDSL vermietet.

Doch damit ist das deutsche Breitbandproblem nicht gelöst. Der Streit geht jetzt jenseits der 50 Städte weiter. Die Bundesregierung will, dass bis 2014 zwei Drittel aller Haushalte Zugang zu dem neuen Netz haben.

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  • Das Geld, das die Schweiz für den Ausbau aufbringt, wird in Deutschland erstmal in Studien gesteckt, um schlussendlich doch alles dem Monopolisten zukommen zu lassen.
    Schließlich arbeitet die Telekom in Deutschland ja auch die entsprechenden Gesetzesvorlagen im bundestag aus.

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