Carl-Henric Svanberg löst Kurt Hellström ab – Börse verteilt Vorschusslorbeeren
Ericsson versucht es mit neuem Chef

Der schwedische Telekom- Ausrüster Ericsson bekommt schon im April einen neuen Chef. Carl-Henric Svanberg soll den Konzern nach einer Schrumpfkur in die Gewinnzone führen – doch er ist ein Branchenfremder.

hst STOCKHOLM. Der von hohen Verlusten geplagte Telekommunikationsausrüster Ericsson zieht den Führungswechsel vor: Der Konzern gab am Donnerstag überraschend bekannt, dass der 50-jährige Carl-Henric Svanberg schon zum 8. April den amtierenden Vorstandschef Kurt Hellström ablösen werde. Der 59-jährige Hellström werde noch bis Jahresende im Konzern bleiben und dann in den Ruhestand gehen.

Svanberg führt bisher Assa Abloy, den weltweit führenden Hersteller von Sicherheitsschlössern. Die Börse stattete ihn gestern mit Vorschusslorbeeren aus: Die Ericsson-Aktie stieg zwischenzeitlich um fast 12 %, nachdem sie in den vergangenen Tagen nach enttäuschenden Zahlen für 2002 um rund ein Viertel eingebrochen war. Der Konzern hatte einen Jahresverlust von umgerechnet 2,1 Mrd. Euro berichtet und bei den Banken die Sorge ausgelöst, dass er schon bald eine neue Kapitalspritze brauchen wird.

Die meisten Analysten zeigten sich zwar überrascht über den Zeitpunkt des Führungswechsels, aber zufrieden mit Svanberg. „Das war eine gute Wahl, zumal die Zeit der Unsicherheit nun vorüber ist“, sagte Helena Nordman-Knutsson von der Investmentbank Öhman.

Kritisch merkten Analysten jedoch an, dass Svanberg branchenfremd ist. „Ein Einwand gegen ihn ist sein Mangel an Erfahrung in der Telekommunikationsbranche“, sagte etwa Håkan Wranne von der Investmentbank Fischer Partners. Svanberg selbst gestand dieses Defizit auf einer Pressekonferenz in Stockholm ein. „Jetzt werde ich sehr viel Zeit zum Lernen benötigen“, sagte er. Ericsson-Aufsichtsratschef Michael Treschow, selbst kein Telekom-Experte, bezeichnete Svanberg als „Langzeit-Lösung“. Er habe bei Assa Abloy bewiesen, dass er sich schnell in neue Gebiete einarbeiten könne.

Für den scheidenden Hellström hatte Treschow nur gute Worte. Er habe „die größte Umstrukturierung der modernen schwedischen Geschichte“ durchgesetzt. Der medienscheue Hellström sah gestern erleichtert aus. Er hatte 1999 die Führung des weltgrößten Herstellers von Mobilfunknetzen übernommen und musste fast sofort mit einem bis heute nicht abgeschlossenen Sparprogramm auf den Niedergang der Telekommunikationsbranche reagieren. „Die vergangenen dreieinhalb Jahre sind mir vorgekommen wie sieben Jahre“, sagte er gestern. Unter seiner Führung schrumpfte die Belegschaft von 106 000 auf knapp 65 000. Ende des Jahres, so hatte es Hellström am Montag angekündigt, sollen es nicht einmal mehr 60 000 sein.

Ericsson hatte während Hellströms Amtszeit die Produktion eigener Mobiltelefone aufgegeben und dafür mit dem japanischen Elektronikriesen Sony das Gemeinschaftsunternehmen Sony Ericsson gebildet. Das Unternehmen schreibt weiterhin rote Zahlen, will aber im laufenden Jahr die Gewinnzone erreichen. Das hofft auch Ericsson insgesamt. Am Montag hatte Hellström bekräftigt, dass er für 2003 von einem Gewinn ausgehe. Das mögen viele Analysten jedoch nicht glauben, weil der Konzern seinen Umsatz zu 80 % mit Mobilfunknetzen macht und die großen Telekommunikationskonzerne als Hauptkunden schwer verschuldet sind.

Svanbergs wichtigstes Ziel ist es jetzt, den Konzern, der seit mehr als sieben Quartalen tiefrote Zahlen schreibt, wieder in die Gewinnzone zu führen. „Ich habe keine Zweifel, dass der Ericsson-Konzern, der schon mehrere Krisen überlebt hat, auch aus diesen Problemen als Sieger hervorgehen wird“, sagte Svanberg. Pläne für die Zukunft von Ericsson wollte er noch nicht vorstellen. Als Zeichen seiner Zuversicht hat der Multimillionär Svanberg jedenfalls in den vergangenen Tagen schon einmal Ericsson-Aktien im Wert von umgerechnet knapp elf Millionen Euro gekauft.

Quelle: Handelsblatt

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