Buchmesse Frankfurt
E-Books werden zu digitalen Ladenhütern

In Amerika boomt das Geschäft mit E-Books – doch die Deutschen wollen lieber ihr gutes altes Buch. Daran wird sich so schnell nichts ändern, prognostizieren Experten. Das enttäuscht auch viele Schriftsteller.
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MÜNCHEN/FRANKFURT. Auch im Jahr 2010 stehen die Messehallen in Frankfurt voller Bücher. Kilometerlang reihen sich dünne und dicke, gewichtige und leichte Wälzer aneinander. Die digitale Euphorie der Verlage ist verflogen. Bei diesem Anblick traut sich niemand mehr, ein Ende des Gutenberg-Zeitalters zu prognostizieren.

Das E-Book spielt auf der weltgrößten Bücherschau, die heute beginnt, entgegen aller Erwartungen in den vergangenen Jahren nur eine bescheidene Nebenrolle. „Das ist ein sehr überschaubarer Markt“, sagt Klaus Driever, Geschäftsführer der Verlagsgruppe Weltbild.

Die Umsätze der meisten Verlage mit digitalen Inhalten sind mikroskopisch klein. „Die Euphorie ist einer nüchternen Realität gewichen“, heißt es bei Gräfe und Unzer, dem Ratgeber- und Kochbuchverlag der Verlagsgruppe Ganske. „Das Buch wird durch das Internet nicht verschwinden“, ergänzt Verlegerin Stephanie Mair-Huydts von Europas größtem Touristikverlag MairDumont.

Auch viele Schriftsteller sind enttäuscht. „Ich habe in diesem Jahr von meinem Titel 2 800 gedruckte Exemplare verkauft, aber nur zwei E-Books“, sagt ein Sachbuchautor, der ungenannt bleiben möchte.

„Bücher haben jede Menge Vorteile“

Gräfe und Unzer prognostiziert wie andere Verlage auch einen Umsatzanteil der E-Books von maximal fünf bis 15 Prozent bis zum Jahr 2015. Das Unternehmen hat noch keine E-Books veröffentlicht – und das aus gutem Grund. „Unsere Ratgeber sind vierfarbig. Nur wenige Lesegerät können unser Konzept wiedergeben“, so ein Sprecher.

Doch nicht nur die E-Books kommen kaum bei den Kunden an. Auch als Apps für das beliebte Smartphone iPhone oder den Minicomputer iPad von Apple gibt es die Inhalte inzwischen – aber in nennenswerter Zahl greifen die Käufer nur vereinzelt zu. Die 20 000-mal verkaufte Berlin-App der Reiseführer-Serie Marco Polo in den ersten vier Wochen nach der Veröffentlichung ist die große Ausnahme.

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  • Sehr beeindruckt hat mich das buch "Logout" von Clifford Stoll, einem Autor, dem man nun wahrlich keine Computer- und internetaversion nachsagen kann. Schon vor 10 Jahren wendete er sich mit vielen guten, noch immer gültigen Argumenten gegen "Laptopklassen", das Lieblingskind heutiger Schulreformer. Eines der wichtigsten Argumente ist: Pfeffert man ein Schulbuch mit Wucht in die Ecke, mag es hinterher einen lädierten Umschlag haben, sein Nutzwert aber ist unberührt. Man mache dasselbe mal mit einem Notebook oder E-Reader.

    E-books sind praktisch als Nachschlagewerke (ich habe viele bücher der digitalen bibliothek), zum Genußlesen aber sind sie nichts.

  • Der buchhandel sieht doch die Digitalisierung genauso skeptisch wie die Musikbranche. Warum bitte soll ein Kunde für ein digital erworbens buch genau so viel zahlen wie für ein aufwendig gedrucktes? Apple hat mit seinen Apps vorgemacht, was hier einige Manager noch nicht kapiert haben: Mit billigen Produkten einen Massenmarkt erschließen (hat übrigens im bezahlfernsehmarkt in Deutschland auch noch keiner probiert).
    Noch ein Vorschlag für den buchhandel: Startet doch mit den Lehrbuchmarkt:
    a) Schüler sind für die neue Technik sicher am schnellsten zu begeistern.
    b) bücher können jährlich einfach aktualisiert werden.
    c) Ein enormer Gewichtsvorteil; mein Sohn schleppt derzeit eine rd. 7 kg schwere Schultasche, geraten wird jedoch höchstens 10 % vom Körpergewicht.
    Aber soviel innovation auf einmal kann man weder von der buchbranche (mit vernünftigen Preisen) noch von den Schulbehörden verlangen: Lieber stattet man erst einmal den kompletten bundestag mit i-Pad aus!

  • Das sich Ebooks schleppend bis nicht verkaufen ist doch auch kein Wunder. Sie kosten genau das gleiche Geld wie das "richtige" buch. Dazu kommen noch Sachen wie der Kopierschutz etc. die das Sichern der bücher oder das Übertragen auf einen neuen Reader teils unmöglich. Würde man sich Gedanken über eine vernünftige Preispolitik machen wäre der Erfolg wohl auch in Deutschland nicht zu stoppen, aber so wohl eher nicht.

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