Buchprüfung
Verkauf der „Süddeutschen“ geht in die Endrunde

Der Verkauf des Süddeutschen Verlags nähert sich der Zielgeraden. Auf ihrer Versammlung am gestrigen Dienstag haben die Gesellschafter eine Reihe von Interessenten für die Buchprüfung ausgewählt, darunter den Kölner Zeitungskonzern DuMont, die Essener Waz-Gruppe und die Stuttgarter Verlagsgruppe Holtzbrinck. Einen Wunschkandidaten gibt es offenbar auch schon.

hps DÜSSELDORF. Ein Sprecher der Gesellschafterversammlung wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern. In Unternehmenskreisen wurden als Finalisten im Bieterwettbewerb um den Süddeutschen Verlag der Kölner Zeitungskonzern DuMont Schauberg („Frankfurter Rundschau“, „Kölner Stadtanzeiger“), die Essener Waz-Gruppe, die Stuttgarter Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck (Handelsblatt, „Zeit“) und zwei Finanzinvestoren genannt. „Im Verlag ist Holtzbrinck der Wunschkandidat“, sagte am Dienstag ein Unternehmensinsider, da der Konzern für Qualitätsjournalismus stehe. Zudem gebe es bei der Anzeigenvermarktung Synergien.

Am großen Interesse Holtzbrincks gibt es keine Zweifel. „Der Erwerb der ,Süddeutschen Zeitung’ wäre für uns eine ideale Möglichkeit, unsere Position im Qualitätsjournalismus auszubauen. Auch in der Anzeigenvermarktung würden sich mit diesem Kauf große Chancen ergeben“, sagte am Dienstag Jochen Gutbrod, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Holtzbrinck.

Bis wann der Verkauf des Süddeutschen Verlags über die Bühne gehen kann, ist unklar. Zwischen den Gesellschaftern ist der Verkauf umstritten. Die Altgesellschafterfamilien Goldschagg, Schwingenstein, Dürrmeier und von Seidlein wollen ihre Anteile von 62,5 Prozent veräußern. Die Verlegerfamilie Friedmann („Abendzeitung“) ist aber strikt gegen einen Verkauf. Die Südwestdeutsche Medien Holding (SWMH), die 18,5 Prozent am Süddeutschen Verlag hält, möchte wiederum ihren Anteil ausbauen. Die SWMH, Besitzer der „Stuttgarter Zeitung“, hält seit ihrem Einstieg in München vor fünf Jahren ein Vorkaufsrecht. Die als finanzstark geltende SWMH könnte bei einem Angebot eines Interessenten in einer Frist von drei Monaten gleichziehen und erhielte damit den Zuschlag.

Ob dies finanziell Sinn hat, hängt von der Höhe des Kaufangebots ab. In Käuferkreisen wird ein Preis von rund einer Mrd. Euro genannt. Die Gesellschafter wollten sich am Dienstag nicht zu ihren Preisvorstellungen äußern. In der Zeitungsbranche ist die Bandbreite traditionell groß. Es wird mindestens das Achtfache des Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) gezahlt. Medienmogul Rupert Murdoch zahlte aber beispielsweise für die Übernahme des „Wall Street Journal“ das Zwanzigfache des Ebitda. Im britischen Zeitungsgeschäft ist das Zwölf- bis Vierzehnfache des Ebitda die Regel. Die WAZ-Gruppe zahlte für die „Braunschweiger Zeitung“ im Frühjahr 210 Mill. Euro, dass entspricht fast dem dreizehnfachen Ebitda.

Der Süddeutsche Verlag erzielte im vergangenen Jahren einen Umsatz von 709 Mill. Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen belief sich auf 77 Mill. Euro. Das war das beste Ergebnis seit der Zeitungskrise vor fünf Jahren. „Weniger rentable Objekte wurden verkauft. Im Kerngeschäft verdienen wir dafür wieder deutlich mehr Geld“, sagte Geschäftsführer Klaus Josef Lutz bei der Vorlage der Bilanz. Im vergangenen Jahr hatte sich der Verlag von Fachzeitschriften für die IT-Branche zurückgezogen.

Ursprünglich hatte die mit dem Verkauf beauftragte Bank Credit Suisse First Boston an 30 Interessenten Verkaufsunterlagen versandt. Bis Ende vergangener Woche konnten erste Angebote abgegeben werden.

Eigentlich sollten sich am Dienstag die Gesellschafter vor dem Münchener Landgericht treffen. Dort klagen Altverleger Johannes Friedmann und die SWMH. Das Duo wehrt sich dagegen, dass ihnen wichtige Informationen beispielsweise zur Unternehmensentwicklung seit Frühjahr vorenthalten werde. Der Gerichtstermin wurde aber auf 4. Dezember verschoben. Das bestätigte am Dienstag ein Sprecher des Münchener Landgerichts.

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