BSI warnt nach Cyberattacke auf TV5Monde: Hackerangriff könnte Nachahmer in Deutschland animieren

BSI warnt nach Cyberattacke auf TV5Monde
Hackerangriff könnte Nachahmer in Deutschland animieren

Eine dschihadistische Hackerattacke wie jene gegen den französischen Sender TV5Monde wäre auch in Deutschland denkbar, Experten sind sich einig: Die Absicherung ist viel zu schwach. Einige Akteure gehen in die Offensive.
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ParisDer Vizepräsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Andreas Könen, hält es für „Glück“, dass es in Deutschland bislang noch keinen Hackerangriff mit weitreichenden Folgen gegeben hat. „Tatsächlich muss man insgesamt sagen, ist es Glück, dass in den deutschen Infrastrukturen nicht mehr passiert ist“, sagte Könen am Freitag im ARD-„Morgenmagazin“. Als Schwachstelle sieht der BSI-Vizechef die Industrie, während die Netze des Bundes „besonders gut aufgestellt“ seien.

Nach der Cyber-Attacke auf den französischen Fernsehsender TV5 Monde bestehe die Gefahr von Nachahmern in Deutschland, sagte Könen. „Es ist so, dass jetzt viele andere sehen, was möglich ist, was vielleicht auch mit einfachen Mitteln möglich ist, und versuchen, das nachzuahmen.“ Medien seien mit ihrer Aufgabe, die Bevölkerung zu informieren, ein Teil der kritischen Infrastruktur. „Das ist eine wichtige Branche, die wir auch besser schützen müssen.“

Der Hacker-Angriff auf den französischen Sender hatte am Mittwochabend um 22.00 Uhr begonnen und auf einen Schlag alle Programme des Senders lahmgelegt. Erst gegen 5.00 Uhr morgens konnte der Sender, der in mehr als 200 Staaten und Regionen ausgestrahlt wird und wöchentlich 35 Millionen Zuschauer hat, wieder eigene Bilder senden und ab dem späten Nachmittag lief der Sendebetrieb wieder normal.

Ein Sprecher des BSI hält es nach eigenen Angaben für möglich, dass deutsche Medien ebenso angegriffen werden und der Kontrolle über ihre Kanäle beraubt werden könnten. „Normalerweise sind Webseiten betroffen“, sagte BSI-Sprecher Matthias Gärtner der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“ (Freitagsausgabe). „Dass der Sendebetrieb gestört worden ist, ist neu.“ Ob es in Deutschland zu einem ähnlich großen Ausfall wie bei TV5Monde kommen könne, sei „schwer zu sagen“. „Doch je mehr internetgestützte Technik zum Einsatz kommt, desto mehr Fläche gibt man für Angriffe aus dem Cyberraum“, warnte Gärtner. Da das Fernsehen immer stärker Internet-basiert arbeite und es viele mobile Zugänge gebe, wachse das Risiko, fügte der Behördensprecher hinzu.

Auf Anfrage von Handelsblatt-Online gab etwa die Deutsche Welle an, regelmäßig ihre Sicherheit zu überprüfen, aber nicht speziell gegen solche Hackerangriffe wie die der mutmaßlichen Dschihadisten in Frankreich abgesichert zu sein. „Wir sind, was alle verfügbaren Hardware- und Softwarelösungen angeht, auf dem jeweils neuesten Stand“, sagte ein Sprecher des deutschen Auslandssenders gegenüber der Deutschen Presseagentur. Zudem gebe es einen internationalen Austausch mit anderen Anstalten, um aus Hackerangriffen wie jetzt bei TV 5 Monde zu lernen. „Wenn es da zu irgendwelchen handfesten Erkenntnissen kommt jetzt in diesem konkreten Fall, kann man davon ausgehen, dass das in diesem Kreise auch geteilt wird, um sich gegen ein neu bekanntgewordenes Phänomen schützen zu können.“ Man könne jedoch „ein Restrisiko trotz aller Vorsichtsmaßnahmen nie ganz ausschließen“.

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Deutsche Sender halten sich bedeckt

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TV5Monde hat am Morgen erneut Probleme

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  • ich bin mal gespannt wann die erste grosse Bank gehackt wird. Vieleicht so auf einen Schlag alle Konten leerräumen.

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