Chef von Gruner + Jahr im Interview
„Wir verzichten auf teure Zukäufe“

Das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr ist mit 14 500 Mitarbeitern der größte Zeitschriftenkonzern in Europa. Das Unternehmen leidet jedoch unter einer Wachstumsschwäche. Das organische Wachstum ohne Zukäufe belief sich zuletzt auf 0,4 Prozent. Im vergangenen Jahr erzielte der Konzern 2,86 Mrd. Euro Umsatz. Zum Vergleich: Im Jahr 2002 waren es 2,80 Mrd. Euro. Trotzdem Vorstandschef Bernd Kundrun nicht wie ein Finanzinvestor agieren, dies sagte im Gespräch mit dem Handelsblatt. Lesen Sie hier das Interview im Wortlaut:

Das Erfinden von Zeitschriften wird immer schwerer. Gibt es keine Raketen mehr, die sofort abheben?

Es sieht so aus, dass die Senkrechtstarter selten geworden sind.

Was sind die Gründe für diese Schwierigkeiten?

Die Märkte sind weit entwickelt und ausgereift. Das gilt nicht allein für Deutschland, sondern für alle westeuropäischen Länder. Die Leser verfügen über eine Vielzahl von Titeln und Mediengattungen. Wer sich heute informieren oder unterhalten lassen will, dem steht ein schier überbordendes Angebot zur Auswahl.

Welche Zukunft haben da noch die bewährten Marken im Printgeschäft?

Ihre Aussichten sind gar nicht schlecht. Denn wer die große Auswahl hat, der greift am Ende zu denjenigen Zeitschriften und Medienmarken, die ihm immer zuverlässige Begleiter gewesen sind. Die feste Bindung zwischen Leser und Blatt hält unverändert. Das ist die gute Nachricht.

Den Zeitschriftenverlagen bleiben also auf Dauer nur die Nischen. Wie klein dürfen diese Nischen wirklich sein? Ist Ihre Zeitschrift „Dogs“ für den vermögenden, hedonistischen Hundebesitzer ein Modell?

Diese Nische ist nicht so klein, wie Sie denken. Wer die Augen in Düsseldorf oder Hamburg offen hält, wird schnell entdecken, wie beachtlich groß diese Zielgruppe ist.

Aber mal Hand aufs Herz, solche Zeitschriften sind doch verdammt kleine Projekte für Europas größten Zeitschriftenkonzern? Früher hieß es in Ihrem Hause immer, alles unter 100 000 Auflage ergibt für Gruner + Jahr keinen Sinn.

Wie gesagt: In reifen Märkten wird die Gründung von großen Publikumszeitschriften künftig die Ausnahme sein. Insofern wäre es fahrlässig, wenn nicht sogar arrogant, spitzere Zielgruppen unberücksichtigt zu lassen. Große, inhaltlich breit aufgestellte Publikumstitel können heute nicht mehr allein alle Informationsbedürfnisse befriedigen. Diesen Bedarf bedienen dafür gut gemachte kleinere Titel, die selbstverständlich auch aus unserem Hause kommen können.

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