Carlos Slim
Mexiko-Milliardär gibt Kampf um KPN auf

Carlos Slim, der reichste Mann der Welt, hat kein Interesse mehr daran, den niederländischen Telekom-Konzern KPN zu kaufen. Die Stiftung des Unternehmens hat das Vorhaben erfolgreich blockiert.
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Mexiko-StadtDer reichste Mann der Welt wirft beim milliardenschweren Kampf um den niederländischen Telekom-Konzern KPN das Handtuch. Der mexikanische Branchengigant America Movil des Milliardärs Carlos Slim teilte am Mittwoch mit, seine 7,2 Milliarden Euro schwere Offerte nicht weiterzuverfolgen. Da die KPN-Stiftung das Vorhaben blockiere, könne America Movil seine Ziele nicht erreichen, hieß es zur Begründung. Damit erleiden die Pläne des größten lateinamerikanischen Konzerns einen herben Rückschlag, auch außerhalb seiner Stammregion zu wachsen. Was mit den 30 Prozent passiert, die America Movil schon von KPN besitzt, ist noch nicht entschieden. Der 73-jährige Slim führt die "Forbes"-Liste der Superreichen mit einem Vermögen von 73 Milliarden Dollar an.

Die KPN-Stiftung hatte Ende August erklärt, Optionen zum Kauf von KPN-Vorzugsaktien ausgeübt und damit fast 50 Prozent der Stimmrechte unter ihre Kontrolle gebracht zu haben. Sie habe eingegriffen, um die Interessen von KPN und seiner Aktionäre zu schützen, hatte es geheißen. Die Stiftung vertritt die Interessen der KPN-Besitzer, Mitarbeiter und Kunden. Sie hatte bereits früher erklärt, es gebe Unklarheit über Slims Absichten. KPN hat per Gesetz das Recht, über die Stiftung jeden Übernahmeversuch abzublocken, der "Fortbestand, Unabhängigkeit und Identität" des Unternehmens bedroht.

Slim hält seit längerem bereits 30 Prozent an KPN. Er hatte damit auch Einfluss auf das jüngste Fusionsvorhaben auf dem deutschen Telekom-Markt, bei dem O2 den Rivalen E-Plus kaufen will. E-Plus ist eine Tochter von KPN. Slims America Movil hatte dem Übernahmeangebot erst zugestimmt, nachdem die 02-Mutter Telefonica ihre Offerte für E-Plus auf 8,6 Milliarden Euro angehoben hatte.

Slim hatte damit Telefonica einen Nadelstich versetzt: America Movil und Telefonica sind in vielen Ländern Lateinamerikas Rivalen und kämpfen dort mit harten Bandagen um die Vorherrschaft. Zusammen kontrollieren sie 60 Prozent des dortigen Mobilfunkmarkts. Jeder Euro, den Telefonica in Deutschland mehr ausgeben muss, fehlt dem spanischen Konzern im Kampf gegen Slim in Südamerika.

Der Zeitpunkt für Übernahmen im Telekommunikationssektor ist günstig: Die Aktienkurse sind eher niedrig und viele Konzerne trennen sich von Geschäften, weil die Konkurrenz zu groß und die Regulierung hart ist. Wegen der niedrigen Zinsen lassen sich Übernahmen zudem günstig finanzieren. Slim hält auch knapp 24 Prozent an der Telekom Austria.

America-Movil-Aktien zogen am Mittwoch nach dem Rückzug der KPN-Offerte rund sechs Prozent an. In den Niederlanden war zum Zeitpunkt der Ankündigung die Börse bereits geschlossen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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