Chiphersteller
Infineon will Asiengeschäft ausbauen

Niedrige Löhne, hohe Nachfrage: Asien wird für die gesamte Chipbranche immer wichtiger. So wird der Chiphersteller Infineon in den nächsten Jahren in der Region deutlich stärker zulegen als im Rest der Welt. Und die Münchener wollen ihr Geschäft weiter ausbauen.

SINGAPUR. „Der Anteil des Asiengeschäfts am Konzernumsatz beträgt derzeit 35 Prozent und wird weiter wachsen“, sagte Hans-Martin Stech dem Handelsblatt. Der Manager ist Chief Financial Officer des Konzerns für die Region Asien-Pazifik.

Stech betonte, dass der Halbleiterproduzent sein Geschäft weltweit ausbauen werde. Nirgendwo seien die Aussichten aber so gut wie in Asien: „Wir rechnen über die nächsten zwei bis drei Jahren jeweils mit einem Marktwachstum von rund neun Prozent.“ Detaillierte Prognosen für das Asiengeschäft von Infineon wollte der Manager nicht abgeben.

Asien wird für die gesamte Branche immer wichtiger. Das zeigt sich in den Zahlen von Infineon: So ist der Umsatzanteil von Nordamerika zwischen Frühjahr 2006 und Frühjahr 2007 kräftig zurückgegangen. Asien und das separat aufgeführte Japan haben dagegen gewonnen.

Nicht nur Infineon verspricht sich neues Geschäft in Asien. Am Freitag machten in der Industrie Spekulationen die Runde, ST Microelectronics (ST) suche einen Produktionspartner in China. Es gebe bereits erste Gespräche mit dem chinesischen Hersteller Grace Semiconductor, hieß es. Europas größter Chipkonzern wollte sich dazu nicht äußern.

Das italienisch-französische Gemeinschaftsunternehmen ist seit Jahren in Singapur vertreten. Im chinesischen Wuxi baut die Firma bereits eine Fabrik zusammen mit dem koreanischen Speicherproduzenten Hynix. Trotzdem hat ST-Chef Carlo Bozotti immer wieder betont, dass er sein Engagement in Asien weiter ausbauen wolle.

Dass europäische Chipfirmen nach Asien drängen, hat verschiedene Gründe. Einerseits sind die Löhne dort niedriger als in Europa. Deshalb hat Infineon vergangenes Jahr eine Fabrik in Malaysia eröffnet. Ein Werk am Stammsitz in München hat Infineon-Chef Wolfgang Ziebart hingegen dicht gemacht.

Andererseits kaufen die Asiaten immer mehr Chips. „Die stärksten Wachstumsraten verzeichnen wir in Indien, allerdings von einem niedrigen Niveau kommend“, sagte Infineon-Manager Stech. Vor allem für Handychips haben die Schwellenländer eine enorme Bedeutung. „Die aufstrebenden Märkte in Afrika, Südamerika und Asien treiben das Wachstum der Mobilfunkbranche“, sagt Carolina Milanesi vom Marktforscher Gartner.

Dazu kommt, dass sowohl PCs als auch Notebooks zunehmend in Asien gefertigt werden. Unternehmen wie der Münchener Speicherchiphersteller Qimonda haben deshalb schon heute ein enges Netz an Werken in der Region, um ihre Abnehmer zu versorgen. Ein großer Teil der Produkte von Qimonda wird in Rechner oder Spielekonsolen eingebaut. Vergangene Woche hat die ehemalige Infineon-Sparte die Zusammenarbeit mit der chinesischen SMIC verlängert. SMIC fertigt Chips im Auftrag von Qimonda.

Für europäische Chipkonzerne sind Werke in Asien noch aus einem anderen Grund wichtig: Die Fertigung in Europa ist wegen des starken Euros problematisch. Da auf dem Chipmarkt meist in Dollar abgerechnet wird, sind die Produkte aus Europa relativ teuer.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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