Businesssoftware
Google gewinnt Großkunden für Bürosoftware

Der internationale Dienstleistungskonzern Rentokil Initial wird bis Ende 2010 mehr als 35 000 Arbeitsplätze mit der Online-Bürosoftware „Google Apps Professional“ ausrüsten. Das bestätigte ein Google-Sprecher auf Anfrage des Handelsblatts. Dies ist der bislang größte Firmenvertrag weltweit für Googles Businesssoftware.

DÜSSELDORF. Der Neuling aus Mountain View wirft damit Wettbewerber wie Marktführer Microsoft (MS Office, Outlook) und IBM (Lotus Symphony) aus dem Rennen. Google will aggressiv wachsen: Ziel ist es, spätestens 2010 im Geschäftskundenbereich Gewinne zu erzielen. Rentokil seinerseits will vor allem Kosten senken und das Durcheinander an IT- und Online-Services beenden.

Rentokil bietet Dienstleistungen von der Großküchenhygiene über Wäschereinigungen bis hin zur Ungezieferbekämpfung an. Von rund 78 000 Mitarbeitern an 50 Standorten weltweit nutzen rund 20 000 ständig einen PC-Arbeitsplatz, weitere 15 000 Nutzer sind über eigene Computer mobil mit Smartphones angebunden oder teilen sich Gemeinschaftscomputer. Das Problem: Die elektronische Kommunikation ist derzeit unnötig kompliziert. Im Unternehmen sind von Europa bis Asien über 180 verschiedene, teils private E-Mail-Domains und 40 verschiedene E-Mail-Systeme im Einsatz. Weder Termin- noch Adressdatenbanken in den sechs Unternehmensbereichen sind standardisiert.

Das soll sich mit der „Collaboration-Software“, der Team-Software aus Kalifornien jetzt ändern. Die gesamte Kommunikationsinfrastruktur – E-Mails, Video-Konferenzen oder auch Internet-Telefonie – soll auf den Web-Servern von Google installiert sein und gewartet werden. Der amerikanische Internetkonzern investiert zurzeit kräftig in die Online-Datenhaltung: Nach Branchenschätzungen gehört dem Suchgiganten mittlerweile jeder zehnte Datenserver im Internet.

Die im Web, der „Cloud“, geführten Terminkalender und ein globales E-Mail-Adressbuch lösen bald bestehende nationale Insellösungen ab. Per Online-Textverarbeitung oder Tabellenkalkulation können bei Rentokil künftig mehrere Mitarbeiter parallel an Dokumenten arbeiten oder via Instant Messenger miteinander kommunizieren.

Die Programme laufen dabei in jedem Internet-Browser, so dass unterschiedliche Bürohardware kein Hindernis darstellt. Bryan Kinsella, Technologievorstand bei Rentokil: „Wir entlasten so unsere IT-Abteilung und vereinfachen den Wissensaustausch und die Zusammenarbeit.“ Vor 18 Monaten wurden erste Gespräche mit Google aufgenommen, im Dezember 2008 ein Pilotprojekt mit rund 800 Mitarbeitern aufgesetzt. An dessen ende stand die Entscheidung für das System aus Kalifornien.

Angaben über die konkreten Kosten des Rentokil-Vertrags gibt es nicht. Die offizielle Google-Preisliste nennt Kosten von 50 Dollar pro Arbeitsplatz und Jahr. Zum Vergleich: Ein gemanagtes Microsoft-Outlook-Exchange-E-Mail-Konto mit Kalender, Kontaktdatenbank und teamweitem Zugriff auf Daten und Ordner kostet bei einem Dienstleister wie 1&1 rund 13 Euro pro Nutzer und Monat. Dazu kommen die Preise für die Office-Pakete. Gerade mittelständische Firmen schwenken deshalb schon seit Längerem auf günstigere Alternativen um, selbst wenn sie weniger Funktionen als Office anbieten. Martin Wowes, Director IT-Services bei Rentokil, im Gespräch mit dem Handelsblatt: "Wir haben uns serverbsasierte und selbst gemanagte Systeme wie Microsoft Exchange und natürlich auch genau angeschaut und die Investitionssumme in Cloud-basierte Systeme lag dem gegenüber um 50 bis 70 Prozent niedriger."

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