Breitbandmarkt
Liberty greift Telekom frontal an

Mit der 3,5 Milliarden Euro teuren Übernahme von Unitymedia durch den US-Kabelriesen Liberty Global wird der Kampf um den lukrativen Breitbandmarkt in Deutschland noch härter. Liberty nimmt die Deutsche Telekom, den unbestrittenen Bonner Branchenprimus, noch stärker ins Visier. Für die Telekom kommt die Attacke zur Unzeit.
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DÜSSELDORF. "Diese Transaktion wird für einen härteren Wettbewerb sorgen", sagte Unitymedia-Chef Parm Sandhu dem Handelsblatt am Wochenende; er hat bereits früher für Liberty gearbeitet. "Sowohl beim Preis als auch bei der Qualität ist Unitymedia erfolgreich gegen die Telekom", sagte Liberty-Strategiechef Shane O' Neill.

Unitymedia hat in Nordrhein-Westfalen und Hessen bereits in der Vergangenheit mit Billigangeboten und schnellen Internetverbindungen von bis zu 100 MBit pro Sekunde der Telekom stark zugesetzt. Von den zwei Millionen neuen DSL-Kunden hat sich, nach einer Studie des Branchenverbandes VATM und der Unternehmensberatung Dialog Consult, fast eine Million für einen Kabelanbieter entschieden. Noch besitzt die Telekom mit einem Marktanteil von 48 Prozent am deutschen DSL-Markt die Marktführerschaft. Der Breitbandmarkt in Deutschland beläuft sich nach einer Studie der Landesbank Baden-Württemberg auf 35 Mrd. Euro.

Der Wettbewerb wird aggressiver

Der Erfolg der Kabelkonzerne spiegelt sich auch in der Bilanz von Unitymedia nieder. Dank eines preiswerten Paketangebots für digitales Fernsehen, Internet und Telefon gelang es dem zweitgrößten Kabelkonzern im dritten Quartal Umsatz und Ergebnis zu steigern. Die Erlöse im vergangenen Quartal stiegen um drei Prozent auf 227 Mio. Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) legte zwölf Prozent auf 113 Mio. Euro zu.

In Zukunft wird der Wettbewerb noch aggressiver geführt werden. Denn Liberty sieht im deutschen Markt großen Nachholbedarf. "Der Grad der Digitalisierung in Deutschland ist niedriger als beispielsweise in anderen europäischen Ländern wie den Niederlanden. Das wollen wir ändern", sagte O'Neill dem Handelsblatt. Auch Liberty-Präsident Mike Fries sprach von einem "bedeutenden unerschlossenen Wachstumspotenzial in einem der am schnellsten wachenden Kabelmärkte in Europa". Wie der Expansionsplan genau aussieht und wie viel Geld bereit steht, wollte O?Neill nicht sagen.

Für die Telekom kommt die Attacke von Liberty zu einer Unzeit. Denn in diesem Jahr werden die Telekomanbieter nach einer VATM-Studie insgesamt nur noch gut zwei Mio. neue Kunden für schnelle Internetzugänge gewinnen. Das ist eine Million weniger als 2009. Bislang spielen die Kabelkonzerne Unitymedia, KDG oder Kabel BW noch eine Nebenrolle im wachsenden Markt des schnellen Internets. Doch die von der Telekom unterschätzten Kabelkonzerne wachsen schnell. Nach einer Studie der Landesbank Baden-Württemberg beläuft sich ihr Anteil derzeit auf acht Prozent. In diesem Jahr soll der Anteil auf zehn Prozent wachsen.

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