Brief an Obermann
Telekom-Mitarbeiter trifft Nerv der Kollegen

Im Vorfeld der ersten großen Verhandlungsrunde zur geplanten Auslagerung von 50 000 Mitarbeitern macht Verdi weiter mobil gegen die Personalpolitik des Telekom-Konzerns. Vorstandschef René Obermann kündigte dagegen eine konsequente Umsetzung der neuen Strategie an. Unterdessen wird ein T-Com-Mitarbeiter von seinen Kollegen für seinen kritischen Brief an die Chefetage gefeiert.

HB BONN/HANNOVER. „Wir haben uns vorgenommen, die Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland deutlich zu verbessern, sowohl auf der Produkt- und Marketingseite als auch auf der Preis- und Kostenseite“, sagte er in Hannover. Die Aktionäre und der Markt erwarteten jetzt entsprechende Schritte. Dass Großaktionäre wegen des anhaltend niedrigen Aktienkurses Druck auf den Vorstand ausübten, wies Obermann zurück. „Meine Vorstandskollegen und ich brauchen keine Zusatzmotivation von außen, um zu wissen, was wir erreichen müssen.“

Man könne nicht erwarten, dass der neue Vorstand in vier Monaten Wunder bewirken könne. Obermann hatte im November vergangenen Jahres den Posten des Vorstandsvorsitzenden bei der Deutschen Telekom von Kai-Uwe Ricke übernommen. In der Folgezeit wurde das Führungsgremium personell erneuert. Anfang März kündigte Obermann weitere Maßnahmen zum Konzernumbau an, wie unter anderem die Ausgliederung von 50 000 Mitarbeitern in Service-Gesellschaften. Ein mittel- und langfristige Orientierung sei wichtiger, als eine kurzfristige Ausrichtung auf den Aktienkurs, betonte Obermann.

Derweil sorgt ein T-Com-Mitarbeiter für viel Gesprächsstoff unter der Belegschaft. "Ich und die meisten meiner Kollegen haben im kleinen Finger mehr Unternehmensbindung, als die ganze Führungsriege zusammen", erklärt der Autor in seinem mittlerweile im Internet kursierenden Brief an die Konzernführung. Weiter beklagt er die "Arroganz und die Selbstherrlichkeit" immer neuer Top-Manager und schreibt: "Ich habe erlebt, wie aus uns Mitarbeitern Humankapital wurde und wie wir alle nur noch als Kostenfaktoren angesehen werden, von denen man sich – so schnell es nur geht – trennen muss und will."

Unter Kollegen findet der T-Com-Mitarbeiter großen Zuspruch. "Die Welle überrollt mich", sagte er gegenüber Spiegel Online. Dabei sei das Schreiben gar nicht als offener Brief gedacht gewesen, heißt es in einem Bericht des Internet-Magazins. Die am 9. März versandte E-Mail hätte bloß an Telekom-Vorstandschef René Obermann, Festnetz-Chef Timotheus Höttges, Bereichsvorstand Dietmar Welslau, die Gewerkschaft und "wenige Kollegen" gehen sollen. Doch dann kam alles anders, denn die Nachricht wurde von Unbekannten ins Internet gestellt und findet nun viel Zuspruch in den Telekom-Reihen. Mails wie die des Berliner Kollegen gebe es viele in diesen Tagen, zitiert das Internetmagazin T-Com-Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Borkenstein. "Diese hier hat aber besonders weite Verbreitung gefunden. Da hat jemand die Stimmungslage getroffen, deswegen reagieren viele darauf."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%