Breitbandversorgung
Auktion von Rundfunkfrequenzen droht Debakel

Experten rechnen mit Erlösen von bis zu 2,5 Milliarden Euro bei der Versteigerung. Prognostiziert waren bislang bis zu doppelt so hohe Einnahmen für die Versteigerung der Frequenzen im Bereich von 800 Megahertz, wichtig für die Breitbandversorgung in der Fläche. Der Staatskasse droht ein finanzielles Desaster. Was den Preis der Frequenzen drückt.
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BONN. Die bisher größte Versteigerung von Frequenzen in Deutschland droht für die Staatskasse zum finanziellen Desaster zu werden. Experten prognostizieren deutlich geringere Erlöse bei der Vergaben der ehemaligen Rundfunkfrequenzen im Bereich von 800 Megahertz. Wegen ihrer Reichweite sollen sie künftig eine wichtige Rolle bei der Breitbandversorgung in der Fläche spielen.

„Wir erwarten einen Auktionserlös in der Größenordnung von zwei bis 2,5 Milliarden Euro“, sagte Klaus von den Hoff, Telekommunikationsexperte der Unternehmensberatung Arthur D. Little, dem Handelsblatt. Bislang wurde in der Branche von weitaus höheren Erlösen bei der Versteigerung der digitalen Dividende ausgegangen. Unter digitaler Dividende versteht man die durch die Digitalisierung des Rundfunks frei werdenden Frequenzbereiche. Das Bankhaus Sal. Oppenheim hatte dafür zuletzt Einnahmen von fünf Milliarden Euro prognostiziert.



Klage gegen Vergabeverfahren

Die Bundesnetzagentur will im zweiten Quartal 2010 ein Paket von Frequenzen versteigern. Eine Klage von E-Plus und 02 wird die Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen wohl nicht verzögern. Die kleineren Mobilfunkanbieter fühlen sich im Vergabeverfahren benachteiligt, E-Plus befindet dieses sogar als rechtswidrig, da es den Wettbewerb einschränke. „Eine solche Klage hat keine aufschiebende Wirkung“, sagte ein Sprecher der Bundesnetzagentur am Wochenende.

Bieter können sich noch bis 21. Januar bei der Bonner Behörde anmelden. Eine schnelle Vergabe der frei gewordenen Frequenz ist sowohl für die Mobilfunkkonzerne als auch für die Bürger im ländlichen Raum von größter Wichtigkeit.

Optimisten hoffen auf Aufstacheln bei Versteigerung

Aus der Sicht der Unternehmensberatung Arthur D. Little sind die Erwartungen an die Auktion aber überzogen. Erstens sei der Mobilfunkmarkt deutlich gesättigter als bei früheren Versteigerungen. Zweitens würden die strengen Vorgaben beim Netzausbau die Attraktivität der zu vergebenden Frequenzen schmälern. „Bei früheren Auktionen gab es keine Auflagen, nach denen Lizenzinhaber zunächst in ländlichen, kommerziell für Mobilfunk wenig attraktiven Gegenden ihre Netze ausbauen mussten“, sagt Telekommunikationsexperte von den Hoff.

In den USA brachte die Versteigerung der digitalen Dividende vor zwei Jahren Erlöse von knapp 13 Milliarden Euro. Optimisten hoffen, dass sich die Bieter in Deutschland ähnlich aufstacheln könnten wie bei der legendären Versteigerung der UMTS-Lizenzen im Jahr 2000. Damals zahlten die Telekomkonzerne die Rekordsumme von 98 Milliarden Mark in die Staatskasse ein. Doch Arthur D. Litte ist überzeugt, dass die damals so euphorischen Konzerne aus diesen Erfahrungen gelernt haben.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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