
DüsseldorfDer größte Gegner von Oliver Lünstedt ist das Misstrauen. Der Wirtschaftsingenieur baut mit einem Kompagnon den Carsharing-Dienst Carzapp auf. Mitglieder sollen darüber schon bald ihr Auto an andere vermieten können – und sich darauf verlassen können, dass sich keine Krümelmonster oder Raser hinters Steuer setzen. „Wir tun alles, damit Vertrauen geschaffen wird“, sagt der Firmengründer.
Carzapp steht für einen Trend: Immer mehr Online-Portale wollen die Nutzer davon überzeugen, mit anderen zu teilen, ob Auto oder Wohnung, Bohrmaschine oder Kinderwagen und sogar Essen, Kleidung oder Schmuck. Das soll das eigene Konto schonen. Und wenn viele es tun, auch die Umwelt: „Die Portale können helfen, die Ressourcennutzung effizienter zu gestalten“, sagt Alexander Holst, der für die Unternehmensberatung Accenture zum Thema Nachhaltigkeit forscht. Das sei nicht neu, aber Internet und Smartphones gäben dem Thema neuen Schwung.
Die wohl bekannteste Art des Teilens ist das Carsharing: Dutzende Unternehmen sind mittlerweile am Markt. Portale wie Tamyca und Carzapp wollen den Austausch zwischen Privatleuten fördern, die großen Autohersteller und die Deutsche Bahn setzen auf Modelle, die eher der klassischen Vermietung ähneln. Allen gleich ist, dass Nutzer auf den Kauf eines eigenen Autos verzichten können, wenn es nur genügend Leihmöglichkeiten in der Nähe gibt.
Fahrgemeinschaften gibt es schon seit Jahrzehnten, doch Online-Portale erleichtern die Suche nach einem Fahrer oder Mitfahrer. Anbieter wie mitfahrgelegenheit.de und mitfahrzentrale.de decken eher lange Strecken ab, das Startup Flinc will auch spontane Fahrten auf kurzen Distanzen ermöglichen.
Ob nur eine Couch oder ein ganzes Luxus-Apartment: Diverse Portale vermitteln private Unterkünfte. Rund um das Netzwerk Couchsurfing hat sich eine Community von reiselustigen Nutzern entwickelt, die einander kostenlos für ein paar Nächte Unterkunft gewähren. Wer über Airbnb oder 9flats Zimmer oder Wohnung vermietet, kann durchaus ein paar hundert Euro pro Woche einnehmen.
Das Stichwort lautet Coworking: Freiberufler und Startups finden sich in Bürogemeinschaften zusammen, Portale wie coworking.de geben Orientierung.
Kinder wachsen schnell aus ihrer Kleidung heraus – warum also nicht gut erhaltene Hosen und T-Shirts weitergeben? Auf dem Portal kinderbox.de soll das auch online bequem möglich sein. Die Macher von meinespielzeugkiste.de bieten Eltern an, altersgerechtes Spielzeug gegen Gebühr zu mieten. Gefällt es dem Nachwuchs nicht mehr, wird es zurückgeschickt und gegen andere Dinge eingetauscht.
Instantnudeln mit Schweinefleischgeschmack, Folgemilch für Babys, Brötchen von vorgestern: Auf der Plattform foodsharing.de können Privatpersonen, Händler und Hersteller überschüssige Lebensmittel kostenlos anbieten. Geld soll dabei nicht fließen – Ziel ist, der Verschwendung Einhalt zu gebieten. „Wir wollen den Lebensmitteln damit wieder einen ideellen Wert geben, denn sie sind mehr als bloß eine Ware“, teilen die Macher auf ihrer Website mit.
Einige Portale beschränken sich nicht auf einzelne Güter, sondern ermuntern die Nutzer, ihr komplettes Hab und Gut zum Tausch anzubieten – etwa Frents oder WhyOwnIt. Das Einspeisen in die Datenbank soll eine Fotogalerie erleichtern.
Auch wenn die Technologie-Branche auf der Cebit kürzlich propagierte, dass die „Shareconomy“ die Wirtschaft revolutioniere: Bisher ist das Teilen die Ausnahme, nicht die Regel. „Wir sehen ein großes Wachstum, aber auf sehr kleinem Niveau“, sagt Holst. Das lässt sich am Carsharing ablesen, der wohl bekanntesten Art des Teilen: Nach einer Umfrage des Technologie-Branchenverbandes Bitkom haben erst drei Prozent der Internetnutzer schon einmal einen Carsharing-Dienst genutzt – die Zahl der regelmäßigen Fahrer wurde nicht erhoben. Potenzial gibt es vor allem in Großstädten und Ballungsräumen, wo viele Tauschwillige leben.
Eine Konsumrevolution lässt sich nicht so leicht anzetteln. Denn für viele ist es ein abwegiger Gedanke, einem Fremden die eigenen Federn oder das gehegte und gepflegte Cabrio zu überlassen. Deswegen reicht es nicht, wenn die Jungunternehmer eine schicke App samt der Technologie dahinter entwickeln und die Nutzer mit Einsparungen locken: Damit ihr Geschäftsmodell funktioniert, müssen sie das Vertrauen der Nutzer gewinnen. Das sei „beim Teilen eine Art zweite Währung“, sagt Holst.
Dass es möglich ist, auch zwischen Fremden Vertrauen zu schaffen, will Carzapp demnächst bei einem geschlossenen Test mit 200 Autos zeigen. Dafür haben sich die Gründer die Stadt ausgesucht, in der die digitale Bohème vermutlich am stärksten vertreten ist: Berlin. Das Unternehmen zeigt beispielhaft, auf welche Mechanismen die Tauschportale setzen.

Airbnb und auch Carsharing ist klasse finde ich. Verdrändung von Wohnraum durch Airbnb ist m.E. nicht gegeben. Carsharing wird die Umwelt nicht retten, aber schafft ein paar stehende Blechbüchsen von der Straße und nutzt die Fahrzeuge (= Ressourcen) besser. Gute Übersichten zu diesen Märken bieten übrigens http://www.carsharingchecker.com und http://www.bnbchecker.com

zum tausendsten Mal: CarSharing ist nett, aber ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Zukunft gehört den Spontanen Mitfahrsystemen (http://dynamic-ridesharing.de/carsharing).

@Wolfsfreund
Ich muss Ihnen widersprechen. Ich habe Airbnb bereits genutzt und ich war froh, dass es das gibt. Während meines Umzuges in ein anderes Land konnte ich nicht wie geplant in mein Haus. In ein Hotel wollte ich nicht und habe mich deshalb nach einer Alternative umgeschaut, bin so auf Airbnb gekommen.
Ich hatte Glück und habe übergangsweise eine kleine Wohnung gefunden, mit einer tollen Eigentümerin. Nun gehöre ich nicht zu den Menschen, die randalieren und die Welt kurz und klein schlagen, und die Eigentümerin hat ihre Wohnung in dem Zustand zurück erhalten, wie ich sie übernahm. Ich habe sogar die Endreinigung selber übernommen.
Was ich damit sagen will, es kann auch funktionieren und ich habe mich sehr wohl gefühlt. Eine ausgezeichnete Alternative zum Hotel und vor allem wesentlich günstiger.
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