Britischer Konzern kommt Regulierer entgegen
BT gliedert das Telefonnetz aus

Der Telekommunikationskonzern BT,die frühere British Telecom, wird sein Telefonnetz in eine eigenständige Gesellschaft mit dem Namen Openreach ausgliedern. 30 000 Beschäftigte wechseln in das Unternehmen, wie Konzernchef Ben Verwaayen gestern bekannt gab. Es bleibt zwar unter dem BT-Dach, ein Gremium aus unabhängigen Experten wird aber sicherstellen, dass Openreach alle Telekom-Diensteanbieter gleich behandelt, die das BT-Netz nutzen.

dih LONDON.Die weltweit einmalige Lösung hat BT mit der Regulierungsbehörde Ofcom ausgehandelt. Verwaayen empfahl sie gestern anderen Ländern zur Nachahmung. Ein Sprecher der Bundesnetzagentur sah dafür jedoch keinen Anlass.

Die neue BT-Tochter werde rund vier Milliarden Pfund (sechs Mrd. Euro) im Jahr umsetzen, eine eigene Zentrale und ein eigenes Firmenlogo erhalten, sagte Steve Robertson, Gründungschef von Openreach. Er werde mehrere hundert Millionen Pfund unter anderem in ein neues Computersystem investieren, um den Service für mehrere hundert Diensteanbieter zu verbessern, die das Netz nutzen. Ein unabhängiges Gremium, dessen Besetzung in Kürze bekannt gegeben wird, soll sicherstellen, dass die Konkurrenten gegenüber BT nicht benachteiligt werden.

„Wir hoffen, dass dieser neue Ansatz zur Regulierung des Wettbewerbs Investitionen und Innovationen fördert“, sagte Stephen Carter, Leiter der Telekom-Regulierungsbehörde Ofcom. BT hatte die Lösung selber vorgeschlagen, nachdem Ofcom Ende 2004 eine Zerschlagung des einstigen Monopolisten in die Diskussion gebracht hatte. Die Behörde hatte damit auf Beschwerden von BT-Konkurrenten reagiert, die sich beim Zugang zum Netz benachteiligt fühlten. Im Gegenzug für die Ausgliederung des Netzes will Ofcom in anderen Bereichen des Telekommarktes die Regulierung zurückfahren.

Verwaayen stellte gestern klar, dass er von Openreach weiterhin ordentliche Renditen erwarte. „Das sind sehr gute Nachrichten für unsere Aktionäre, und das verstehen sie auch“, sagte er und reagierte gereizt, als Journalisten nach den Kosten der Ausgliederung fragten. Er habe über das Konzept mit ausländischen Telekomkonzernen diskutiert. „Die meisten finden, dass wir zu weit gehen“, lachte er. Er denke aber, dass der Ansatz ein Vorbild für andere Länder sei.

Vertreter der Bundesnetzagentur haben sich zwar nach Angaben eines BT-Managers das Ausgliederungskonzept erläutern lassen, aber ein Sprecher der Bonner Behörde hält es nicht für nachahmenswert. „Der Zugang zum Netz kann ein Flaschenhals sein, aber wir kommen in Deutschland mit unseren regulatorischen Instrumenten aus“, sagte er. Das Telekommunikationsgesetz sehe nicht vor, dass die Deutsche Telekom zur Ausgliederung ihres Netzes verpflichtet werden könne.

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