Chaos in Ostwestfalen
Balda-Tochter zahlt Löhne

Das Verwirrspiel um den Handyausrüster Balda findet kein Ende. Nachdem das Unternehmen sein defizitäres Altgeschäft abgestoßen hat, werfen sich Käufer und Verkäufer gegenseitig Dementis an den Kopf. Ausgetragen wird der Streit auf dem Rücken der Mitarbeiter - aber wenigstens am Mittwoch konnten sie durchatmen: ihr Geld ist da.

DÜSSELDORF. Der Arbeitskonflikt bei der ehemaligen Balda -Tochter, der Balda Solutions Gruppe in Bad Oeynhausen (Ostwestfalen), ist vorerst gelöst. Nachdem die Belegschaft mit einem Arbeitsstopp gedroht hatte, hat die Geschäftsführung der Balda Solutions Gruppe am Mittwoch das restliche Januargehalt für die 500 Mitarbeiter überwiesen. "Das Geld ist da, die Leute wären sonst aber auch nicht mehr zu halten gewesen", sagte der Betriebsrat Andreas Kröger dem Handelsblatt.

Die Geschäftsführung der Balda Solutions Gruppe hatte der Belegschaft in der vergangenen Woche mitgeteilt, man habe wegen Liquiditätsschwierigkeiten nur 40 Prozent des Januargehalts überwiesen. Ursache für die Probleme seien unvollständige Zahlungen der ehemaligen Muttergesellschaft, der Balda AG. Der Handyausrüster Balda wies die Vorwürfe als unwahr zurück. "Ausreichende Liquidität zur Begleichung der Löhne und Gehälter ist nach unserer Kenntnis vorhanden. Wir sind bestürzt, dass den Mitarbeitern Löhne und Gehälter vorenthalten werden", sagte der Balda -Vorstandschef Joachim Gut.

Dass am Mittwoch nun doch in voller Höhe gezahlt wurde, begründete die Balda Solutions Gruppe nach Mitarbeiterangaben damit, dass die Balda AG am Dienstag fehlende Gelder an ihre ehemalige Tochter überwiesen habe. Ein Sprecher der Balda AG wies auch dies als unzutreffend zurück. "Es ist richtig, dass es gestern Zahlungen gegeben hat", sagte Balda -Sprecher Clas Röhl. "Diese Zahlungen sind aber die vertraglich vereinbarten Zahlungen und haben nichts mit den Löhnen zu tun. Die Balda AG hat in den vergangenen Wochen sämtliche Vereinbarungen mit der Balda Solutions Gruppe pünktlich und sauber erfüllt."

Balda hatte das in der Balda Solutions Gruppe organisierte Altgeschäft mit Handyschalen zum 31.12.2007 an die KS Plastic Solutions GmbH verkauft. Hinter der KS Solutions steht der Investor Aurelius aus München, der das Schalengeschäft nach der Restrukturierung übernehmen will. Von den 500 Mitarbeitern sollen rund 250 gehen. Nach Betriebsratsangaben bietet die Firma Abfindungen von 0,25 Gehältern pro Beschäftigungsjahr an. Üblich ist in Deutschland das Doppelte. Die Sozialplanverhandlungen bei der Balda Solutions Gruppe werden bereits von Dirk von der Bey geführt, dem Personalleiter von Aurelius.

Die Balda AG will sich künftig fast ausschließlich auf Asien konzentrieren. Die chinesische Balda -Tochter TPK stellt berührungsempfindliche Bildschirme (Touch-Screens) her, unter anderem für das neue iPhone des US-Konzerns Apple. Für 2008 erwartet das Unternehmen bei einem Umsatz von 414 Millionen Euro einen Vorsteuergewinn von 24 Millionen Euro. Für 2007 ist ein hoher Verlust abzusehen. Bereits 2006 schrieb Balda bei 371 Millionen Euro Umsatz einen Vorsteuerverlust von 50 Millionen Euro.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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