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Brockhaus steckt in roten Zahlen

Ein dickes Minus hat der Verlag im Jahr 2007 eingefahren. Vor allem das Kerngeschäft mit den Lexika hat Federn gelassen. Jetzt soll es eine Doppelstrategie richten: Brockhaus will weiter auf Bücher setzen und gleichzeitig mit dem Internet Geld verdienen. Das geplante kostenlose Online-Portal lässt indes weiter auf sich warten.

HB MANNHEIM. Der Geschäftsbericht gibt eigentlich nicht gerade Anlass zur Hoffnung: für das Jahr 2007 weist die Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG ein Minus von knapp 6,5 Millionen Euro aus. Und die Umsatzerlöse des Verlagkonzerns sanken 2007 auch auf 93,3 Millionen Euro - im Vorjahr waren es noch 107 Millionen Euro gewesen. Besonders bitter: Im Kerngeschäft, wozu die bekannten Lexika zählen, waren die Umsatzerlöse mit 65,5 Millionen Euro rund 15 Millionen Euro niedriger als im Vorjahr.

Brockhaus steckt auf voller Breite in den roten Zahlen. Bereits im Februar hatte Brockhaus über mögliche Millionenverluste informiert. Die Folgen sind seitdem bekannt: Stellen sollen abgebaut werden. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat laufen bereits. Das Unternehmen hatte von einer Größenordnung von etwa 50 Stellen am Standort Mannheim gesprochen. Die Gruppe beschäftigt bundesweit rund 480 Mitarbeiter, davon etwa 250 in Mannheim.

Dennoch gibt sich der Verlag hoffnungsfroh und setzt von 2009 an auf eine positive Bilanz. „Das laufende Jahr wird noch schwierig sein, aber dann werden wir wieder schwarze Zahlen schreiben“, sagte Sprecher Klaus Holoch am Freitag. Neben dem Stellenabbau soll dabei eine Internet-Offensive helfen, die Millionenverluste bei den klassischen Nachschlagewerken aufzufangen. Die Idee, die traditionelle Brockhaus-Enzyklopädie in gedruckter Form aus dem Programm zu nehmen, wurde allerdings inzwischen revidiert.

Ursprünglich hatte Andreas Langenscheidt, Aufsichtsratschef des Brockhaus-Verlags, die verlustreiche Druckversion eigentlich einstellen wollen. Das ist jetzt vom Tisch, stattdessen heißt es nun: "Nachschlagen findet online statt, wird aber auch weiter im Buch stattfinden." Und aus dem einstigen Plan, ein kostenloses Lexikon-Portal online zu stellen - um endlich dem ungeliebten Internetkonkurrenten Wikipedia das Fürchten zu lehren - ist bis dato noch nichts geworden. Dabei sollte die Wikipedia-Antwort bereits Mitte April starten.

Wobei gilt: Aufgeschoben ist noch nicht aufgehoben. "Es wird ein kostenloses Lexikonportal geben", sagt Sprecher Holoch Handelsblatt.com. Der Starttermin ist noch offen. Die Verzögerungen würden sich aus Gesprächen mit möglichen Partnern ergeben. Details hofft man bei Brockhaus am 10. Juli zur Hauptversammlung nennen zu können. Summa summarum läuft bei Brockhaus alles auf eine Parallelstrategie hinaus. "Wir werden auch weiter Wert aufs Buch legen", sagt Holoch. „Das Buch wird wichtig bleiben.“

Eine positive Entwicklung erhofft sich der Verlag dabei insbesondere infolge seines Engagements im Schulbuchbereich. „Nach Investitionen in den vergangenen Jahren werden jetzt Erträge kommen, die uns helfen werden“, sagte Holoch. Die kann Brockhaus gut gebrauchen.

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