Charlie Hebdo erscheint wieder „Die Botschaft, dass wir am Leben sind“

Eine Million Exemplare von „Charlie Hebdo“ sollen Mittwoch erscheinen. Bei der Planung ging es bewegend zu. Wie das Team der Satirezeitung kämpft. Eine Reportage.
  • Isabelle Hanne
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Das Team von Charlie Hebdo plant die neue Ausgabe der Satirezeitung, die am Mittwoch in einer Auflage von einer Million Exemplaren erscheinen soll. Quelle: AFP

Das Team von Charlie Hebdo plant die neue Ausgabe der Satirezeitung, die am Mittwoch in einer Auflage von einer Million Exemplaren erscheinen soll.

(Foto: AFP)

ParisEs wird eine besondere Ausgabe von „Charlie Hebdo“: Nach dem tödlichen Terrorangriff in der vergangenen Woche soll die Satirezeitung am kommenden Mittwoch in der Auflage von einer Million Exemplaren erscheinen. In einer bewegenden Redaktionssitzung haben die überlebenden Journalisten die Ausgabe zuvor geplant. Isabelle Hanne, Journalistin bei der linksliberalen französischen Tageszeitung „Libération“, veröffentlichte ihre Reportage über die Konferenz auf Französisch unter einer Creative-Commons-Lizenz und forderte andere Medien dazu auf, ihren Bericht nachzudrucken. Handelsblatt Online hat die Reportage ins Deutsche übersetzt.

Diese Redaktionssitzung von „Charlie Hebdo“ sollte insgesamt mehr als drei Stunden dauern. Neben Layout, Themen und Deadlines mussten die Journalisten an diesem Freitagmorgen auch über die Toten, die Verletzen, die Würdigungen und die Beerdigungen sprechen. In dem Konferenzraum, in dem „Libération“ normalerweise seine täglichen Besprechungen hält, haben sich die Überlebenden der Satirezeitung versammelt. In dem Raum, der von der einen Seite durch ein großes rundes Fenster erhellt wird, ist es sofort stickig. Durchzug soll den Zigarettenqualm vertreiben.

Auf dem großen, runden Konferenztisch stehen Computer, eine Leihgabe von „Le Monde“. Um den Tisch sitzen Willem, Luz, Coco, Babouse, Sigolène Vinson, Antonio Fischetti, Zineb El Rhazoui, Laurent Léger… (Anmerkung der Redaktion: Überlebende Redakteure und Mitarbeiter der Zeitung). Insgesamt mehr als 25 Personen mit grauen Gesichtern und geschwollenen Augen, der harte Kern, enge Freunde oder gelegentliche Mitarbeiter, bereiten hier die nächste Ausgabe von „Charlie Hebdo“ vor. Sie muss am Mittwoch erscheinen, in einer Auflage von einer Million, rund 20 Mal so hoch wie üblich.

„Ich konnte alle im Krankenhaus sehen“, beginnt Gérard Biard, der Chefredakteur von „Charlie“. „Riss hat sich an der rechten Schulter verletzt, aber der Nerv ist nicht getroffen. Er hat offenkundig große Schmerzen. Das erste, was er gesagt hat, war, dass er nicht sicher sei, dass wir die Zeitung weiter herausbringen können.“ Fabrice Nicolino, bei dem Angriff mehrfach getroffen, „geht es besser“, auch wenn er „natürlich sehr leidet“. Patrick Polloux, Notarzt und Kolumnist für „Charlie“, berichtet über die Kieferverletzung eines weiteren Opfers, Philippe Lançon, der auch als Journalist für „Libération“ arbeitet. Simon Fieschi, der Webmaster von „Charlie“, wurde laut Polloux in ein künstliches Koma versetzt. Eine junge Frau bricht zusammen. „Du musst dich nicht schuldig fühlen“, tröstet Biard sie. Alle lassen schweigend die Köpfe hängen. Die Frau, die weint, ist die Journalistin Sigolène Vinson, die zum Zeitpunkt des Angriffs in der Redaktionssitzung war, von den Attentätern aber verschont wurde.

Dann macht Biard mit den Toten weiter. Wie organisiert man die Beerdigungen? Und die nationale Trauerveranstaltung? Mit welcher Musik? Und immer noch keine Fahnen? „Wir sollten kein Symbol verwenden, das sie gehasst hätten“, sagt jemand, der am Tisch sitzt. „Sie haben Leute getötet, die kleine Männchen gezeichnet haben. Keine Fahnen. Wir müssen der Einfachheit dieser Menschen gedenken, ihrer Arbeit. Unsere Freunde sind tot, aber wir stellen sie nicht zur Schau.“ Alle stimmen zu.

Geld wie nie zuvor
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5 Kommentare zu "Charlie Hebdo erscheint wieder: „Die Botschaft, dass wir am Leben sind“"

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  • @ Schmidt:

    Ich überinterpretiere das Urteil des Verwaltungsgerichtes Düsseldorf keineswegs.
    Es ist eindeutig.

    Sie sprechen etwas anderes an. Die politische Diskussion ist eine völlig andere Sache als die Amtsträgerneutralität.

  • Beleidigen ist sinnlos. Die Presse stellt es als "Freiheit" dar dabei soll es nur ihre All-Macht demonstrieren dass man ihr hilflos ausgeliefert ist und alles hinnehmen muss. Satire hat nämlich Humor als wichtigen Bestandteil. Ich verteidige die heutigen Journalisten nicht, weil sie sich der Mainstrea-Politik unterworfen haben. Frei sind sie nicht !

    ---

    Die "Freiheiten" der Presse als Pseudowirklichkeit und Erzieher gehen mir schon lange zu weit.

    Von daher verteidige ich sie auch nicht, dass sie endlos und bewusst jeden und alle beleidigen darf. Auch Journalisten sollten Moral und Werte haben im Ungang mit den Menschen. Demonstranten werden auch als "Ratten" bezeichnet oder als Nazies - ohne es begründen zu müssen. Diese Überheblichkeit muss aufhören.

    Die Verletzungs-Freiheit der Journalisten gegenüber
    den Menschen geht mir persönlich schon lange zu weit. Auch bei Herrn Wulff zum Beispiel. Und und und.

    Presse ist respektlos.

    LESENSWERT ! Weg mit der System-Presse !

    http://www.unzensuriert.at/content/0016898-Harald-Vilimsky-Ihr-seid-nicht-Charlie

    AUCH

    geolitico.de/2015/01/11/das-system-der-system-medien

    "Verschweigen" ist auch eine Unsäglichkeit der heutigen Presse. "Ausblendender Teil" bei der Propaganda. "Aussitzen, Verschweigen, Ablenken, Leugnen" ......alles vor 10 Jahren noch undenkbar gewesen in der deutschen Presse-Landschaft.

  • Ich glaub da überinterpretieren Sie ein wenig die Tatsachen. Amtsträger haben durchaus das Recht und die Pflicht öffentlich zu wirken. Das wiederum kann man kritisieren wenn man inhaltlich eine andere Meinung hat. Sonst würde die nächste Regierungserklärung auch etwas arg kurz und langweilig...

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Satire und Journalismus sollen kritisch, provokativ, entlarvend und auch beleidigend diesseits des Rechtes der Meinungsfreiheit sein. Sie müssen es sein, wollen sie nicht sich selbst marginalisieren.

    Amtsträger wie etwa Bundeskanzler, Minister und ihre Präsidenten, Kirchenfunktionäre von ganz oben bis nach unten allerdings unterliegen nach unserer Verfassung der Pflicht zur Amtsneutralität solange sie sich öffentlich äußern.

    Dazu urteile soeben das Verwaltungsgericht Düsseldorf und untersagte etwa dem Bürgermeister, öffentliche Beleuchtungen zu Meinungsäußerungen zu mißbrauchen.

    So stellen sich etwa Minister Maas, die Kanzlerin Merkel und der Kölner Katholikenobere außerhalb des Grundgesetzes, nehmen sie öffentlich Partei - und lassen etwa Lichter ausschalten.

    Das ist einfach zu begreifen - nur leider zunehmend nicht mehr von öffentlichen Personen, was gegen deren Qualität spricht.

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