Chatbot-Projekt von Facebook
Künstliche Intelligenz außer Kontrolle?

Bob und Alice auf Abwegen: Zwei Chatbots erfinden im Labor von Facebook eine Sprache, die ihre menschlichen Erfinder nicht verstehen. Das löst wieder Ängste vor intelligenten Maschinen aus – doch dafür ist es zu früh.
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DüsseldorfKünstliche Intelligenz (KI) ist ein schillernder Begriff. Die Technologie soll bald schon Autos selbständig über die Autobahn rasen lassen und auf Röntgenbildern zuverlässig Krebsgeschwüre erkennen. Und eines nicht allzu fernen Tages sollen Maschinen Unterhaltungen führen können wie die Menschen. Kein Thema ist derzeit so aufgeladen, mit Hoffnung wie mit Hysterie.

Da verwundert es nicht, dass eine Randnotiz aus einem wissenschaftlichen Artikel plötzlich um die Welt geht. Forscher aus dem KI-Labor von Facebook wollten Chatbots beibringen, zu verhandeln – und stellten dabei fest, dass die Dialogprogramme untereinander eine eigene Sprache entwickelten. Die Schöpfer selbst konnten sie nicht verstehen, wie sie in ihrem Aufsatz zu Protokoll geben.

Manch einer sieht es jedoch weniger nüchtern. Sagen sich da die Maschinen von den Menschen los, so wie Tesla-Gründer Elon Musk oder der Physiker Stephen Hawking es befürchten? Ist das ein Warnzeichen, dass Künstliche Intelligenz bald die menschliche übertreffen und, schlimmer noch, von ihr unabhängig machen könnte? Eine „angsteinflößende Vorschau unserer möglichen Zukunft“, beschwört etwa ein Autor auf der Website von „Forbes“ herauf. Eher handelt es sich aber um ein Beispiel, wie sich Meldungen selbständig machen können, wenn sie dem Zeitgeist gefallen.

Den Anlass zur Diskussion gibt ein Forschungsprojekt von Facebook. Fünf Wissenschaftler des Internetkonzerns haben Chatbots beigebracht, darüber zu verhandeln, wie sie Dinge untereinander aufteilen. Das sei ein wichtiger Zwischenschritt, um Gespräche zwischen Mensch und Maschine zu ermöglichen, erläutern sie in einem Blogeintrag. Schließlich sei der ganze Tag gefüllt mit Verhandlungen – ob es darum gehe, den Fernsehsender auszusuchen, einen Preis zu drücken oder die Kinder von Gemüse zu überzeugen.

Bislang seien Dialogsysteme jedoch nur in der Lage, kurze Unterhaltungen zu führen und einfache Aufgaben zu erledigen, erklären die Forscher ihre Motivation. Für eine komplexere Kommunikation sei es notwendig, dass der Chatbot erstens die Unterhaltung inhaltlich verstehe, zweitens ein allgemeines Verständnis der Welt habe und drittens seine Wünsche formulieren könne.

Wer bereits mit einem solchen Programm kommuniziert hat, der weiß: Davon sind die Entwickler weit entfernt. Eine einfache Frage beantworten, einen Flug buchen – viel mehr ist nicht möglich, wenn überhaupt. Selbst viele simple Anfragen überfordern die Dialogsysteme heute noch.

Dabei sind die Erwartungen riesig: Marktforscher trauen solchen Systemen zu, Geschäftsfelder wie den Kundenservice zu revolutionieren. Das Analysehaus Tractica erwartet, dass der Umsatz mit virtuellen digitalen Assistenten für Endkunden im Jahr 2021 auf 15,8 Milliarden Dollar wächst. Und Gartner prognostiziert, dass Chatbots 2020 bereits an 85 Prozent aller Interaktionen zwischen Firmen und Kunden beteiligt sein werden. Ein riesiges Geschäft, natürlich auch für Facebook, das über den Messenger eine neue Form des Kundenservice ermöglichen will.

Die Facebook-Forscher arbeiten daher intensiv daran, die Technik zu verbessern. Um die Chatbots menschlicher zu machen, programmieren sie ihnen die Fähigkeit ein, Dialoge vorzuempfinden. Die Programme gehen also verschiedene Schritte durch, wie sich die Verhandlung – beispielsweise über zwei Bücher, einen Hut und drei Basketbälle – entwickeln könnte und wie sie dabei ihren Zielen näherkommen.

Das Resultat: Die Programme einigen sich auf Deals. Fast wie Geschwister, die über die Aufteilung von Geschenken der reichen Tante verhandeln. Du bekommst einen Basketball und die Bücher, ich nehme die beiden anderen Bälle und den Hut. Da beide Parteien unterschiedliche Vorlieben einprogrammiert bekommen haben – ausgedrückt in Punkten – , endet das meist nicht im Zoff, sondern mit einem Ergebnis, das für beide mindestens in Ordnung ist.

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Was nach Dada klingt, ergibt für die Chatbots Sinn

Kommentare zu " Chatbot-Projekt von Facebook: Künstliche Intelligenz außer Kontrolle?"

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  • Herr peterchen Mondfahrt@Das geht schneller noch 30 Jahre für die Maschinen
    und ab gehts in den Zoo mit den haarlosen Affen.

  • Es steht nirgendwo geschrieben, dass die Gesetze der Evolution nur für organische Systeme gelten. Wer sich besser anpassen kann, setzt sich durch. Das trifft zweifellos für KI zu. Betrachtet man die exponentielle Zunahme der Geschwindigkeit, mit der sich die menschliche Rasse ausbreitet und billigt der KI ein zumindest ähnliches Durchsetzungsvermögen zu, kann es nicht lange dauern (100-200 Jahre) bis die KI unsere Welt beherrscht. Hoffentlich hat sie dann noch eine Verwendung für Menschen. Sonst A dios Homo sapiens...

  • Hasta la vista, baby

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