Browser-Streit Microsoft muss halbe Milliarde Euro zahlen

Weil Microsoft im Betriebssystem Windows 7 nur den Internet Explorer als Browser angeboten hat, muss der Softwarekonzern nun eine saftige Strafe an die EU zahlen. Microsoft hatte gegen eine frühere Auflage verstoßen.
Update: 06.03.2013 - 12:56 Uhr 12 Kommentare

500 Millionen Bußgeld für Microsoft

BrüsselEine angebliche Panne kostet den Softwareriesen Microsoft Millionen: Wegen unfairer Geschäftspraktiken muss der Konzern 561 Millionen Euro Geldstrafe an die Europäische Union zahlen. Das entschied die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel. Microsoft habe versäumt, den Nutzern des Betriebssystems Windows 7 neben dem hauseigenen Internet Explorer verschiedene Browser von Konkurrenten für das Surfen im Internet anzubieten.

Nach Ansicht der EU-Kommission hat das US-Unternehmen mit dieser Praxis den Kunden die eigene Software aufgedrängt und die Hersteller anderer Programme blockiert. Der Konzern habe rund 15 Millionen Windows-Nutzern die Wahlfreiheit genommen - von Mai 2011 bis Juli 2012.

Seit Jahren gehen die Kartellwächter gegen Microsoft vor, weil der Konzern seine Softwareprodukte unrechtmäßig an sein Betriebssystem Windows koppelt. Das Unternehmen musste seit 2004 bereits mehrfach EU-Strafen zahlen. Insgesamt summieren sich diese inzwischen auf 2,2 Milliarden Euro.

Im jüngsten Fall hat der Konzern nach Ansicht der Wettbewerbshüter gegen eine zentrale Auflage aus einem früheren EU-Kartellverfahren von 2009 verstoßen. Damals hatte sich Microsoft verpflichtet, auf neuen Computern oder in neuen Windows-Paketen ein Auswahlfenster mit unterschiedlichen Browsern einzubauen. Die EU-Kommission wollte auf diese Weise verhindern, dass Microsoft seine marktbeherrschende Stellung im Bereich der PC-Betriebssysteme weiter ausnutzen konnte. Mit der Selbstverpflichtung war das US-Unternehmen zunächst einer Strafe entgangen.

Doch der Softwarekonzern lieferte zwischen Mai 2011 und Juli 2012 die Softwareaktualisierung Service Pack 1 für Windows 7 ohne den Auswahlbildschirm für die freie Wahl des Web-Browsers aus. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia sagte: „Die Nichteinhaltung ist ein schwerwiegender Verstoß, der mit entsprechenden Sanktionen belegt werden muss.“ Es sei das erste Mal, dass Brüssel wegen Verstoßes gegen eine solche Zusage erneut eine Strafe ausspreche. Dabei blieben die Kartellwächter aber weit unter der maximal möglichen Strafe von bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes, im konkreten Fall also mehr als fünf Milliarden Euro.

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12 Kommentare zu "Browser-Streit: Microsoft muss mehr als halbe Milliarde Euro zahlen"

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  • Dass die Browser-Auswahlfunktion fehlt war Mitte 2011 bekannt. Den anderen Browser Anbietern müsste das seit langen bekannt gewesen sein.
    Warum hat der EU Kommissar eigentlich bis 2012 gewartet bis er aktiv geworden ist? Es hat nichts getan um den Fehler unverzüglich durch MS beheben zu lassen. Dann hätte die Strafe geringer sein können.

  • "also darf ich jetzt bei meinem nächsten Golf darauf bestehen das VW mir Astra-Sitze einbaut?"
    Nein. Aber Sie dürfen darauf bestehen, dass Sie auch einen Anhänger eines anderen Herstellers an die Anhängerkupplung hängen können, und zwar ohne dass das Design der Kupplung alle halbe Jahre geändert wird und der Hersteller eine Lizenz oder Spezialwerkzeug von VW dazu kaufen muss.
    Und ohne dass VW Ihnen erklärt, der Anhänger sei ein integraler Bestandteil des Fahrzeuges und könnte leider nicht entfernt werden - aber wenn Sie wollen und Ihnen ein andere Anhänger besser gefällt, können sie ja hinten noch einen Anhänger an den VW-Anhänger hängen.

  • "Es ist doch hanebüchen, einen Software-Hersteller dazu zu zwingen, auf ein Konkurrenzprodukt zu verweisen."
    Auch darum ging es nicht.
    Es ging darum, dass MS früher die Möglichkeiten zur Installation von Alternativen gezielt behindert hat.

    MS hat mit dieser Vorgehensweise trotz technisch unterlegenen Produkten bereits mehrere kleinere Konkurrenten und Hersteller von Spezialsoftware (z.B. Compiler) in den Konkurs getrieben. Zum Nachteil der Kunden.
    MS verkauft ein Betriebssystem. Und MS verkauft einen Browser. Beides kann es genauso gut getrennt verkaufen. Machen sie aber nicht. Warum?
    Schon mal etwas von Koppelgeschäft, Verbundgeschäft und Wettbewerbsrecht gehört?

  • "es geht darum, dass Microsoft s e l b e r und von sich aus, um einer früheren Strafe zu entgehen, angeboten hatte, ein Auswahlfenster einzubauen."
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    Auch das frühere Urteil war schwachsinnig! Es ist doch hanebüchen, einen Software-Hersteller dazu zu zwingen, auf ein Konkurrenzprodukt zu verweisen. Auch damals galt schon, wer den IE nicht will, nimmt eben was anderes. Es ist nun wirklich keine Hexerei, sich den FF, Opera oder ähnliches aus dem Web zu ziehen und zu installieren.
    Das hat ja die gleiche Qualität, als würde man mich als Photographen per Gesetz dazu zwingen, auch die Bilder eines Konkurrenten anzupreisen. Da faßt man sich nur noch an den Kopf!
    Wie gesagt, m.E. geht es hier um eine bequeme Milliarden-Einnahmequelle für die EU-Kommission. Der Bürger ist denen doch völlig wurscht.

  • Tolles Urteil, also darf ich jetzt bei meinem nächsten Golf darauf bestehen das VW mir Astra-Sitze einbaut? Ein Präzedenzfall ist ja nun geschaffen!

  • Es ging ja nicht darum, ob man als Nutzer einen anderen Browser herunterladen kann oder nicht kann - es geht darum, dass Microsoft s e l b e r und von sich aus, um einer früheren Strafe zu entgehen, angeboten hatte, ein Auswahlfenster einzubauen.

    Wenn ich vor Gericht stehe, Besserung gelobe und gegen Auflagen Strafbefreiung erhalte - und dann, sobald ich aus dem Saal bin, alles vergessen habe, dann könnte auch da irgendein "doofer Richter" sich genötigt sehen mir eine kleine Gedächtnisstütze zukommen zu lassen...

  • <<<Eine Umlage auf die neue Version für die Verbraucher wäre nur gerechtfertigt. Learning by doing oder einfach nur OS z.B. Linux, eine Variante über UNIx.

  • "Die EU-Kommission wollte auf diese Weise verhindern, dass Microsoft seine marktbeherrschende Stellung im Bereich der PC-Betriebssysteme weiter ausnutzen konnte."
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    Nein, die EU-Kommission kann sich auf diese Weise auf's neue mal wieder ein paar hundert Millionen Euro unter den Nagel reißen, in Summe inzwischen Milliarden. Darum geht es m.E., nicht etwa um Sorgen um die Bürger, denn die gehen diesem bürokratischen Moloch am "Allerwertesten" vorbei.

    "Der Konzern habe rund 15 Millionen Windows-Nutzern die Wahlfreiheit genommen"
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    Ich habe selten so einen infantilen Schwachsinn gelesen! Wo in 3 Teufels Namen ist denn da Zwang, Benachteiligung oder Nehmen der Wahlfreiheit im Spiel? Wer den IE nicht mag (zu denen gehöre ich auch; Ich benutze in einfach nicht.) lädt sich eben einen anderen Browser runter. 1 Minute, der neuste Firefox o.ä. ist auf'm Rechner und gut ist. Es wundert mich, daß die EU-Kommission nicht auch für Outlook ein paar Milliarden Strafe erhebt. Und soll ich mal was sagen, diesen Mail-Client benutze ich auch nicht, sondern Thunderbird. Komme ich mir jetzt deswegen eingeschränkt und meiner Wahlfreiheit beraubt vor? NEIN, ich kann nämlich eigenständig denken und mir selber eine Lösung für meine Probleme suchen.
    Heilige Makrele, diese EU-Kommission hat den Nutzwert eines Kropfes und ist genauso überflüssig!

  • Ja, klasse, dann sollte die EU auch bei Apple ordentlich abkassieren. Ich bin nicht der Meinung, dass man bei solchen Summen maulen sollte. Ist doch schon mal was. Damit kann man ne Menge Gutes tun. Und eine Eskalationsstufe werden unsere EU-Bürokraten im Fall eines erneuten Verstoßes doch sicherlich auch noch haben? Hoffe ich jedenfalls!

    Falls das Geld von den Amis wirklich je reinkommt ist das eine sehr eine sinnvolle Erschließung von Einnahmequellen.
    Mich würde nun interessieren: Wohin fließt eine solche Strafzahlung? Ich werde dann mal meine Kontoauszüge checken. ;-)

  • Geldvermögen hin oder her; ich finde diese Geldbuße schwachsinnig.
    Die EU verlangt manchmal Sachen, die an ein schwachsinniges Kind erinnern. Wenn ich Apple OS installiere ist da auch nur ein Safaribrowser drinne...

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