Chefsuche bei Infineon
Siemens will sich heraushalten

Nach dem überraschenden Abgang von Ulrich Schumacher beim Chip-Hersteller Infineon ist die Suche nach einem Nachfolger in vollem Gange. Großaktionär Siemens will sich dabei jedoch heraushalten. Zudem bestreitet Siemens-Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger, selber Ambitionen auf den Posten zu haben.

HB FRANKFURT. „Wir werden uns in die Nachfolgesuche nicht einmischen“, sagte Neubürger am Mittwoch am Rande einer Investoren-Konferenz in Frankfurt. Es sei keine Hektik geboten, einen Nachfolger für den Chefposten der einstigen Konzerntochter zu finden. „Wir haben ein Jahr Zeit, einen Nachfolger zu finden.“ Sich selbst sieht Neubürger nicht als Kandidaten für das Amt des Vorstandschefs bei Infineon. „Ich stehe nicht als CEO von Infineon zur Verfügung. Infineon braucht einen Mann aus der Halbleiterbranche“, sagte Neubürger.

Infineon hatte am Donnerstagnachmittag überraschend den Rücktritt von Schumacher mitgeteilt und mittlerweile „persönliche Gründe“ für das Ausscheiden verantwortlich gemacht. Nach Angaben aus dem Aufsichtsrat waren vor allem Kritik am autoritären Führungsstil des 45-jährigen Managers sowie Strategiefragen für den Rückzug ausschlaggebend. Schumacher selbst hatte sich nicht äußern wollen. Nun hat der Aufsichtsratsvorsitzende und ehemalige BASF-Finanzchef Max Dietrich Kley übergangsweise die Führung des Vorstands übernommen.

Kley hatte in mehreren Interviews angekündigt, seine Aufgabe „so kurz wie möglich, so lange wie notwendig“ wahr nehmen zu wollen. Siemens gilt als Reservoir für einen möglichen Schumacher-Nachfolger - nicht zuletzt, weil Infineon eine Ausgliederung des Münchener Technologiekonzerns ist. Siemens hält nach wie vor rund 18 % an dem sechstgrößten Chiphersteller der Welt. „Das Haus Siemens hat - ganz grundsätzlich gesprochen - eine Reihe ganz geeigneter Kandidaten“, hatte es in Branchenkreisen geheißen. Zuletzt war auch über ein Interesse von Siemens-Zentralvorstandsmitglied Klaus Wucherer spekuliert worden.

Die Suche eines Nachfolgers dürfte sich Experten zufolge nicht einfach gestalten. Die Halbleiterbranche ist extrem schwankungsanfällig und verlangt große unternehmerische Flexibilität. Hinzu kommt, dass kaum eine andere Industrie derart kostensensitiv ist. Infineon leidet diesbezüglich zumindest in Teilen unter den hohen Löhnen und unflexiblen Arbeitsbedingungen in Deutschland. Zwischen Schumacher und den Arbeitnehmern war es angesichts entsprechender Verlagerungspläne mehrfach zum Eklat gekommen.

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