Buchbranche wird digital Die nächste Revolution

E-Books krempeln die Buchbranche um: Dank Digitalisierung werden Kreative zu Kleinverlegern, Bücher zu Diskussionsforen. Doch die neuen Anbieter setzen auch die Preise unter Druck – und damit die etablierten Verlage.
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Der Buchmarkt wird digital

Düsseldorf„Lesen ist sexy“, wirbt der Dotbooks-Verlag auf der Frankfurter Buchmesse. Erotik verkauft sich, das weiß man spätestens seit dem Erfolg der „Shades of Grey“-Romane. Und so darf eine Domina ihre Fantasien für das Unternehmen aufschreiben und bei einer Lesung präsentieren. Wer sich eine Ausgabe der „Nylons“-Serie signieren lassen will, dürfte es aber schwierig haben: Dotbooks publiziert die Werke nur als E-Books. Papier ist nicht sexy.

„Wir haben uns bewusst gegen klassisches Publizieren entschieden“, sagt Sarah Mirschinka, die bei dem 2012 gegründeten Buch-Start-up Marketing und Vertrieb verantwortet. Das Unternehmen setzt auf den technischen Wandel. Das E-Book werde das Taschenbuch ablösen, meint Mirschinka – „wir haben die Ambition, ein Publikumsverlag mit breitem Programm zu werden“.

Sarah Mirschinka leitet bei Dotbooks Marketing und Vertrieb.

Sarah Mirschinka leitet bei Dotbooks Marketing und Vertrieb.

Dotbooks steht für einen Trend. Die Digitalisierung krempelt die Buchbranche um. Es sind die Kleinverleger und die Autoren selbst, die das Internet nutzen, um ihre Werke zu veröffentlichen. Jeder kann es wagen, manche werden gelesen, und mitunter wird aus dem Traum, ein berühmter Autor zu werden, sogar Wirklichkeit.

Die Erkenntnis der neuen Selbstverleger lautet: Es geht auch ohne teure Druckerpresse. Davon profitieren sie auf der einen Seite – und die ganz Großen der Branche auf der anderen: Der Internetriese Amazon und der Buchgigant Random House etwa, die die Netzautoren suchen und finden, und mit ihrer Reichweite Millionen von Kunden erreichen. Für viele mittelgroße Verlage dagegen wird die Luft dünn.

Das E-Book stand in den vergangenen Jahren regelmäßig vor dem Durchbruch – jedoch nur in den Prognosen der Marktforscher. Doch im vergangenen Weihnachtsgeschäft verzeichneten die Verlage und Buchhändler tatsächlich ein spürbares Interesse.

„Weil die Hardware vorhanden ist, setzt sich auch das E-Book immer stärker durch“, sagt Markus Kreher, Partner beim Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG. Immer mehr Nutzer haben einen Tablet-Computer, auch E-Reader verkaufen sich passabel. Und das Angebot an Titeln wächst stetig: „E-Books sind ein Wachstumsbereich, deswegen stürzen sich alle darauf“, sagt Rüdiger Wischenbart von der Universität Wien, der halbjährlich einen Report zur Entwicklung des Marktes veröffentlicht.

Das eröffnet zahlreichen Kreativen eine Chance: Noch nie war es so einfach, ein Buch zu veröffentlichen, ob als E-Book oder doch gedruckt. Und dank des Booms im letzten Jahr war die potenzielle Leserschaft noch nie so groß.

„99 Prozent werden scheitern“
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8 Kommentare zu "Buchbranche wird digital: Die nächste Revolution"

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  • Shades of Grey zeigt doch auch eindrücklich, welch' geringe Qualität in dieser ganzen Gründer-E-Book-Selfmade Szene steckt.

    Klar, auch da wird der Markt ggf. für Anpassungen sorgen. Fragt sich nur, in welche Richtung?

  • Eben, die rechtliche und damit auch praktische Seite ist doch entscheidend: Ich darf mit dem E-Book nichts machen, außer lesen. Klingt nicht schlimm? Ist es aber: Ich darf es nicht verkaufen, auch in 50 Jahren habe ich das Buch noch an der Backe. Also nix mit Flohmarkt oder EBay. Ich kann es nicht verleihen, ich kann es nicht verschenken, gar nichts. Ich kann es nicht einmal vererben! Ich erwerbe lediglich eine oftmals jederzeit widerrufbare Lizenz zum Lesen (Spitze des Eisbergs: Siehe Amazon-Fall, wo einer Kundin (zu Unrecht) das Konto gesperrt wurde und sie nun einen Kindle hatte, aber keine Bücher mehr kaufen und bereits erworbene nicht mehr herunterladen konnte).

    Und dann soll man annähernd den Preis bezahlen, der in der Buchhandlung fällig ist? Wo ein Buch aber wesentlich mehr an Kosten für Herstellung, Lagerung und Transport verursacht? Nein, danke.

  • Kann ich ein erworbenes Ebook weiter verkaufen? Huch, darf ich nicht, na so was. Die ganze Ebook Geschichte dient nur einem Ziel: Dank DRM den Profit maximieren. Ein Papierbuch darf und kann ich wieder verkaufen.

  • Sicher.

    Und diese stinkenden Automobile werden niemals Pferdekutschen ersetzen können. Computer sind nichts für den Privatgebrauch, nur für die NASA. Nicht zu vergessen, die Erde ist eine Scheibe - von diesem Gallieo und seinem modernen Unsinn wird bald niemand mehr reden...

  • und mit Ihnen sage ich voraus: die Leute blöd machen wird teurer werden, als Sie sich das vorzustellen vermögen.

  • Der große Vorzug des Ebooks ist die Internationalität. Es ist überhaupt kein Problem, sich einen englischsprachigen Thriller oder auch ein Sachbuch vom Wohnzimmer aus herunterzuladen. So kann man sich informieren, bevor deutsche Verlage aus ihrem Dornröschenschlaf aufgewacht sind und das entsprechende Buch über den klassischen Buchhandel in Deutschland erhältlich ist.

    Ich habe z.B. in letzter Zeit mehrere hochinteressante englischsprachige Bücher zu der heißen Diskussion um Kreationismus, Intelligent Desing und Kreationismus, die in den USA hohe Wellen schlägt, als Ebook gelesen, Bücher, die in Deutschland noch gar nicht zu haben waren.

    Leider wird in Deutschland durch die Buchpreisbindung der breite Durchbruch des Ebooks noch verhindert. Die etablierten Verlage verfolgen offensichtlich auch bei leichter Unterhaltungsliteratur im Taschenbuchformat die Strategie, Bücher nur mit einem ganz geringen Preisabschlag als Ebook anzubieten. Ich sage voraus: Diese Strategie wird scheitern. Die Kräfte des Marktes werden stärker sein.

  • Ein E-Book ist wie eine Lese(r)krücke: Lesen obschon man empfängnisbereit und nix kapiert - weils leuchtet oder weniger, oder weils einfach nur 120 Euronen kostet und man nicht erst zu lesen braucht, wenn man es schon im Hosentäschlein tragen kann.

    Das E-Book wird künftig als weiterer Schritt hin zu einer konzisen Analphabetisierung der Menschen betrachtet werden können - so traurig das bleibt - so praktisch es sein mag - so verblödend es wirkt.

    Und so umsatzträchtig es künftig auch gehandelt werden mag: "ich bin doch nicht blöd"?

    Doch, ja.

  • ich kann damit ehrlich gesagt nichts anfangen. ich starre schon in der uni genug auf bildschirme, da ist das gute alte buch sehr willkommen.

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