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Chinesischer Telekom-Ausrüster greift Siemens an

Der größte börsennotierte chinesische Telekommunikations-Ausrüster ZTE will Siemens und den anderen etablierten Anbietern jetzt auch in Deutschland Marktanteile abjagen. „Wir sind jung und lernfähig. Wir werden unsere Marktanteile auf jeden Fall bekommen“, betont ZTE-Deutschlandchef Haifeng Ling.

dpa MüNCHEN. Der größte börsennotierte chinesische Telekommunikations-Ausrüster ZTE will Siemens und den anderen etablierten Anbietern jetzt auch in Deutschland Marktanteile abjagen. „Wir sind jung und lernfähig. Wir werden unsere Marktanteile auf jeden Fall bekommen“, betont ZTE-Deutschlandchef Haifeng Ling.

Das Unternehmen sei auch in China 1985 als Nachzügler gestartet und habe sich seine Position erkämpft. „Das wollen wir jetzt in Europa wiederholen.“ Es würden bereits intensive Verhandlungen mit Mobilfunk- und Festnetzbetreibern geführt. ZTE bewirbt sich mit Partnern auch um den Milliardenauftrag für den neuen digitalen Polizeifunk in Deutschland. Zudem will das Unternehmen noch in diesem Jahr mit seinen Handys in Deutschland auf den Markt kommen.

Mit Unternehmen wie ZTE oder dem Konkurrenten Huawei will China jetzt auch im Telekommunikationssektor neue Märkte erobern. Weltweit machte ZTE zuletzt mit 25 000 Mitarbeitern bereits mehr als vier Mrd. Dollar Umsatz. Mit hohen Investitionen in Forschung und Entwicklung wächst der Konzern mit etwa 35 Prozent im Jahr. In Europa treffen die Chinesen nun auf Platzhirsche wie Nokia, Siemens, Ericsson und Alcatel. Dennoch rechnet sich Ling gute Chancen aus. „Wir haben eine ausgesprochen breite Produktpalette.“ ZTE sei einer der wenigen Komplettanbieter, zum Beispiel vom Mobilfunknetz bis zum Handy. Siemens hat sich von diesem Anspruch mit dem Verkauf seiner Handysparte an Benq gerade erst teilweise verabschiedet.

Leicht dürfte es dennoch nicht werden, in die etablierten Märkte einzubrechen. „Siemens und die anderen Anbieter haben Kundenbeziehungen, die zum Teil 30 oder 40 Jahre alt sind“, sagt Analyst Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck. Falls die Chinesen aus eigener Kraft in Europa wachsen wollten, wäre das nach seiner Einschätzung keine große Bedrohung. „Etwas anderes wäre es, wenn sich die Chinesen nach dem Vorbild von Benq irgendwo einkaufen.“ Eine weitere Möglichkeit sei, sich mit Dumpingpreisen Marktanteile zu erkaufen. „Das würde der gesamten Branche schaden.“

Der Markt Europa ist nach Lings Einschätzung hochinteressant. „Hier werden die Standards entschieden.“ Zudem springe der Markt gerade wieder an. Es gebe inzwischen auch keine Vorbehalte mehr gegenüber chinesischen Anbietern. „Mittlerweile ist akzeptiert, dass wir auch technologisch auf der Höhe der Zeit sind.“ Auch Analyst Kitz ist überzeugt: „Von der Technologie her und von den Lohnkosten sind die Chinesen voll konkurrenzfähig.“

Wenn ZTE erst einmal im Geschäft sei, könnten in Deutschland auch teilweise Forschung und Entwicklung stattfinden, stellt Ling in Aussicht. Die Beschäftigten hier zu Lande seien exzellent ausgebildet. Zudem müsse die Entwicklung nah an den Märkten sein. Ein Türöffner für den deutschen Markt könnte der Polizeifunk-Auftrag sein. ZTE habe ein technologisch hochwertigeres und vor allem in der Anwendung günstigeres Konzept als die Konkurrenz, sagte Ling. „Wir rechnen uns gute Chancen aus.“

Angst haben sollte nach Einschätzung Lings niemand vor der neuen Konkurrenz. Deutsche Unternehmen machten gute Geschäfte in China. „Siemens hat dort 40 000 Mitarbeiter.“ Da müsse es auch erlaubt sein, dass chinesische Unternehmen in umgekehrter Richtung den Wettbewerb in Europa belebten.

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