Chefwechsel beim Elektronikriesen Sony-Chef gibt Amt ab, das „Hirn“ des Konzerns übernimmt

Der Playstation-Erfolg bringt Sony einen Rekordgewinn. Der Konzernchef meint: Ein guter Zeitpunkt für einen Führungswechsel.
Update: 02.02.2018 - 11:50 Uhr Kommentieren
Sony-Chef Kazuo Hirai (links) überlässt den Chefsessel seinem Finanzchef Kenichiro Yoshida. Quelle: AFP
Chefwechsel bei Sony

Sony-Chef Kazuo Hirai (links) überlässt den Chefsessel seinem Finanzchef Kenichiro Yoshida.

(Foto: AFP)

TokioSony-Chef Kazuo Hirai hat allen Grund zum Feiern. Er hat den japanischen Elektronikriesen spektakulär aus der Krise zu neuen Höhen geführt. Am Freitag kündigte Hirai bei der Bilanzvorlage für Sonys drittes Quartal einen überraschend hohen Rekordgewinn für das Geschäftsjahr 2017 an, das noch bis Ende März läuft.

Nun sei es an der Zeit, die Unternehmensführung abzugeben, betont Hirai. Zum 1. April steigt er zum Verwaltungsratschef auf und übergibt die Konzernführung an seinen bisherigen Finanzchef Kenichiro Yoshida. Dabei ist der mit 58 Jahren ein Jahr älter als Hirai.

Der Abschied des erfolgreichen Sanierers zu diesem Zeitpunkt hat nicht nur die Märkte überrascht. Angesichts von Hirais Erfolgen sei der Vorstand zuerst überrascht von dessen Vorschlag gewesen, als Präsident und CEO zurückzutreten, gab der derzeitige Verwaltungsratsvorsitzende Osamu Nagayama zu Protokoll. „Aber mit der Zeit und nach reiflichen Diskussionen haben wir letztlich die Entscheidung getroffen, seine Wünsche zu respektieren.“

Wenn Rechenkünstler Konzerne führen
Michael Lohscheller
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Der bisherige Finanzchef Michael Lohscheller ist neuer Chef von Opel. Er gehört seit September 2012 dem Opel-Vorstand an und ist seit dem 1. Juli 2014 Finanzvorstand und Geschäftsführer Finanzen der Opel Group. Der Diplom-Kaufmann sammelte schon vor seiner Zeit bei Opel über viele Jahre Erfahrungen in der Automobilbranche: Lohscheller arbeitete bei Daimler, Mitsubishi und Volkswagen. Der 48-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Richard Lutz
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Richard Lutz hat Rüdiger Grube als Chef der Deutschen Bahn beerbt. Der promovierte Betriebswirt trat 1994 in den Staatskonzern ein, 2010 wurde er zum obersten Finanzer ernannt. Den Taschenrechner sollte er auch weiterhin griffbereit halten, denn er muss eine anspruchsvolle Doppelrolle erfüllen: Neben dem Posten als Vorstandschef soll er auch Finanzvorstand bleiben. Als Vorstandschef ist er für die Strategie und die Digitalisierung des Konzerns zuständig, als oberster Finanzer außerdem für die Geschäftsfelder Schenker und Arriva.

Johannes Teyssen
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Die Energiewende zwingt die Versorger zum Umdenken. Auch Eon-Chef Johannes Teyssen muss den Dax-Konzern umbauen. Bei der Abspaltung und dem Börsengang der Uniper SE, in der Eon das alte Kraftwerksgeschäft und den Großhandel bündelt, musste der Jurist und Volkswirt für 2016 milliardenschwere Abschreibungen vornehmen. In der Jonglage mit Zahlen ist Teyssen geübt, war er doch von 2001 bis 2003 Finanzchef bei Eon Energie. Seit 2008 leitet er den Eon-Konzern in Düsseldorf.

Joe Kaeser
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Mann mit Weitblick: Nach einem BWL-Studium in Regensburg begann Joe Kaeser 1980 seine Karriere bei Siemens. Für den Münchener Technologiekonzern war er weltweit in verschiedenen Positionen tätig. 2006 machte er einen wichtigen Karrieresprung: Er wurde zum Finanzvorstand befördert, 2013 trat er die Nachfolge von Peter Löscher als Siemens-Chef an.

Werner Baumann
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Bayer-Chef Werner Baumann teilt mit zahlreichen Kollegen anderer Dax-Konzerne eine Erfahrung. Er durfte sich auch einmal „oberster Herr der Zahlen“ nennen – und das vier Jahre lang. 2016 trat er die Nachfolge von Marijn Dekkers an der Spitze des Pharma- und Agrarchemiekonzerns in Leverkusen an.

Oliver Bäte
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Erst eine Lehre zum Bankkaufmann, dann ein BWL-Studium: Oliver Bäte hat sich zum Finanzexperten ausbilden lassen. Seit 2015 ist er Chef der Allianz SE, von 2009 bis 2012 war der ehemalige Unternehmensberater als Finanzvorstand im Versicherungskonzern für die Bereiche „Controlling, Reporting und Risk“ zuständig.

Timotheus Höttges
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Er galt als enger Vertrauter von René Obermann – und durfte ihn dann als Telekom-Chef beerben: Timotheus Höttges. 2000 stieg der Betriebswirt bei den Bonnern ein und kletterte die Karriereleiter immer höher. Nachdem er das Deutschlandgeschäft verantwortet hatte, wurde er auf Vorschlag Obermanns Finanzvorstand – bis er nach dessen Ausscheiden an die Spitze der Deutschen Telekom aufrückte.

Hirai hatte den Konzern gezielt auf technisch gute Produkte ausgerichtet und so Sonys Marke wieder gestärkt. Bei Digitalkameras gilt der Konzern mittlerweile als technischer Trendsetter und nimmt den Platzhirschen Canon und Nikon einst treue Kunden ab.

Der Zeitpunkt für die Staffelübergabe sei darum ideal, argumentiert der Konzernchef. Der laufende mittelfristige Geschäftsplan werde Bilanzjahr 2017 übererfüllt, kündigte er an. Nun befinde sich das Unternehmen mit dem Entwurf des neuen Managementplans an einer wichtigen Wegmarke. Und Hirai will Yoshida freie Hand geben, diesen weiteren Weg für Sony zu gestalten.

Die Nachfolge-Entscheidung kam nicht überraschend. Denn Yoshida selbst ist mehr als nur die rechte Hand Hirais, das machte der scheidende Konzernchef deutlich. Der bisherige Finanzvorstand habe als „wertvoller Vertrauter und Geschäftspartner agiert, während wir die Herausforderung angenommen haben, gemeinsam Sony zu transformieren“, teilte Hirai in einer Presseerklärung mit.

Die lobenden Worten decken sich mit dem Eindruck vieler Beobachter des Unternehmens. Die Wirtschaftszeitung „Nikkei“ nannte Yoshida „das Hirn hinter dem Vorhang“. Konzernchef Hirai habe zwar die große Linie vorgegeben, doch seinen Reformen und Sparmaßnahmen habe es an Durchschlagskraft gefehlt, bevor Yoshida gekommen sei.

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