Business-Handy Blackberry
Invasion der Brombeeren

RIM? Den Firmennamen kennt kaum jemand – aber fast jeder kennt das wichtigste Produkt: das Business-Handy Blackberry, zu Deutsch: Brombeere. Während Apples iPhone die öffentliche Aufmerksamkeit erobert, beherrscht RIM mit dem Blackberry die Verkaufsregale. Ortsbesuch bei einem Visionär, der zum Milliardär wurde. Eine Handelsblatt-Reportage.

WATERLOO. Oscar, wo ist der Oscar? Mike Lazaridis lässt sich entschuldigen und läuft aus dem Konferenzraum. Als der mächtige Mann mit den fülligen Backen zurückkommt, legt er stolz eine hölzerne Trophäe auf den Tisch: „Schauen Sie, mein Technik-Oscar!“ Lazaridis erhielt den Preis 1999, weil er die Schneideprozesse der Filmindustrie mit der Erfindung eines Barcode-Lesers vereinfachte. Hollywoods Regisseure wären gut beraten gewesen, den Fingerzeig ernst zu nehmen und in die Firma des Tüftlers Lazaridis zu investieren.

Denn acht Jahre später ist Research in Motion (RIM) an der Börse 65 Milliarden Dollar wert – fast dreimal so viel wie der größte US-Autobauer General Motors. Der Gründer selbst hält noch mehr als sechs Prozent der Anteile, weshalb ihn seine Heimat als „kanadischen Bill Gates“ feiert.

65 Milliarden Dollar? RIM? Den Firmennamen kennt jenseits von Ontario kaum jemand – aber fast jeder kennt das wichtigste Produkt: das Business-Handy Blackberry, zu Deutsch: Brombeere, hat Lazaridis zwar keinen weiteren Oscar gebracht, dafür aber den finanziellen Durchbruch – und den Dank einer Managergeneration.

Nicht auszudenken, wie kompliziert das Führen von Unternehmen einstmals gewesen sein muss – so ganz ohne Standleitung in elektronische Postfächer, Internet und Terminkalender. Undenkbar scheint heute auch, dass Lazaridis seine handlichen Geräte Ende der 90er-Jahre an Firmen verschenkt hat: „Eins für den CEO und eins für den Finanzchef: Dann konnten wir sicher sein, dass Anschlussaufträge kommen.“

Wer heute durch die New Yorker Wall Street spaziert, sieht tagtäglich eine Invasion der Brombeeren. Zu Anzug und Krawatte gehört zwingend ein Blackberry; Manager halten es sich entweder pausenlos ans Ohr, oder sie bearbeiten es mit den Fingern. Die Sucht nach dem mobilen Alleskönner hat bereits den Begriff „Crackberry“ entstehen lassen – in Anlehnung an das gleichnamige Rauschgift.

Rückblende: 1961 wird Lazaridis als Sohn griechischer Eltern in Istanbul geboren. Die Familie wandert nach Kanada aus und lässt sich am Detroit River nieder, weil der Vater beim US-Autokonzern Chrysler einen Job findet. Sohn Mihal frisst sich wie ein Bandwurm durch Wissenschaftsbücher und bastelt auf der High School mit Vorliebe im Elektroniklabor. Für die Fabrikhallen von General Motors konstruiert er digitale Anzeigetafeln und bricht vor lauter Tüfteleien sein Studium in Waterloo nahe Toronto ab. 1984 gründet er in direkter Nachbarschaft der Universität sein Unternehmen RIM und steckt 20 Jahre lang fast jeden Dollar Gewinn in die Entwicklung von Drahtlos-Technologien. Heute ist Lazaridis 46, und aus dem Visionär ist der Milliardär geworden.

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