Chip-Industrie
NXP zieht sich selbst aus dem Sumpf

Europas drittgrößter Chipproduzent ist nach dem Kauf durch Finanzinvestoren hoch verschuldet. Der neue Chef Rick Clemmer will die ehemalige Philips-Sparte aus eigener Kraft sanieren. Es gebe gute Chancen für profitables Wachstum. Große Hoffnungen setzt das Unternehmen in neue Mautsysteme.
  • 0

EINDHOVEN. Rund um die Zentrale von NXP am Rand von Eindhoven erstreckt sich flaches Land so weit das Auge reicht. Hoch ist bei Europas drittgrößtem Chiphersteller bloß der Schuldenberg. Die ehemalige Philips-Sparte ächzt unter Verbindlichkeiten von 4,7 Mrd. Dollar. Das ist eine Menge Geld für ein Unternehmen, das zuletzt auf einen Quartalsumsatz von einer Mrd. Dollar kam. Dennoch ist der neue NXP-Chef Rick Clemmer zuversichtlich, dass der Halbleiterproduzent die Krise unbeschadet überstehen wird. "Unser Gewinn wird in den nächsten Jahren deutlich steigen und ausreichen, um die Schulden zu begleichen", sagte der Amerikaner im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Angesichts der schwierigen Lage von NXP war in den vergangenen Jahren öfter über einen Zusammenschluss mit dem Münchener Konkurrenten Infineon spekuliert worden. Obwohl es Gespräche zwischen beiden Seiten gegeben hat, sind die Unternehmen nie zusammengekommen. So sind unter anderem Verhandlungen über den Verkauf der Mobilfunksparte von NXP an Infineon gescheitert; die Holländer wurden schließlich mit ST Microelectronics handelseinig.

Nummer eins oder Nummer zwei

Chip-Manager Clemmer geht jetzt davon aus, dass sein Unternehmen auf eigenen Beinen stehen kann. "In fast allen Bereichen, die wir abdecken, sind wir Nummer eins oder zwei im Markt", so Clemmer. Das biete gute Chancen auf profitables Wachstum. NXP ist Weltmarktführer im Geschäft mit Halbleitern für Sicherheitsprodukte wie Ausweise, stellt aber auch Chips für Autos, Medizintechnik und Unterhaltungselektronik her. Zudem setzt die Firma große Hoffnung in Mautsysteme, wie sie gerade in den Niederlanden geplant werden.

Früher war NXP Teil von Philips. Finanzinvestoren unter der Führung von KKR übernahmen die Chipsparte 2006 für rund 4,5 Mrd. Euro. Wie zu jener Zeit bei solchen Transaktionen üblich, wälzten sie die Kredite für die Finanzierung des Kaufpreises auf das Unternehmen ab. Die ehemalige Mutter Philips ist noch mit einem Fünftel der Anteile beteiligt.

Einen größeren Deal mit Private-Equity-Beteiligung hat es in der Chipbranche nur noch in den USA gegeben: 2006 überwies ein Konsortium aus Blackstone, Carlyle und Texas Pacific für Freescale, den ehemaligen Halbleiterbereich von Motorola, 17,6 Mrd. Dollar. Freescale ist genau wie NXP heute nur noch ein Bruchteil dessen wert, was die Vermögensverwalter einst dafür ausgegeben haben.

Seite 1:

NXP zieht sich selbst aus dem Sumpf

Seite 2:

Kommentare zu " Chip-Industrie: NXP zieht sich selbst aus dem Sumpf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%