Bücher, Platten und auch Plattes
Hintergrund zum Bertelsmann-Konzern

Das Unternehmen Bertelsmann hat sich in 170 Jahren von einem evangelischen Liederbuch-Verlag zum Weltkonzern gemausert. Dabei ist der Medienriese stets in Familienbesitz geblieben.

HB GÜTERSLOH. Der Konzern mit einem Umsatz von 18 Mrd. Euro und einem operativen Gewinn von 1,6 Mrd. Euro im vergangenen Jahr steht auf sechs Säulen:

RTL: Die Fernsehtochter RTL Group (Luxemburg) ist die größte Sparte im Konzern. Sie betreibt 34 Fernsehsender in ganz Europa (RTL, M6, Five) und ist an 34 Radiostationen beteiligt. Die Produktionsfirma Freemantle kreiert Formate wie etwa „Deutschland sucht den Superstar“ und handelt sich damit häufig den Vorwurf von Kritikern ein, platte Inhalte zu liefern.

Arvato: Die Industrie- und Dienstleistungstochter von Bertelsmann ist ein wahrer Gemischtwarenladen. Die Palette reicht vom industriellen Tiefdruck (Prinovis) bis hin zu Dienstleistungen wie einer Telefonauskunft („1 18 18“) und sogar der Übernahme ganzer Kommunalverwaltungen wie im englischen East Riding.

Gruner + Jahr: An Europas größtem Zeitschriftenhaus in Hamburg hält Bertelsmann 74,9 Prozent der Anteile. Mit der Übernahme der Stuttgarter Motorpresse und dem Abstoßen von unrentablen US- Aktivitäten im vergangenen Jahr hat sich Gruner + Jahr zu einer der profitabelsten Sparten im Konzern entwickelt.

Random House: Die weltweit größte Buchverlagsgruppe mit Sitz in New York verbindet Anspruch und Kommerz. Die Verlage der Gruppe geben philosophische Abhandlungen und wissenschaftliche Literatur ebenso heraus wie Biographien von Boris Becker und Dieter Bohlen. Mit dem Autor Dan Brown („The Da Vinci Code“) hat Random House einen sehr erfolgreichen Schriftsteller unter Vertrag. Künftig will die Gruppe auch stärker in den Markt mit Literaturverfilmungen einsteigen.

Direct Group: Das Geschäft mit Buch- und Musikclubs ist die Keimzelle des modernen Bertelsmann-Konzerns. Mit dem Ausbau des deutschen Clubs hat Reinhard Mohn das Unternehmen nach dem Krieg groß gemacht. Das Geschäft schwächelte jahrelang vor allem in Deutschland und Großbritannien. Dagegen floriert die Clubidee in Übersee vor allem bei Musik und DVD.

Sony BMG: Die Musiksparte von Bertelsmann ist gegenwärtig noch zweigeteilt. Der florierende Musikverlag BMG Music Publishing wird dem Aktienrückkauf geopfert und soll im Sommer versteigert werden. Übrig bleibt die 50-Prozent-Beteiligung an der weltweit zweitgrößten Plattenfirma Sony BMG, mit dem früheren Bertelsmann-Vorstand Rolf Schmidt-Holtz an der Spitze. Das Musikgeschäft gilt als unsicher, weil illegale Downloads im Internet die Gewinne schmälern. Die Fusion mit Sony lief lange Zeit nicht so rund, wie in Gütersloh gewollt.

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