„Cash“
Ringier stellt Wirtschaftszeitung ein

Das Ende der schweizer Wirtschaftszeitung „Cash“ naht. Die letzte Ausgabe wird Ende des Monats erscheinen. Danach setzt der Verlag Ringier nur noch auf ein Multimediaprodukt: „Cashdaily“, ein Partner des Handelsblatts, soll ausgebaut werden.

ZÜRICH. Der größte Schweizer Verlag Ringier stellt seine Wirtschaftszeitung „Cash“ ein. Die letzte Ausgabe erscheint, wie der Verlag am Donnerstag in Zürich mitteilte, am 28. Juni. Im Gegenzug soll das Multimediaprojekt „Cashdaily“, ein Partner des Handelsblatts, ausgebaut werden, das rund um eine gratis verteilte tägliche Wirtschaftszeitung entstanden ist. Zu dem Projekt gehören Fernsehen im Internet, ein so genanntes Livepaper sowie Audio- und Videoübertragungen. Die 46 betroffenen „Cash“-Mitarbeiter sollen mehrheitlich bei anderen Ringier-Titeln beschäftigt werden.

Die Wochenzeitung kämpfte seit längerem mit einer stagnierenden verkauften Auflage und Defiziten. „Cash“ ist 1989 zum ersten Mal erschienen. Publizistisch war das Blatt erfolgreich, wirtschaftlich hatte es jedoch in dem an Wirtschaftstiteln reichen Schweizer Markt von Anfang an einen schweren Stand. Als dann vor vier Jahren auch noch die Konkurrenz von Tamedia und der Neuen Zürcher Zeitung jeweils mit eigenen Wochentiteln am Sonntag auf den Markt kam, sanken bei „Cash“ die Einnahmen. In der Mediaplanung der Werber spielte „Cash“ nur noch eine Nebenrolle. Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass es „Cash“ in der letzten Zeit im Anzeigenmarkt schwer gehabt habe, räumte Marco Castellaneta, Konzernsprecher der Ringier-Gruppe auf Anfrage ein. Von der boomenden Konjunktur der vergangenen Monate hat die Wochenzeitung demnach nicht profitiert. Im Januar 2002 hatte der Verlag das Blatt zuletzt einem Relaunch unterzogen. Zurzeit weist die Wirtschaftszeitung 279 000 Leser aus, die Auflage liegt laut geprüften Angaben bei 61 500 Exemplaren. Zu ihren besten Zeiten erzielte „Cash“ eine Auflage von 70 000 Exemplaren. Nach einem Einbruch vor fünf Jahren konnte sich die Auflage nach den Worten von Ringier-Konzernleitungsmitglied Thomas Trüb in den vergangenen Monaten wieder leicht erholen.

Im September des vergangenen Jahres fiel bei Ringier die Entscheidung, die Marke „Cash“ zu einer Multimediaplattform auszubauen, der seither auch eine kostenlose werktägliche Gratiszeitung in einem handlichen Format angehört. „Cashdaily“ war ursprünglich als Marketinginstrument für die Bezahlzeitung „Cash“ konzipiert. Zugleich erhoffte sich Verleger Michael Ringier dank der Kombinationsmöglichkeiten im Anzeigenbereich einen Aufschwung in diesem Geschäftsbereich. Die Meinung, dass die Gratiszeitung dem Wochentitel das Überleben schwerer machen könnte, teilte Ringier nicht: „Wir werden neue Leser mit der Marke Cash in Kontakt bringen und den ein oder anderen Abonnenten zusätzlich gewinnen“, hieß es im September. Die Rechnung ist offenbar nicht aufgegangen.

Das schmerzte um so mehr, weil der Ringier-Verlag, der in Osteuropa gut verdient, auf seinem Heimatmarkt mit Schwierigkeiten kämpft: Der Umsatz der Ringier-Zeitungen in der Schweiz sank im vergangenen Jahr um 3,6 Prozent, wozu vor allem ein Rückgang beim auflagenstärksten Schweizer Zeitungstitel „Blick“ beigetragen hat. Bei den Wirtschaftsmedien stieg der Umsatz zwar um neun Prozent, hier machte sich aber vor allem die positive Reaktion des Werbemarkts auf das Multimediaprojekt „Cashdaily“ bemerkbar. Als dann in der vergangenen Woche der Zürcher Tamedia-Verlag bekannt gab, die Mehrheit an der Berner Espace Media Groupe übernehmen zu wollen, dürften bei Ringier die Alarmglocken geschellt haben. Was das reine Schweizer Geschäft anbelangt überrundet Tamedia Ringier durch den geplanten Zusammenschluss.

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