Chip-Hersteller
Intels Taschenspielertrick

Der Chip-Gigant kann sich vom PC nicht lösen. Im vergangenen Quartal ging der Gewinn weiter zurück. Dennoch legte die Aktie nachbörslich zu – die Nachrichten waren zwar schlecht, aber nicht so schlecht wie erwartet.
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New YorkVersprochen hat er schon viel, der neue Intel-CEO Brian Krzanich. Aber noch gibt es wenige Anhaltspunkte, dass er wirklich etwas bewegt hat. Der träge Gigant Intel muss aus der sterbenden PC-Welt ausbrechen, um seine Bedeutung zu erhalten. Ein Taschenspielertrick sollte am Dienstag die Märkte überzeugen: Es gibt jetzt eine eigene Sparte „Mobile“, die aus ihrem Kellerverlies in der Sparte „Anderes“ heraus und in die Sonne blinzeln darf. Selbst eine Sparte „Internet der Dinge“ taucht auf einmal auf. Aber das kann die wahren Probleme nicht mehr überzuckern, selbst wenn die Aktie nachbörslich auf ein Jahreshoch anstieg. Intel kauft sich Zeit.

Das bis dahin grün und zufriedene grinsende Gesicht auf der Kaffeetasse verfärbt sich langsam rot, und aus dem Smiley wird ein Schmollmund. Für Intels Chef Brian Krzanich ein klares Signal: Dem Baby geht es nicht gut. Die Babypuppe auf der Bühne in Las Vegas hat auf dem Strampelanzug eine kleine Schildkröte, darin verpackt ist Intels jüngste Kreation: Edison.

Das ist ein Computer in der Größe einer klassischen SD-Speicherkarte, wie man sie in eine Kamera steckt. Doch Intels Karte hat einen kompletten Zweikern-Prozessor (Intel Quark) an Bord, Speicher, Bluetooth und Wifi. Krzanich sieht Edison schon als Basis für das Internet der Dinge, vom Strampelanzug über Kaffeetassen bis zu Datenbrillen und Smartwatches. Im Januar 2014 auf der CES gezeigt, taucht die Sparte „Internet of Things“ jetzt erstmals auch in der Finanzabrechnung auf.

Umsatzsprung auf tiefem Niveau

Für das Quartal meldet Intel jetzt für den Bereich einen Umsatz von 482 Millionen Dollar, ein Plus zum Vorjahr von 32 Prozent. Das klingt spannend, aber sagt noch nicht viel aus. Zum einen ist das Nichts im Vergleich zum Gesamtumsatz im Quartal von 12,8 Milliarden Dollar. Zum anderen ist es kein neues Geschäft. Bereits bevor das Hype-Wort „Internet der Dinge“ produziert wurde, gab es sogenanntes Embedded Computing. Computer in Geräten, die nichts mit Computern zu tun haben. Das sind Geld- oder Getränkeautomaten, Werkzeugmaschinen, Medizingeräte und so weiter.

Dieser Teil wurde aus der Datencenter Gruppe ausgelöst und bildet zusammen mit dem Softwareangebot Wind River den Kern des Geschäfts. Wind River musste die Software-Gruppe hergeben. Von den neuen Edisons, so Krzanich bei der Zahlenvorlage, wurden „die ersten Stückzahlen ausgeliefert.“

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