Britische Medien- und Telekommunikationsfirmen
Die Alleskönner kommen

Die britischen Medien- und Telekomfirmen formieren sich für den entstehenden digitalen Unterhaltungsmarkt. Die Kabelgesellschaft NTL kündigte gestern an, dass sie den Mobilfunk-Anbieter Virgin Mobile übernehmen will.

LONDON | DÜSSELDORF. Sie bereitet ein Kaufangebot von 817 Mill. Pfund (1,2 Mrd. Euro) vor. Damit setzt sich der Trend zu Fusionen zwischen Fernsehsendern, Internetfirmen, Telefon- und Mobilfunkunternehmen fort. Analysten sind aber skeptisch, ob sich NTL nicht zu viel auf einmal vornimmt.

Virgin Mobile gehört zum Imperium des Milliardärs Richard Branson, einer der buntesten Figuren der britischen Wirtschaft. Er hat laut NTL zugestimmt, seinen 72-Prozent-Anteil an dem Unternehmen zu verkaufen. Das werde zum größten Teil per Aktientausch geschehen, so dass Branson mit rund 14 Prozent größter NTL-Aktionär würde. Der Rest der Aktien ist in Streubesitz. Mit Virgin Mobile gewänne NTL zu seinem Angebot aus Kabelfernsehen, Internetzugang und Telefonie den Mobilfunk als viertes Element hinzu. Solche gebündelten Angebote – im Branchenjargon „Quadruple Play“ – nehmen in dem Maße zu, in dem die Kommunikationsnetze auf Basis der IP-Technologie zusammenwachsen: Das Handy funktioniert als Festnetztelefon, der Fernseher geht online, und Telefonate laufen über das Internet. Alleskönner, die die vier Dienstleistungen aus einer Hand anbieten und nur eine Rechnung stellen, hoffen auf die Führung auf dem digitalen Unterhaltungsmarkt der Zukunft.

NTL will künftig unter der etablierten Marke „Virgin“ auftreten, die stark mit der Person Bransons verbunden ist. Unter „Virgin“ firmieren eine Fluggesellschaft, Eisenbahnlinien und eine Multimedia-Kaufhauskette. In der starken Marke sehen Analysten einen Pluspunkt der geplanten Übernahme.

NTL hatte Ende September 3,3 Mill. Kunden, von denen aber nur jeder vierte das Paket mit TV, Internet und Telefon bezog. Mit der geplanten Übernahme der zweiten großen britischen Kabelgesellschaft Telewest wächst die Kundenzahl auf mehr als fünf Millionen. Virgin Mobile kommt auf vier Mill. Kunden und ist damit der fünftgrößte britische Mobilfunkanbieter. Anders als die führenden Vier hat Virgin aber kein eigenes Netz, sondern nutzt das Netz von T-Mobile UK. Die neue Gruppe hätte einen Vorsprung vor Konkurrenten wie dem Telekom-Marktführer BT, der selber 2006 ein Vierfach-Angebot auf den Markt bringen will, und dem mit knapp acht Mill. Kunden führenden Pay-TV-Anbieter BSkyB, der gerade den Internet-Provider Easynet übernimmt.

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