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Chiphersteller investieren wieder kräftig

Selbst angeschlagene Produzenten wie Hynix und Promos folgen Infineon und rüsten ihre Kapazitäten auf.

MÜNCHEN. Die Chipbranche kommt gerade erst aus der schwersten Krise ihrer Geschichte – viele Firmen haben fast drei Jahre lang Verluste eingefahren. Doch planen die Halbleiterhersteller nun schon wieder Milliarden-Investitionen. Selbst wirtschaftlich schwer angeschlagene Produzenten wie der südkoreanische Hynix-Konzern und Promos aus Taiwan wollen schnell aufrüsten. Die lange vorhergesagte Konsolidierung kommt damit nicht wie erwartet voran.

Seit Jahren wartet die Branche darauf, dass Hynix Konkurs anmeldet. Nur durch Staatsbeihilfen konnte der hoch verschuldete Konzern überleben. Wettbewerber haben gehofft, dass den Koreanern mit der Zeit das Geld ausgeht, sie technologisch abgehängt werden und damit vom Markt verschwinden. Das Kalkül der Konkurrenten: Durch den Kapazitätsabbau würden die Preise steigen.

Doch mit dem Aufschwung werden diese Erwartungen zunichte gemacht. Hynix will gegen Jahresende erstmals wieder schwarze Zahlen schreiben und hat angekündigt, nächstes Jahr kräftig zu investieren. Finanziert werden sollen die dringend benötigten neuen Technologien durch den Verkauf von Randgeschäften. Hynix zählt zu den weltgrößten Produzenten von Speicherchips und ist ein wichtiger Wettbewerber der deutschen Infineon Technologies AG aus München.

Mit Promos kündigte dieser Tage ein weiterer Totgesagter hohe Investitionen an. Die Taiwaner wollen kommendes Jahr mit dem Bau eines neuen Chipwerks für 2,5 Mrd. $ beginnen. Bislang hatte Promos mit Infineon zusammengearbeitet und von den Deutschen die Produktionstechnologie in Lizenz genutzt. Nach dem Ende der Kooperation muss das Unternehmen auf eine ganz neue Technologie wechseln – und hat dafür nach eigenen Angaben mehrere Partner gefunden, die zur Finanzierung des Werkes beitragen. Allerdings seien noch keine Verträge unterschrieben.

Vor allem die jungen chinesischen Chiphersteller planen riesige Investitionen. So will die Grace Semiconductor Manufacturing Corp. 2005 mit einem Börsengang rund 3 Mrd. $ einsammeln, um die geplante Expansion zu finanzieren. Über eine Privatplatzierung sollen schon dieses Jahr 400 Mill. $ in die Kassen kommen. Konkurrent Semiconductor Manufacturing International Corp. (Smic) ist bereits einen Schritt weiter. Smic hat jüngst 630 Mill. $ durch die private Ausgabe von Aktien eingenommen und will damit neue Kapazitäten aufbauen.

Doch nicht nur die kleineren Chiphersteller öffnen jetzt die Kassen. Auch die Branchenführer rüsten sich für die Zukunft. So kündigte Infineon vergangene Woche an, bis 2007 allein in China 1,2 Mrd. Euro zu investieren. In Taiwan bauen die Münchener bereits mit dem Partner Nanya ein neues Werk, in das die Deutschen 550 Mill. $ stecken. Texas Instruments hat im Sommer verkündet, dass 2005 der Bau einer 3 Mrd. $ teuren Fabrik in Texas beginnen soll. Auch der koreanische Samsung-Konzern, nach Intel die Nummer zwei der Branche, hat seine Investitionen aufgestockt.

Obwohl die Zuversicht gerade erst in die Branche zurückgekehrt ist, erwarten Branchenkenner, dass viele Firmen wegen des enormen Preisdrucks vom Markt verschwinden. Vor allem im Speicherchip-Bereich stünde ein Firmensterben bevor, betonte Nanya-Chef Jih Lien im Gespräch mit dem Handelsblatt: „In den nächsten Jahren wird die Zahl der Wettbewerber drastisch sinken. Das ist gut, denn es wird zu langfristig vernünftigen Preisen führen.“

Erste Anzeichen für diese Entwicklung gibt es schon. Der Taiwaner Konzern Winbond hat seinen Ausstieg aus dem Geschäft angekündigt.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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