Browseranbieter
Mozilla gegen Fake-News

Selbstregulierung statt Staatseinmischung: Viele Tech-Konzerne setzen im Kampf gegen Falschnachrichten im Netz auf Initiativen. Der Browseranbieter Mozilla startet eine eigene – und setzt dabei auf Technologie.
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Düsseldorf„Fake-News“, das sagt ja schon der Name, sind doch etwas Amerikanisches. Ein Phänomen, das es hierzulande nicht gibt, etwas, das vor allem in der Hochphase des US-Wahlkampfs Konjunktur hatte: Wenn zum Beispiel der Papst angeblich Präsidentschaftskandidat Donald Trump unterstützte oder seine Kontrahentin Hillary Clinton in einem Pädophilenring aktiv war.

Doch auch Beispiele in Deutschland zeigen: Die gezielten Halbwahrheiten oder bösen Märchen sind gar nicht so weit weg. So machte die ARD unlängst auf einen Sachverhalt aufmerksam: Ein Bild von mehreren Flüchtlingen vor einer Kirche wurde in den sozialen Netzwerken verbreitet, um darauf hinzuweisen, dass da Muslime gegen eine Kirche pinkelten. Die Wahrheit: Bei den Flüchtlingen handelte es sich um Christen aus Äthiopien und Eritrea, die an der Mauer der Kirche beteten. Sie sind eben nicht auf Länder oder Zeitfenster beschränkt – gefälschte Tatsachen gibt es überall.

Das hat auch die Politik erkannt und will mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz Falschnachrichten und Hass im Netz den Kampf ansagen – und erhöht damit den Druck auf die entsprechenden Plattformen. Unternehmen wie Facebook setzen auf personelle Aufstockung, „Faktenchecker“, aber auch auf die Unterstützung von Initiativen für mehr Medienkompetenz oder rufen direkt eine eigene ins Leben.

Auch der Browseranbieter Mozilla hat in der vergangenen Woche selbst eine Initiative angekündigt. Dabei handele es sich um einen „umfassenden Ansatz, der dazu beitragen soll, das Internet glaubwürdig und gesund zu halten“. Bei seiner „Information Trust Initiative“ setzt das Unternehmen auf ein Potpourri an Methoden, die beim Aufspüren und Verhindern von Falschnachrichten helfen sollen. Darunter auch der Einsatz von virtueller Realität.

Vorgestellt hat die Initiative Mozillas Chief Innovation Officer Katharina Borchert, die sich mit Journalismus auskennt: Die 44-Jährige war vorher Geschäftsführerin bei „Spiegel Online“ und ist seit 2016 bei dem Technologie-Unternehmen verantwortlich für die zukünftige Ausrichtung des Konzerns.

Die Idee zu der Initiative kam Borchert und ihrem Team beim Gespräch in ihrem Büro in Mountain View: „Wir sprachen darüber, welcher Irrsinn so im Netz kursiert, und wie der dann sogar von Bekannten in den sozialen Netzwerken verbreitet wird“, sagt die Managerin. Man müsse nur mal etwas weiter von der eigenen Blase schauen, dann erkenne man, wie sehr Inhalte mit Halbwahrheiten und politisch motivierten Lügen verbreitet werden.

Auch in Deutschland ist dieses Problem offenbar angekommen: Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen gaben rund 28 Prozent der Befragten an, ab und zu Falschnachrichten bemerkt zu haben, neun Prozent häufig, 22 Prozent selten und 23 Prozent erklärten, bisher noch nie, aber schon die Vermutung gehabt zu haben, mit einer derartigen Meldung konfrontiert gewesen zu sein. In derselben Studie stimmten immerhin 61 Prozent der Befragten zu, dass Fake News die Demokratie bedrohen würden.

Auch Borchert hält das Phänomen „Fake-News“ für gefährlich: „Falschnachrichten hat es schon immer gegeben – von Propaganda im Mittelalter bis zur Yellow Press“, sagt die Managerin. Allerdings habe die Technologie etwas verändert: Heute würden die guten Seiten der digitalen Revolution missbraucht, um diesen Inhalten eine nie dagewesene Reichweite zu liefern: „Es geht um die Produktion und die Verbreitung, aber auch die Finanzierung – hinter 'Fake-News' steckt nicht nur Ideologie, sondern ein riesiger Markt.“

Borchert bezieht sich damit auf die Meldungen nach dem US-Präsidentschaftswahlkampf, nachdem „Fake-News“ produziert worden waren, um durch die starke Reichweite Geld für Werbeanzeigen abzugreifen. Die Intention dahinter sei letztendlich egal, sagt Borchert: „Selbst wenn am Ende die Falschnachricht enttarnt werde, bleibt doch immer etwas davon hängen.“

Kommentare zu " Browseranbieter: Mozilla gegen Fake-News"

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  • Die Manipulation der Internetseiten und Suchmaschinen ist nicht neu...

    In Deutschland haben kritische Journalisten die Google Ergebnisse "Pro Merkel" und "Kontra Merkel", "Pro AfD" und "Kontra AfD" ausgewertet und sind zu dem Schluss gekommen dass die Algorithmen systematisch regierungsfreundliche Texte pushen und andere unterdrücken. Man hat Qualitätsmedien mit alternativen Medien ähnlicher Besuchsfrequenz verglichen und festgestellt dass die Qualitätsmedien systematisch bevorzugt werden.

  • Liebe Journalisten (die hoffentlich ihr Fach auch studiert haben),
    ich finde das Thema und wie man Medienkompetenz (wie auch Urteilskompetenz allgemein) erhöhen kann, sehr wichtig!

    Wo es mir aber die Zehennägel hochbiegt, ist wenn sehr selbstgefällige Artikel kommen, die die Welt in zwei Kategorien: Netz/neue Medien: Fake & Hass, auf der anderen Seite Journalist/alte Medien: faktenorientiert und seriös aufteilen!

    Wenn man die Welt so aufteilt, dann ist man nicht die Lösung, sondern der Beginn des Problems! Real gesehen, gab es wohl noch nie einen (seriösen) Artikel, der nicht Halbwahrheiten verbreitet hat! Absolute Objektivität ist auch tatsächlich nicht erreichbar! Und diese Grenze des Möglichen, muss in eine solche Diskussion doch an den Anfang gesetzt werden! Sonst kommt am Schluss nur Propaganda raus!

    Ab und dann, fragen mich auch Journalisten zu meinem Fachgebiet. Man versucht dann etwas zu erklären, und dass was am Ende als Artikel kommt, ist doch häufig so, dass ihr doch nicht wirklich die Zusammenhänge verstanden habt. (ok, vielleicht waren sie auch schlecht erklärt!)

    Seid doch auch mal etwas selbstkritisch: wieviele Eurer Artikel werden 1 zu 1 von der Nachrichtenagentur nur kopiert. Wie macht Ihr eigentlich Qualitätsmanagement in Euren Artikeln (unter dem Druck, dass der Artikel in ein paar Minuten online sein muss?)

    Ganz ehrlich, so lange Ihr in so einem Prozess nicht vor der eigenen Tür kehrt, werdet ihr in der Diskussion scheitern!

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