Chinesischer Konzern erweitert seine Produktpalette für die übernommenen IBM-Computer
Computerbauer Lenovo umwirbt deutsche Mittelständler

Ein halbes Jahr nachdem Lenovo die PC-Sparte von IBM übernommen hat, erschließt der chinesische PC-Hersteller neue Kundengruppen. „In diesem Quartal bringen wir erstmals PCs für Kleinbetriebe auf den Markt“, sagte Deutschlandchef Marc Fischer dem Handelsblatt. Bislang richtete sich das Angebot vor allem an Großunternehmen.

HB MÜNCHEN. „Wir wollen neue Marktsegmente erschließen“, unterstrich Fischer, „und kleine und mittlere Unternehmen stehen ganz oben auf unserer Agenda.“ Solange das PC-Geschäft noch zu IBM gehörte, wurden hauptsächlich Konzerne sowie größere Mittelständler bedient. Nun solle der Kundenkreis deutlich erweitert werden, ergänzte Fischer. Wann Lenovo seine Rechner auch an Privatkunden verkaufe, sei jedoch noch offen.

Der chinesische Computerbauer Lenovo übernahm in diesem Frühjahr das PC-Geschäft des amerikanischen IT-Konzerns IBM. Mitte Oktober kündigten die Asiaten an, ihre chinesischen Aktivitäten mit dem internationalen Geschäft zu verschmelzen. Ursprünglich war geplant, die beiden Sparten zunächst unabhängig voneinander zu betreiben. Durch gemeinsame Forschung, Produktion und Vertrieb soll das Unternehmen nun deutlich schlagkräftiger werden. Fischer: „Dadurch optimieren wir unsere Kostenstrukturen und werden wettbewerbsfähiger.“

Durch die Übernahme des IBM-Geschäfts kletterte Lenovo im weltweiten Vergleich auf Rang drei der größten Computeranbieter. Der Abstand zu den Marktführern ist jedoch noch groß. Nach Angaben der Marktforscher von Gartner kam Lenovo im dritten Quartal auf einen Anteil von 7,4 Prozent. Die Nummer eins, Dell, erzielte 16,8 Prozent, Hewlett-Packard auf Platz zwei erreichte 15,2 Prozent.

Nach Ansicht der Experten ist es aber eine gute Leistung von Lenovo, dass sich der Marktanteil im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert hat. Andere Wettbewerber haben nach Übernahmen deutlich verloren. Den Berechnungen von Gartner-Analysten zufolge hat Dell drei Prozentpunkte Marktanteil in Europa gewonnen, seitdem HP den Wettbewerber Compaq übernommen hat.

Bislang ist der Name Lenovo in Deutschland aber nicht zu sehen. Die Prospekte gleichen denen von IBM noch fast bis aufs Haar. Lediglich das Logo der Amerikaner fehlt. Stattdessen nutzt Lenovo die gut eingeführten Produktnamen des größten IT-Anbieters der Welt, etwa „Think Pad“.

Der Auftritt soll sich erst zu Olympia in Turin im kommenden Winter ändern. Die Chinesen sind Sponsor der Spiele und wollen den Anlass nutzen, um den Namen weltweit bekannt zu machen. In der Folge sollen dann die ersten Produkte unter dem eigenen Markennamen verkauft werden.

Lenovo darf die Marke IBM 18 Monate voll nutzen, danach nur noch eingeschränkt. Ein ähnliches Abkommen hat Siemens mit BenQ getroffen. Die Taiwaner übernahmen jüngst von dem Münchener Technologiekonzern das Handy-Geschäft.

Die Konkurrenz gibt sich trotz der Expansion von Lenovo in neue Geschäftsfelder gelassen. „Uns interessiert das nicht besonders. Wir werden weiter investieren und wachsen“, gab sich Dell-Gründer Michael Dell jüngst im Handelsblatt-Interview selbstbewusst.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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