„Check-In“-Dienst
Microsoft investiert in Foursquare

Microsoft gibt trotz Verlusten mit der eigenen Suchmaschine den Konkurrenzkampf mit Google nicht auf. Die nächste Arena ist die personalisierte lokale Suche – und hier soll der „Check-In“-Dienst Foursquare helfen.
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San FranciscoDer Zeitpunkt hätte nicht besser gewählt werden können. Am Tag als Sadya Nadella als neuer CEO des Softwaregiganten gekrönt wurde, gab es schon die nächste Partnerschaft in der Cloud. Für ein Investment von 15 Millionen Dollar lizenziert die lokale Suchmaschine Foursquare seinen Datenschatz von über fünf Milliarden „Check-Ins“ und 40 Millionen Empfehlungen an den Softwaregiganten. Der wird damit die Konkurrenz zu Google, Yelp und Facebook intensivieren. 2012 investierte Microsoft bereits in das Social Network Yammer.

Microsoft bekommt keinen Zugriff auf Informationen der Foursquare-Nutzer. Mit der Zeit könnten sie aber die Möglichkeit erhalten, ihr Profil bei dem Dienst mit ihrem Microsoft-Konto zu verbinden.

Foursquare selbst will nach Aussagen von Marketingchef Holger Luedorf in die internationale Expansion investieren, das Verkaufsteam verstärken und mehr Softwareingenieure einstellen. Das Unternehmen aus New York begann als soziales Netzwerk, in dem die Nutzer ihren Aufenthaltsort mit anderen teilten und an den jeweiligen Orten zum „Bürgermeister“ aufsteigen können, wenn sie sich oft genug angemeldet hatten. Dann winkten Prämien wie ein kostenloser Kaffee oder ein Pizza.

Doch die Zeiten ändern sich. War Foursquare bei seiner Gründung vor fünf Jahren noch an der Speerspitze der mobilen Social-Apps, heißen die Lieblinge heute Yelp, Instagram, Snapchat, WhatsApp oder Facebook. Bei Facebook etwa ist das Einchecken an bestimmten Orten nur ein kleiner Teil eines Gesamtangebots.

Für Foursquare Grund genug, sein Geschäftsmodell komplett über Bord zu werfen. Heute liegt der Fokus auf lokalen Empfehlungen und individualisierter Suche. Eine eigene Technologie, „passive Lokalisierung“ genannt, liefert Ergebnisse, die auf die persönlichen Bedürfnisse am jeweiligen Ort zugeschnitten sind. Ermittelt die Software ein bestimmtes Restaurant als Aufenthaltsort, gibt es die Speisen als Empfehlungen, die Freunde gut gefunden haben. Dazu muss der Nutzer nicht einmal eingecheckt haben.

Eine Integration von Foursquares Technologie in Windows-Smartphones und die Bing-Suchmaschine, die in den USA bereits die Nummer zwei hinter Google und vor Yahoo ist, hat das Potenzial, das Interesse an dem Start-Up wiederzubeleben. Lag der Umsatz 2012 noch um zwei Millionen Dollar, sollen es 2013 bereits knapp 20 Millionen gewesen sein. Luedorf will diese Zahlen auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren. Tatsächlich scheint aber eine gewisse Zuversicht zurückgekehrt sein. Die jüngste Investmentrunde im Dezember 2013 erbrachte bereits 35 Millionen Dollar. Der Dienst hat nach eigenen Angaben rund 45 Millionen registrierte Kunden, die insgesamt über fünf Milliarden Mal an verschiedenen Orten „eincheckten“.

Bei Foursquare kann man nach Restaurants und Geschäften suchen und Freunden den aktuellen Aufenthaltsort mitteilen. Zudem werden bei Empfehlungen neuer Lokale die bisherigen Vorlieben sowie die Präferenzen der Freunde berücksichtigt. Der Dienst hat nach eigenen Angaben rund 45 Millionen registrierte Kunden, die insgesamt über fünf Milliarden Mal an verschiedenen Orten „eincheckten“.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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