Britischer Telefonbuchverlag
Yell steigt mit Milliarden-Übernahme in Spanien ein

Der britische Telefonbuchverlag Yell übernimmt für gut drei Milliarden Euro seinen spanischen Konkurrenten TPI von Telefonica.

HB LONDON. In einem ersten Schritt einigte sich Yell am Freitag mit dem dem Telekom-Riesen Telefonica darauf, dessen knapp 60-prozentigen Mehrheitsanteil an TPI zu kaufen. Dabei zahle der britische Gelbe-Seiten-Herausgeber an Telefonica 8,50 Euro in bar je TPI-Aktie, teilte Yell in London mit. Dies liegt knapp fünf Prozent unter dem aktuellen Kurs, was die TPI-Papiere in Madrid belastete. Den übrigen Aktionären werde genau dasselbe Angebot unterbreitet. Das TPI-Management unterstütze die Offerte. Der kaum regulierte spanische Markt biete starke Wachstumsmöglichkeiten, erklärte Yell seine Expansion auf die iberische Halbinsel.

Telefonica zieht aus dem Verkauf seines Anteils einen Netto-Erlös von 1,63 Mrd. Euro, wie mit der Angelegenheit vertraute Kreisen mitteilten. Damit wolle der ehemalige Monopolist seine Schulden abbauen und seine Bilanz stärken. Analysten hatten seit längerem damit gerechnet, dass Telefonica im Zuge der Fokussierung auf sein Kerngeschäft den TPI-Anteil verkauft.

TPI gibt in Spanien insgesamt 182 Verzeichnisse heraus und ist mit einem Anteil von 90 Prozent Marktführer. Auch in Peru und Chile ist TPI der größte Anbieter von Telefonbüchern und anderen Verzeichnissen. Die Yell Group bekommt mit dem Kauf ein drittes Standbein neben ihrem Heimatmarkt und den USA. Am US-Markt ist Yell der größte unabhängige Herausgeber von Verzeichnissen aller Art. Am britischen Markt haben die Kartellbehörden Yell bereits wegen seiner führenden Position ins Visier genommen. Diese Untersuchungen haben auch den Aktienkurs zuletzt gedrückt, obwohl der Gewinn in den neun Monaten bis Februar um 27 Prozent zugelegt hatte. Am Freitag lagen die Titel in London 2,4 Prozent im Minus bei 517 Pence.

Das Angebot bewertet TPI mit einem 4,9-prozentigen Abschlag zum Schlusskurs von Donnerstag. Im Vergleich zum Durchschnittkurs der drei Monate vor Mitte Januar, als die Spekulationen um ein Yell-Gebot erstmals aufkamen, ergibt sich dagegen ein Aufschlag von 22 Prozent. TPI-Titel verloren am Morgen 1,5 Prozent auf 8,80 Dollar.

Yell verspricht sich von dem Kauf im ersten Jahr nach dem im Juli geplanten Abschluss der Übernahme erste positive Effekte für das Konzernergebnis. Zudem sollen bis 2008/09 rund 22 Mill. Euro an jährlichen Kosten reduziert werden. Das Geschäft muss noch von den Yell-Aktionären sowie den spanischen Behörden genehmigt werden.

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