Chefwechsel bei der Telekom
Woran Kai-Uwe Ricke gescheitert ist

Kai-Uwe Ricke ist nach Ron Sommer der zweite glücklose Telekom-Chef, der vorzeitig seinen Hut nimmt. Dem Teamspieler Ricke fehlte die nötige Härte. Er verhedderte sich in den unterschiedlichen Interessen, die den ehemaligen Staatskonzern so schwer regierbar machen.

DÜSSELDORF. Da sind zum einen die Aktionäre – allen voran der Finanzinvestor Blackstone, der 4,5 Prozent hält. Die Anleger fordern Kurssteigerungen der müden T-Aktie, die seit Monaten unter ihrem Ausgabekurs von vor zehn Jahren dümpelt. Ein einfaches Rezept für einen Ex-Monopolisten, den Aktienkurs zu steigern, ist ein massiver Stellenabbau. Der wäre bei der Telekom nach Ansicht von Experten in der Tat bitter nötig, um Kosten zu senken und das Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen.

Doch dagegen stemmen sich der Bund als größter Aktionär und die Arbeitnehmerseite. Entlassungen sind nicht nur politisch heikel. Die Telekom beschäftigt auch noch zahlreiche Beamte, denen sie nicht ohne die Hilfe des Bundes den Stuhl vor die Tür setzen kann.

In dieser Gemengelage hat es Ricke immerhin geschafft, jährlich 10 000 Mitarbeiter sozialverträglich abzubauen – stets im Einvernehmen mit Betriebsrat und der Gewerkschaft Verdi. Deshalb hatte er bei den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat lange einen Stein im Brett.

Aber nicht nur da: Der 45-Jährige gilt als umgänglicher Typ. Vertraute im Unternehmen berichten, dass er stets alle Seiten zu Wort kommen lässt, bevor er eine Entscheidung trifft. Auch unter seinen Vorstandskollegen gibt Ricke den Team-Leiter und nicht den Chef.

Ein Machtwort fehlte

Kritiker im Konzern sehen aber gerade darin eine entscheidende Schwäche. „Ricke hat zu viel diskutiert und zu wenig entschieden“, heißt es. Vor allem unter seinen rivalisierenden Vorständen hätte er häufiger ein Machtwort sprechen müssen.

Der scheidende Telekom-Chef hat aber auch inhaltliche Schwächen gezeigt: Er hat es nicht geschafft, dem Konzern neue Einnahmequellen zu sichern, die den Umsatz- und Margenverfall im Inland kompensieren können.

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