Britischer Mobilfunker testet die „Homezone“ MMO2 will im Festnetz fischen

Der Mobilfunkanbieter MMO2 plc plant am britischen Heimatmarkt einen Angriff auf seinen früheren Mutterkonzern British Telecom (BT). Ähnlich dem in Deutschland unter dem Namen Genion bekannten Service will MMO2 in Großbritannien seinen Kunden eine so genannte Homezone freier Wahl bieten.
  • Andreas Hoffbauer (Handelsblatt)

LONDON. Das heißt: Der Nutzer kann in einem bestimmten Radius etwa um Wohnung oder Büro mit dem Mobiltelefon zu günstigen Festnetztarifen telefonieren.

MMO2-Chef Peter Erskine bestätigte dem Handelsblatt in London entsprechende Pläne: „Nach dem Erfolg am deutschen Markt testen wir solch ein Angebot nun für England.“ Bislang gibt es auf der Insel solch eine Verbindung von Fest- und Mobilnetz nicht.

Der neue Service würde nach Einschätzung von Analysten den dominierenden Festnetzanbieter BT Group unter Druck setzen. In London wird bei Einführung eine Preisschlacht mit BT erwartet. O2 werde bei normalen Telefonaten die Tarife des größten Festnetzbetreibers sicher unterbieten, vermuten Analysten. Pikant: BT hatte erst im Herbst 2001 seine Mobilfunksparte abgespalten und unter dem Namen MMO2 an den Markt geschickt.

„Genion ist ein Killerprodukt“, sagt Emmet Kelly von BNP Paribas, „es hat Vodafone oder T-Mobile beim Versuch, der Deutschen Telekom Geschäft im Festnetz abzunehmen, klar ausgestochen.“ In Deutschland hatte O2 die Genion-Technik mit Viag Interkom übernommen. Der Service wird gut angenommen und hat wesentlich zum guten Deutschlandgeschäft der Briten beigetragen. „Genion-Kunden machen im Schnitt 10 bis 15 Euro mehr Umsatz im Monat als andere Handykunden“, heißt es bei O2.

Allerdings fischt auch BT in fremden Gewässern: Der Telekomriese bietet längst über Partnerschaften seinen Festnetzkunden auch Mobilfunk an. O2-Chef Erskine holt so quasi zum Gegenschlag aus und will mit der „Homezone“ auch im stark wachsenden Internet-Breitbandgeschäft von BT mitmischen. Auf dem Handy könne dann mit einer Flatrate gesurft werden, lockt O2.

Hintergrund ist nicht nur ein besseres Kundenangebot, sondern auch die Suche nach neuen Umsätzen. Die 3G-Technologie lässt weiter auf sich warten und wird nach Einschätzung von Erskine „frühestens 2005 erste relevante Umsätze“ bringen. Zudem setzt die Telekomaufsicht Oftel die Branche unter Druck: Sie müssen ihre Tarife für Anrufe ins Festnetz senken. Der Einspruch von Vodafone, Orange & Co wurde vor Gericht gerade abgeschmettert.

Betroffen ist vor allem MMO2, da der Anbieter seinen Hauptumsatz in Großbritannien macht. Sein Unternehmen koste die knallharte Vorgabe „50 bis 60 Mill. Pfund Umsatz“ im Jahr, sagt Erskine.

Das Wildern im Festnetz soll dagegen dem Mobilfunker schon im kommenden Jahr zusätzliches Geschäft bringen. Doch noch ist es nicht so weit: Nach ersten Tests wird die „Homezone“ im Herbst auf der Isle of Man im Großversuch angewandt. Die Insel vor Irland verfügt bereits über ein UMTS-Netz und ein schnelles DSL-Netz. Der Mobilfunkanbieter dort gehört zur O2-Gruppe. Eine weitere Hürde ist, dass erst neue Handys nötig sind, denn der Service soll auf der Bluetooth-Technik aufbauen, die bislang unausgereift ist. Eine neue Version ist aber erst in Vorbereitung.

Technisch unterscheidet sich die Idee nämlich von Deutschland, wo Genion im GMS-Netz integriert ist. Die Homezone der Briten wird dagegen nur mit einer Zusatzbox funktionieren, die ähnlich einem Modem installiert wird. Kosten: 50 £ (75 Euro). Der Radius beträgt nur ein Fünftel der Fläche bei Genion – 100 Meter.

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