Bundesligavertrag unter der Lupe
Kartellamt schaut Kirch auf die Finger

Das Bundeskartellamt will den Vertrag zwischen der Agentur Sirius des Medienunternehmers Leo Kirch und der Deutschen Fußball Liga (DFL) zur Vermarktung der Fußball-Bundesliga unter die Lupe nehmen. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Kartellwächter bei der Vermarktung von Sportrechten eingreifen.

HB DÜSSELDORF. Das Kartellamt erwarte die Vorlage des Vertrags, sagte eine Sprecherin der Bonner Behörde am Mittwoch. Die Wettbewerbshüter prüfen dann, ob sie zuständig sind und ob die Vereinbarung im Einklang mit dem Kartellrecht steht.

Um die Vermarktung der lukrativen Übertragungsrechte hatte es immer wieder Streit zwischen den Fußball-Verantwortlichen und den Kartellwächtern in Brüssel und Bonn gegeben. In den 90er Jahren hatte das Bundeskartellamt die zentrale Vermarktung von Sportrechten untersagt.

Zum 1. Januar 1999 hatte jedoch der Gesetzgeber die zentrale Sportvermarktung dem Zugriff des Kartellamts entzogen. Dafür trat dann aber die Europäische Kommission auf den Plan, die etwa die Vergabe von Auslandsrechten ins Visier nahm. Die Brüsseler Wettbewerbshüter fanden eine Lösung, die die Aufteilung der Vermarktungsrechte in einzelne Pakete vorsieht – wie etwa Rechte zur Live-Übertragung von Spielen und zur weiteren Verwertung.

In Deutschland wurde die Freistellung der Vermarktung vom Kartellrecht indes 2005 wieder aufgehoben. Die Zuständigkeit für die Vermarktung liegt damit auch wieder bei den nationalen Kartellbehörden. Es habe bereits Gespräche mit der DFL gegeben, sagte die Kartellamtssprecherin weiter. Das Kirch-Modell liege der Behörde aber noch nicht vor.

Die DFL hatte am Dienstag erklärt, die Bundesliga-Rechte sollten von der Saison 2009/10 an von Kirchs Agentur Sirius vermarktet werden und nicht mehr von der DFL selbst. Sirius erhält die Rechte nicht, sondern reicht sie als Zwischenhändler nur weiter.

Die DFL erhofft sich durch den neuen Partner eine deutliche Steigerung der Einnahmen: Sirius garantiert mindestens Erlöse von insgesamt drei Milliarden Euro - also 500 Millionen Euro pro Saison. Derzeit kassiert die DFL 440 Millionen Euro pro Spielzeit. Leidtragender der neuen Vereinbarung könnte der Bezahlfernsehsender Premiere sein.

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