Chiphersteller
Infineon trumpft mit Milliardenübernahme auf

Für drei Milliarden Dollar will Chipkonzern Infineon den Konkurrenten International Rectifier aus den USA übernehmen. Die Übernahme ist für den bayrischen Konzern die mit Abstand größte seit der Abspaltung von Siemens.
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Frankfurt/MünchenDer bayerische Chipkonzern Infineon überrascht mit einer Milliardenübernahme. Das Unternehmen will den US-Rivalen International Rectifier für drei Milliarden Dollar übernehmen, wie Infineon am Mittwoch mitteilte. „Die Kombination sich hervorragend ergänzender Produkte, technologischer und innovativer Exzellenz sowie der Vertriebsstärke wird großes Potenzial erschließen“, pries Vorstandschef Reinhard Ploss die Transaktion.

Je Aktie sollen die Rectifier-Anteilseigner 40 Dollar erhalten. Der Aufschlag zum Schlusskurs vom Dienstag fällt mit rund 50 Prozent selbst für die Hightech-Branche üppig aus. Durch den bisherigen Aktienrückkauf der Amerikaner beläuft sich der Unternehmenswert netto auf 2,4 Milliarden Dollar.

Vorstandschef Ploss verteidigte den Schritt. Die Integration der Amerikaner schaffe Kostenvorteile und beschleunige die Umstellung der Fertigung auf größeren Siliziumscheiben, die für die Branche mit Preisvorteilen einhergeht.

„Infineon wird darüber hinaus eine deutlich breitere und stärkere regionale Präsenz haben. So hat International Rectifier eine starke Position in den USA, dem wichtigen Zentrum für Innovationen besonders bei der vernetzten Welt, und wird die Präsenz von Infineon in Asien wesentlich erweitern“, teilte Infineon mit.

Die Übernahme solle sich bereits im ersten Jahr für die Neubiberger auszahlen. Für den Kaufpreis nimmt Infineon neue Schulden über 1,5 Milliarden Euro auf, der Rest stammt aus Barmitteln des größten deutschen Halbleiterkonzerns. Die Aufsichtsgremien beider Firmen hätten der Übernahme bereits zugestimmt, hieß es in der Mitteilung.

Der Deal ist eine Rarität in der Branche. Große Zusammenschlüsse sind in der Chipindustrie aufgrund der hohen Spezialisierung und der starken Schwankungsanfälligkeit extrem selten. Erst jüngst war ein deutlich kleinerer Zusammenschluss zwischen dem Apple-Zulieferer Dialog Semiconductor und der österreichischen AMS gescheitert. Die Übernahme ist für Infineon die mit Abstand größte seit der Abspaltung von Siemens vor 15 Jahren.

Seit Jahren wird über mögliche Zukäufe von Infineon spekuliert. Der Konzern hatte stets betont, dass man sich Übernahmen durchaus vorstellen könne, wenn der Kaufpreis, das Unternehmen und seine Produkte zur Strategie von Infineon passen würde. Vorstandschef Reinhard Ploss hatte angesichts guter Geschäfte erst jüngst die Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2013/14 ein wenig angehoben.

Infineon profitiert von einem starken Geschäft mit der Autoindustrie, aber auch vom Geschäft mit erneuerbarer Energieerzeugung, -übertragung und -wandlung, elektrischen Industrieantrieben und Haushaltsgeräten erweisen. Dieses Jahr soll der Umsatz auf mehr als 4 Milliarden Euro klettern.

Bei der Vorlage der Halbjahreszahlen hatte Infineon-Chef Reinhard Ploss erklärt, Infineon sei weiterhin auf der Suche nach Übernahmezielen. Akquisitionen sind in der hochspezialisierten Chipbranche rar.

Der Zukauf hatte hat am Mittwoch den Aktien von Infineon zu schaffen gemacht. Die Titel fielen bei anziehendem Umsatz um bis zu 3,2 Prozent auf 8,44 Euro und damit ans Dax-Ende.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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