Business-Software
Hoffnungsträger von SAP vor dem Aus

Es sollte die perfekte Software-Lösung für kleine und mittlere Unternehmen werden: Doch die Probleme mit "Business by Design" sind so groß, Vorstandschef Leo Apotheker einen Verkaufsstopp verhängt haben soll – was die Walldorfer dementieren. SAP soll bereits über einen Nachfolger nachdenken.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Der Softwarekonzern SAP bekommt seine Probleme mit dem Hoffnungsträger "Business By Design" nicht in den Griff. "Das Produkt bereitet immer noch Schwierigkeiten und hat kaum Aussicht, jemals ein tragfähiges Geschäftsmodell zu werden", ist aus dem Umfeld des Unternehmens zu hören. Es werde bereits über einen Nachfolger nachgedacht. Bei dem Konzern heißt es: "Wir führen wie geplant auch 2009 unsere kontrollierte Markteinführung in Deutschland, den USA, Frankreich, England, China und Indien fort".

Experten trauen dem nicht. Sie verweisen darauf, dass der Konzern die Kunden in Sachen "Business By Design" (BBD) seit längerem mit vagen Aussagen hinhält. "Es ist klar, dass SAP auf der Cebit neue Features zeigt. Ich würde mich allerdings vor dem Hintergrund der Probleme nicht wundern, wenn das Unternehmen bereits parallel an einer Nachfolgelösung arbeitet", sagt Alexander Kubsch, Analyst beim IT-Marktforscher Techconsult. Die jetzige Version sei nicht zukunftsfähig. Allerdings würde es dann noch mindestens weitere drei bis vier Jahre dauern, bis der Konzern mit einem neuen Produkt in den Onlinevertrieb einsteigen könnte.

BBD ist die jüngste von zahlreichen Mittelstands-Initiativen der SAP, die bislang wenig Erfolg hatten. Zwar macht der Softwarekonzern einen signifikanten Anteil seines Umsatzes mit mittelständischen Unternehmen. Doch handelt es sich dabei vor allem um größere Firmen.

Vermarktung ist komplett eingestellt

Um kleineren Unternehmen die Angst vor hohen Anfangsinvestitionen in die Business-Software zu nehmen, hat SAP ein komplett neues Programm entwickelt. Das können die Kunden über das Internet nutzen - müssen es also nicht mehr auf den eigenen Rechnern installieren. Dafür hatte der Konzern in den zurückliegenden zwei Jahren auf Marge verzichtet und 400 Mio. Euro investiert - zum Leidwesen von Investoren.

Bereits vor gut einem Jahr wurde klar, dass der ursprüngliche Zeitplan, mit BBD bereits Ende 2008 rund 1 000 Kunden bedienen und im Jahr 2010 eine Mrd. Dollar umsetzen zu können, nicht zu halten war. Es wurde immer wieder vertröstet, mittlerweile mehren sich die Signale, dass dem jetzigen BBD das Aus droht. So hat SAP die Vermarktung komplett eingestellt. Leo Apotheker, Vorstandschef des Unternehmens, soll gar ein Verkaufsverbot ausgesprochen haben.

"Es gibt keine nach außen sichtbaren Marketingaktivitäten mehr", bestätigte ein Manager eines SAP-Partners: "Wir akquirieren zwar mit dem Vehikel BBD neue Kunden, verkaufen dann aber etwas anderes von SAP." Bislang arbeiten nur wenige ausgewählte Kunden mit dem Programm. Doch auch sie erhalten aus Walldorf keine klaren Angaben, wann das Pilotprojekt in den normalen Betrieb übergeht.

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