Büchner contra Ressortleiter
Machtkampf beim „Spiegel“ eskaliert

Unruhige Zeiten bei Deutschlands größtem Nachrichtenmagazin: „Spiegel“-Chefredakteur Büchner will offenbar seine Ressortleiter absägen. Die hatten sich zuletzt gegen ihn gestellt. Nun müssen die Mitarbeiter entscheiden.
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DüsseldorfBeim Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ eskaliert offenbar der Machtkampf an der Redaktionsspitze. Chefredakteur Wolfgang Büchner will nach Informationen der „Berliner Zeitung“ neue Ressortleiter. Alle Posten sollen neu ausgeschrieben werden, berichtete die Zeitung am Mittwoch.

Dies hätten Büchner und Verlagsgeschäftsführer Ove Saffe am Dienstag der mächtigen Mitarbeiter KG mitgeteilt. Die künftigen Ressortleiter sollen sowohl für das gedruckte Magazin als auch für die Online-Ausgabe zuständig sein, heißt es in dem Bericht.

Die Mitarbeiter KG muss der Ausschreibung zustimmen. Nach Angaben der „Berliner Zeitung“ wollen sich die fünf KG-Geschäftsführer bereits am Mittwoch beraten. Eine Entscheidung ist nach Informationen des Handelsblatts am Mittwoch aber unwahrscheinlich. Die Geschäftsführer stehen vor einem Dilemma: Stimmen sie der Neuausschreibung der Ressortleiter-Posten zu, würde das für großen Unmut in der Redaktion sorgen. Der Gedanke an Streik liege in der Luft, schreibt das Blatt weiter. Verweigern die Geschäftsführer die Zustimmung, stünden sowohl Büchner als auch Saffe wohl vor dem Abgang beim „Spiegel“.

Der ehemalige DPA-Chefredakteur Büchner war im vergangenen Jahr auf Vorschlag Saffes zum Nachrichtenmagazin gekommen. Dem vorausgegangen war ein Streit zwischen dem vorherigen Führungsduo Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron.

Doch Büchner eckte gleich mit seiner ersten Personalie an, indem er den stellvertretenden „Bild“-Chef Nikolaus Blome zum „Spiegel“ holte. Zuletzt sollen sich einige Ressortleiter bei Saffe über Büchner beschwert haben. Jetzt will dieser offenbar zurückschlagen.

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

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  • der spiegel schafft sich selber ab und ist ein spiegelbild hamburger zustände

  • Ja genau, der Spiegel ist schon lange durch. Wenn man bedenkt, was aus diesem ehemaligen investigativen Edelmagazin geworden ist, kann man nicht verstehen, wie der Spiegel dermaßen abwirtschaften konnte.

  • Wenn sich der Spiegel selber auseinandernimmt, ist das kein Verlust für die deutsche Presselandschaft.

    Ein kritisces Magazin ist dieses "Erzeugnis" schon lange nicht mehr. Kritischer Journalismus ist heute beim Handelsblatt beheimatet, wie jüngst Gabor Steingart bewiesen hat mit seinem ausgezeischneten
    Kommentar zum "Irrweg des Westens", einem Meilenstein
    in Sachen Aufklärung und unabhängigem Denken.

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