China: PC-Bauer Lenovo entwickelt Spielkonsole

China
PC-Bauer Lenovo entwickelt Spielkonsole

Der chinesische Computerhersteller Lenovo will im kommenden Jahr eine Spielkonsole auf den heimischen Markt bringen. Die Ebox würde die erste echte Spielkonsole auf dem chinesischen Markt sein, denn offiziell sind in der Volksrepublik keiner Spiele für die etablierten Konsolen erhältlich. Experten sehen die Pläne mit Skepsis.
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PEKING. Der chinesische Computerhersteller Lenovo will im kommenden Jahr eine Spielkonsole auf den Markt bringen. Eine neu gegründete Tochtergesellschaft habe bereits einen Prototyp entwickelt und wolle im November ein weitgehend ausgereiftes Produkt vorstellen, teilte das Unternehmen in Peking mit. Die „Ebox“ werde zunächst ausschließlich in China erhältlich sein.

Die etablierten Anbieter Sony, Nintendo und Microsoft verdienen hier bisher kaum Geld, weil die Chinesen kein Geld für Konsolenspiele ausgeben wollen. Lenovo zufolge haben sich 16 Spielehersteller bereit erklärt, Software für das neue Gerät zu entwickeln. Schwerpunkt sollen „Spiele speziell für chinesische Vorlieben“ sein.

Der Notebook-Spezialist stößt damit direkt vor der eigenen Haustür in eine Marktlücke vor. „Lenovo hat große Vorteile auf dem chinesischen Markt“, kommentieren Experten der Hongkonger Zeitung „Xinbao“. In China seien derzeit offiziell keinerlei Spiele für die etablierten Konsolen erhältlich. Sonys Playstation, Nintendos Wii oder die Xbox von Microsoft sind als Grauimporte zu haben, die Geräte haben jedoch keine chinesische Benutzeroberfläche.

Die Ebox werde also die erste echte Spielkonsole auf dem chinesischen Markt sein. Die Größe dieses Marktes beziffert Lenovo selbst mit 120 Millionen Haushalten. Branchenexperten schätzen den Elektroabsatz in China derzeit auf 90 Milliarden Euro bei jährlichen Wachstumsraten von acht Prozent.

Das chinesische Unternehmen will sich angesichts seiner Exklusivstellung offensichtlich nicht am Wettbewerb um die beste Hardware beteiligen. Es gehe eher darum, die ganze Familie vor aktive Spiele zu locken, hieß es von Lenovo. Ein niedriger Preis ist in China immer noch wichtiger als höchste Leistung. Aber trendy darf es sein: So soll die Ebox keinerlei Eingabegeräte mehr brauchen. Sensoren erfassen direkt die Körperbewegungen der Spieler im Raum.

Beobachter zweifeln trotz aller Vorteile des neuen Wettbewerbers daran, ob das neue Produkt ein Selbstläufer wird. „Ein Monopol bedeutet nicht automatisch kommerziellen Erfolg“, schreibt Xinbao.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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