Buchmesse-Chef Boos
„Neue Inhalte in neuen Formaten“

Von wegen verstaubt: Auf der Frankfuter Buchmesse ist Multimedia angesagt. Im Handelsblatt-Interview spricht Messe-Chef Juergen Boos über aktuelle Trends, Eventkultur vs. klassisches Geschäft und erklärt, wie die Buchmesse in zehn Jahren aussehen könnte.
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Handelsblat: Ken Follett macht es vor: multimediales Marketing für sein neues Buch, auch auf der Buchmesse. Ist das ein Messe-Trend?

Boos: Ja, wir erwarten zunehmend neue Inhalte in neuen Formaten. So genannte Enriched Books, also Bücher, die um Elemente wie Film und Musik, interaktives Eingreifen in die Geschichte erweitert wurden, sind etwas, auf das wir in naher Zukunft sehr gespannt sein dürfen. Außerdem sehen wir schon erste Produkte, in denen Inhalte nicht mehr eindeutig einem Format zugeordnet werden können, sondern am Anfang liquid - also noch form- und anpassbar - sowohl als Buch, als auch als Film, als auch als Computerspiel entwickelt werden. Mitunter sogar parallel und auch von mehreren Autoren gleichzeitig. Die lineare Erzählweise ist also nicht mehr die einzige Form, wie Inhalte publiziert werden können. Was aber ewig zählen wird: eine gute Story, die Leser und Zuhörer in ihren Bann zieht.

Es gibt auf der Messe 2010 die Gourmet Gallery, den Gemeinschaftsstand Musik, den Story Drive mit Filmproduzenten und Games-Entwicklern. Verdrängt die Eventkultur das klassische Geschäft mit Büchern und Lizenzen?

Nein, wir sehen in derartigen Angeboten eine perfekte Ergänzung des bestehenden Geschäfts. Und es zeigt sich ja durchaus, dass unsere Aussteller und Besucher von dem umfassenden Angebot Gebrauch machen um ihr Geschäft selbst erweitern zu können.

Macht die Buchmesse auch mit und geht neue Wege?

Die Aufgabe der Frankfurter Buchmesse ist es seit jeher, Orientierung zu bieten bei allen Fragen rund ums Publizieren von Inhalten. Es geht darum, die professionellen Player der verschiedenen Branchen mit einander zu vernetzen und ihnen Hilfestellung zu bieten. Dazu gehören Events zum gegenseitigen Kennenlernen genauso wie Angebote digitaler Vernetzung – und vor allem das faszinierende Spektrum von Inhalten und Geschichten aufzuzeigen

Spekulieren Sie: Wie sieht die Buchmesse in zehn Jahren aus?

Wir erwarten, dass sich die Buchmesse in zehn Jahren sehr viel kleinteiliger darstellen wird, mehr Menschen kommen aus mehr Ländern, um sich zum Thema Inhalte, Medien und Technologie auszutauschen. Dabei geht es vor allem um Wissensvermittlung und Netzwerken und nicht mehr so sehr um das Repräsentieren auf großen Flächen.

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